Anlage­fehler vermeiden Special

Kaufen und liegenlassen – fast jeder kennt den Ratschlag von Börsenguru André Kostolany. Aber nicht jeder nimmt ihn sich zu Herzen. Es gibt Anleger, die geben drei Orders pro Jahr auf, aber auch welche, die im Schnitt auf mehr als 100 Käufe und Verkäufe kommen. Die eifrigsten Anleger handelten sogar bis zu 300-mal pro Jahr. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Frank­furt im Auftrag der Stiftung Warentest. Ständiges Umschichten bringt aber nichts, es kostet nur.

Anlage­fehler in Serie

Dieses Special ist Teil einer Serie zum Thema „Anlage­fehler“:

Eifrige Anleger sind ärmer

Dass Anleger auf diese Weise keine gute Rendite erzielen können, liegt auf der Hand. Die Kosten sind einfach zu hoch. Bei Filial­banken schlägt eine Order mit Gebühren zwischen 0,5 und 1 Prozent vom Kurs­wert zu Buche. Selbst wer günstig online handelt, muss mit mindestens 5 Euro pro Auftrag rechnen. Unterm Strich sind eifrige Anleger schnell um einige hundert Euro ärmer. Die Kosten sind so hoch, dass von den Gewinnen nichts mehr bleibt, haben die Wissenschaftler ermittelt. Für die Studie haben sie 5 000 Depots über den Zeitraum von 2002 bis 2012 untersucht und die Anleger je nachdem, wie aktiv sie waren, in fünf gleich große Gruppen geteilt. Anleger in der passivsten Gruppe gaben pro Jahr durch­schnitt­lich drei Aufträge an die Bank. Die eifrigsten kamen im Schnitt auf mehr als 100 Trades, wie Handels­aufträge im Fachjargon auch genannt werden.

Anlage­fehler vermeiden Special

Mit Sinn und Verstand

Es gibt gute Gründe, sein Depot umzu­schichten. Schlechte Nach­richten für Unternehmen können einen Anleger dazu bewegen, eine Aktie zu verkaufen. Stellt er fest, dass sein gemanagter Fonds schlecht geworden ist, kauft er besser einen neuen. Erkennt er, dass die Aufteilung seines Depots aus den Fugen geraten und zum Beispiel sein Aktien­anteil viel zu hoch ist, dann tut er gut daran, die Gewichtungen wieder anzu­passen. Und es kann immer sein, dass jemand Geld braucht und Anlagen verkaufen muss oder Geld neu anlegen will. Trotzdem: Etwa zwei Aufträge pro Monat durch­schnitt­lich sind genug. Wer häufiger handelt, tut sich nichts Gutes. Je nachdem, wie klein oder groß das Vermögen ist oder wie viele Wert­papier­positionen jemand in seinem Depot hat, kann sich die Grenze ein wenig verschieben.

Mehr Informationen rund ums Depot finden Sie auf der Themenseite Wertpapiere kaufen und Depot.

Vorsicht vor Selbst­über­schät­zung

Mehrere dutzend Aufträge pro Jahr lassen sich nach Ansicht der Wissenschaftler mit den genannten Gründen nicht erklären. Es sei wenig wahr­scheinlich, dass sich die Lebens­situation oder der Geldbedarf alle paar Wochen ändere, und noch unwahr­scheinlicher, dass häufig handelnde Privat­anleger regel­mäßig über bessere Informationen verfügten als andere. Pure Freude am Glücks­spiel könnte ein Grund sein. Doch dagegen spricht nach der Analyse der Wissenschaftler, dass die Depots im Durch­schnitt viel zu groß sind. Andreas Hacke­thal, Professor an der Uni Frank­furt, sagt: „Dass einige Anleger bewusst mit dem Familien­vermögen zocken, ist nicht auszuschließen, für die Mehr­heit der Anleger erscheint uns dieses Motiv jedoch als sehr unwahr­scheinlich.“ Vermutlich liege die Ursache für das häufige Handeln in der Selbst­über­schät­zung der Anleger. „Sie scheinen davon auszugehen, dass sie anderen Markt­teilnehmern über­legen sind“, so Hacke­thal. Doch die Ergeb­nisse geben ihnen nicht recht, wie die Berechnungen der Uni Frank­furt zeigen.

Außer Spesen nichts gewesen

Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler nicht die gesamte Rendite der Depots betrachtet, sondern nur das, was die Anleger durch ihr Handeln über die Markt­rendite hinaus erwirt­schaftet haben – die Mehr­rendite. Auf diese Weise können sie völlig unterschiedliche Depots miteinander vergleichen. Handels­freudige Anleger sind nämlich meist auch risikofreudiger als passive Anleger und kaufen mehr Aktien als diese. Sie dürfen daher von vorn­herein eine höhere Rendite erwarten – selbst wenn sie nichts weiter tun, als ihre Papiere liegen zu lassen. Die Berechnungen zeigen, dass sie durch ihre Käufe und Verkäufe zwar tatsäch­lich mehr erwirt­schaften – doch das wird durch die Kosten wieder aufgezehrt.

Nichts tun ist auch keine Lösung

Mit zwei Orders pro Monat oder 24 pro Jahr fallen die Anleger in die mitt­lere der fünf Gruppen. Hier stehen die Kosten noch in einem vernünftigen Verhältnis zur erwirt­schafteten Rendite. Nichts zu tun, ist allerdings auch nicht immer die beste Variante. Es wäre falsch anzu­nehmen, dass es generell umso besser sei, je seltener man sein Depot anfasst. Denn nicht nur über­mäßiges Handeln ist schlecht für die Rendite, auch das Gegen­teil davon, nämlich gar nichts zu tun, kann schief­gehen. Dazu mehr in der nächsten Folge Verlierer aussitzen.

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