Anlageprospekte Meldung

Wirtschaftsprüfer prüfen die Prospekte über Geldanlagen bald nach neuen Richtlinien. Doch die schützen in erster Linie die Anbieter, nicht die Anleger.

Mit "Altersvorsorge nach Maß" oder dem "Direkten Weg zum Erfolg" werben Anbieter von Kapitalanlagen auch im staatlich nicht kontrollierten grauen Kapitalmarkt. Anlagevermittler versprechen lukrative Renditen und hohe Steuerersparnisse. Broschüren und Schmierzettel-Berechnungen der Vermittler tun ihr Übriges, um den Kapitalanleger von einer Geldanlage zu überzeugen.

Verbindlich für die Anlage ist aber allein der Prospekt, den Anbieter zu ihren Anlagemodellen herausgeben müssen. Und dort sind die Erfolgsaussichten der Kapitalanlage oft viel nüchterner dargestellt.

Doch die meisten Anleger lesen den Prospekt überhaupt nicht. Der Grund dafür ist schnell ermittelt: Die Prospekte zu den Anlagen werden immer umfangreicher und sind für Laien oft nur schwer verständlich.

Risikohinweise unbedingt lesen

Dennoch sollten Anleger die Prospekte lesen. Vor allem die Passagen über die Chancen und Risiken der Anlage, die der Anlageberater nicht selten unerwähnt lässt. Sonst muss der Anleger sich später, wenn etwas schiefgeht, vorwerfen lassen, die Risiken ignoriert zu haben.

Jeder Volljährige müsse ja schließlich wissen, was er unterschreibe, argumentieren die Anbieter dann hinterher ­ und manchmal auch die Gerichte.

Neue Richtlinien für Prüfer

Viele Prospekte tragen das Siegel eines Wirtschaftsprüfers. Das sieht beruhigend aus, ist aber keine Garantie für den Erfolg einer Anlage. Denn ein Wirtschaftsprüfer prüft nur, ob eine Geldanlage theoretisch so funktionieren kann, wie es der Anbieter im Prospekt darstellt. Ob sie sich in der Praxis lohnt, kann er gar nicht prüfen.

Daran können auch die neuen Richtlinien zur Beurteilung von Prospekten nichts ändern, die das Institut für Wirtschaftsprüfer (IDW) im September 2000 einführen will. Die Verbesserungen für Anleger sind eigentlich Dinge, die für seriöse Anbieter schon bisher selbstverständlich waren.

So müssen die Wirtschaftsgutachter nach dem neuen IDW-Standard prüfen, ob die Prospektangaben vollständig, richtig und klar sind. Dabei handelt es sich um solche Angaben, die "aus der Sicht eines verständigen und durchschnittlich vorsichtigen Anlegers" für die Anlageentscheidung erheblich sind.

Doch was ein Wirtschaftsprüfer für klar hält, ist für den Laien längst noch nicht verständlich. Auch in Zukunft werden Anleger viele Anlagemodelle ohne einen Steuerberater nicht nachrechnen können.

Immerhin müssen nach den neuen Richtlinien die wesentlichen Aspekte der Anlage sowie Chancen und Risiken in einem gesonderten Abschnitt am Anfang des Prospekts stehen. Prognosen müssen realistisch sein und auf Erfahrungen aus der Vergangenheit aufbauen.

Der Wirtschaftsprüfer muss außerdem Informationen über die Prospektherausgeber einholen. Dazu können beispielsweise geprüfte Leistungsbilanzen über Vorprojekte gehören. So kann er zumindest für die Vergangenheit beurteilen, welche Versprechen ein Anbieter gehalten hat.

Gutachten begrenzen Haftung

Was der Wirtschaftsprüfer feststellt, schreibt er in ein Gutachten. Doch das Gutachten wird Anlegern nicht automatisch zugesandt.

Anleger haben es auch nicht leicht zu erfahren, was in dem Gutachten steht. Sie müssen eine gesonderte Auskunftsvereinbarung treffen und die allgemeinen Auftragsbedingungen des Wirtschaftsprüfers anerkennen, um das Gutachten überhaupt lesen zu dürfen. Damit begrenzt der Prüfer seine Haftung gegenüber dem Anleger.

Anders als früher darf der Initiator eines Anlagemodells das Prospektgutachten nicht mehr ohne Zustimmung des Wirtschaftsprüfers weitergeben. Es ist daher anzunehmen, dass nur ganz wenige Anleger das Prospektgutachten überhaupt zu Gesicht bekommen. Da drängt sich der Verdacht auf, dass das Gutachten in erster Linie den Anbietern dazu dient, ihre Haftung zu begrenzen. Nach dem Motto: Was der Wirtschaftsprüfer in Ordnung fand, kann später nur schwer als Prospektfehler gewertet werden.

Gerichtsfeste Prospekte

Mit einem gerichtsfesten Prospekt und einem positiven Prospektgutachten können sich die Anbieter von Kapitalanlagen also besser absichern und die Risiken einer Prospekthaftung auf ein Minimum reduzieren. Auch die Haftungsrisiken für Vermittler sinken, wenn ein Prospektgutachten vorliegt.

Die höheren Kosten für den aufwendigeren Anlageprospekt und das zusätzliche Prospektgutachten des Wirtschaftsprüfers werden die Initiatoren freilich auf die Anleger abwälzen. Fachleute schätzen, dass allein die Kosten für das Gutachten von bisher rund 50.000 Mark auf demnächst 100.000 Mark steigen werden.

Keine Erfolgsgarantie

Grundsätzlich ist ein Anbieter nicht verpflichtet, Prospektgutachten in Auftrag zu geben. Liegt aber ein Gutachten vor, sollte sich der Anleger über Umfang und Grenzen im Klaren sein. Auch eine noch so gute Prospektbeurteilung kann einen möglichen wirtschaftlichen Reinfall beim Anleger nicht verhindern.

Darauf weist der Entwurf des IDW-Standards zur Beurteilung von Prospekten über öffentlich angebotene Kapitalanlagen sogar ausdrücklich hin. Das Wirtschaftsprüfer-Gutachten gebe "keine Gewähr für den Eintritt des wirtschaftlichen Erfolges und der steuerlichen Auswirkungen der Kapitalanlage", heißt es wörtlich.

Eine eigene Beurteilung der Chancen und Risiken kann das Gutachten also nicht ersetzen. Oft wird dazu ein unabhängiger Berater nötig sein. Da sich viele Angebote des grauen Kapitalmarkts als Kostenaufblähungsmodelle entpuppen, sollte dieser auch die Höhe der Kosten für Werbung, Prospektherstellung, Treuhänder, Vermittlerprovisionen und Verwaltung genauestens unter die Lupe nehmen.

Je besser ein Kapitalanleger informiert ist, desto eher schützt er sich vor einem späteren Schadensfall. Oft besteht der beste Schutz allerdings darin, riskante Kapitalanlagemodelle erst gar nicht zu zeichnen.

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