Anlage­fehler vermeiden Special

Anleger setzen oft alles auf eine Karte, statt ihr Geld gut zu verteilen. Ein typischer Fehler, der sich leicht vermeiden lässt.

Anlage­fehler in Serie

Dieses Special ist Teil einer Serie zum Thema „Anlage­fehler“:

Verkehrte Welt in der Geld­anlage

Deutsche Anleger gelten als risikoscheu. Die meisten vertrauen auf Tages­geld. Wenn sie sich jedoch an Wert­papiere wagen, gehen sie häufig unnötig hohe Risiken ein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Frank­furt am Main, in der Wissenschaftler mehr als 3 000 Depots privater Anleger bei Online­banken untersucht haben. Drei Viertel der Anleger haben demnach teils verheerende Ergeb­nisse erzielt – viele von ihnen, weil sie zu viel auf eine Karte gesetzt und ihr Geld nicht breit genug gestreut haben.

4 Prozent weniger Rendite

Mangelnde Streuung ist einer der häufigsten Fehler privater Anleger. „Und gleich­zeitig der teuerste“, sagt Andreas Hacke­thal, Professor für Personal Finance. Er und sein Frank­furter Team haben heraus­gefunden: „Mangelnde Streuung kostet Anleger im Schnitt 4 Prozent Rendite.“

Typische Fehler

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Viele kaufen zum Beispiel einzelne Aktien und gehen damit teils riskante Wetten ein, in der Hoff­nung auf heiße Gewinne. Gepaart wird der Fehler mangelnder Streuung oft mit der Vorliebe für Aktien aus Deutsch­land. Zu den typischen Fehlern, die die Wissenschaftler um Hacke­thal in ihrer Unter­suchung erkannt haben, gehören außerdem über­mäßiges Handeln und die Neigung, an Verlust­papieren fest­zuhalten, statt sie zu verkaufen.

Finanztest greift die häufigsten Fehler bei der Geld­anlage in einer kleinen Serie auf, die in loser Folge erscheint – und zeigt, wie Anleger es besser machen können.

Kleine Änderung, große Wirkung

Gegen mangelnde Streuung im Aktiendepot hilft zum Beispiel der Kauf eines einzigen Fonds, der welt­weit in Aktien investiert. Hinzu kommt eine Zins­anlage. Das kann entweder Tages­geld oder Fest­geld sein oder auch ein Rentenfonds Euro, der in sichere Anleihen investiert.

Mehr Rendite bei gleichem Risiko

Anlage­fehler vermeiden Special

Die Analyse der 3 000 Depots zeigt: Anleger, deren Depot ähnlich stark schwankte wie der Welt­aktien­index MSCI World, hätten in den untersuchten zehn Jahren eine Rendite von knapp über 5 Prozent pro Jahr erzielen können. Tatsäch­lich blieben viele teils deutlich darunter, obwohl sie ein vergleich­bares Risiko einge­gangen sind.

Drei Viertel der Anleger schnitten schlechter ab, als sie es hätten müssen. Bei den meisten fiel der Gewinn geringer aus, einige verloren sogar Geld. Verlust machten vor allem die Anleger, denen gleich mehrere Fehler unterliefen. Statt 5 Prozent Plus pro Jahr hatten sie am Ende 5 Prozent Minus.

Ideal sind Indexfonds

Im Ideal­fall kaufen Anleger als Grund­lage für ihr Depot börsen­gehandelte Indexfonds oder kurz ETF (exchange traded funds). Ein ETF bildet einen Index nach, der eine Vielzahl von Aktien enthält. ETF können jeder­zeit gehandelt werden, die Kosten für den Kauf und die jähr­lichen Verwaltungs­kosten sind gering. Die Entwick­lung der Fonds ist leicht nach­voll­zieh­bar.

Am besten eignet sich ein ETF, der den Welt­index abbildet. Infrage kommt etwa der Fonds UBS MSCI World Ucits ETF (Isin LU 034 028 516 1). Er kauft die Original­aktien aus dem Index und hat vergleichs­weise geringe Kosten Produktfinder Fonds.

Vernünftiger Mix

Wichtig ist zudem, darauf zu achten, wie sich das Depot auf sichere und riskantere Anlagen aufteilt. Mit einem ETF auf den Welt­aktien­index, mit anderen Aktienfonds oder einzelnen Aktien bestü­cken Anleger nur den riskanten Teil des Depots.

Für den Sicher­heits­baustein können sie ein Tages­geld nutzen oder Rentenfonds verwenden, die sichere Staats­anleihen kaufen. Für Tages- oder Fest­geld spricht die große Sicherheit dieser Geld­anlagen. Ihr Wert schwankt nicht, vor Pleite schützt die Einlagensicherung. Im Gegen­zug sind die Renditen gering. Zurzeit gibt es für Tages­geld kaum mehr als 1 Prozent.

Auch für Anleihen eignen sich ETF

Mit Rentenfonds Euro­land können Anleger in aller Regel mehr verdienen als mit Tages­geld oder Fest­geld, zudem sind sie flexibler als Zins­anlagen mit fester Lauf­zeit. Der Renten-ETF db x-trackers iBoxx Sover­eigns Eurozone Ucits ETF (LU 029 035 571 7) hat zum Beispiel in den vergangenen fünf Jahren 4,8 Prozent Rendite pro Jahr gebracht.

Anders als mit Tages­geld können Anleger mit Rentenfonds aber auch Verlust machen – etwa, wenn die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Die Verluste bleiben jedoch meist einstel­lig und die Verlust­phasen sind kürzer als die an den Aktienmärkten.

Risiko passend machen

Als Faust­regel gilt: Vorsichtige sollten höchs­tens ein Viertel ihres Geldes in riskante Anlagen stecken. Auf diese Weise tragen sie auch nur ein Viertel des Aktienmarkt­risikos. Wer ein mitt­leres Risiko eingehen will, macht halbe-halbe. Risikofreudige können ihren Aktien­anteil aufstocken – bei etwa 75 Prozent sollte aber Schluss sein. Mehr Risiko lohnt sich nicht.

Spitzenrenditen oft Glücks­sache

Jeder will sein Geld vermehren. Fehler vermeiden ist das eine – aber was bescherte dem einen Viertel der Anleger, das mit seinen Depots über dem Vergleichs­maßstab lag, eine bessere Rendite als den anderen?

„In den allermeisten Fällen war es Glück“, analysiert Andreas Hacke­thal. „Vielleicht hatten ein paar wenige tatsäch­lich einen Informations­vorteil, doch ist es fraglich, ob der sich wieder­holen lässt.“ Zudem können einen Wissens­vorsprung schon per Definition nur einige haben, nie alle. Mit anderen Worten: Ein Erfolgs­rezept gibt es nicht. Auch das spricht für einen guten Mix.

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