Anlage­fehler vermeiden Special

Aktienkäufer sollten nicht auf den richtigen Zeit­punkt warten – die Mühe lohnt sich nicht. Kaufen und halten ist auf Dauer ertragreicher. Trotzdem können viele der Trend­jagd nicht widerstehen. Die Vorstellung, nur die guten Börsen­phasen mitzunehmen und die schlechten nicht, ist einfach zu verlockend.

Anlage­fehler in Serie

Dieses Special ist Teil einer Serie zum Thema „Anlage­fehler“:

Perfektes Timing ist unmöglich

Das ist der Traum: Wer in den vergangenen zehn Jahren in den Dax investiert und es geschafft hat, nur in den 100 besten Wochen dabei zu sein, konnte aus 1 000 Euro sensationelle 57 200 Euro machen. Und das ist der Alptraum: Wer die 100 schlechtesten Wochen erwischt hat, dem sind von 1 000 Euro noch 13 Euro geblieben (Unter­suchungs­zeitraum März 2005 bis März 2015). Perfektes Timing hätte sich gelohnt. Doch dummer­weise weiß niemand im Voraus, ob eine gute oder schlechte Woche kommt. Oft folgt sogar eine schlechte Woche unmittel­bar auf eine gute. Oder umge­kehrt. Mitten in der Finanz­krise, Anfang November 2008, verzeichnete der Dax sein bestes Wochener­gebnis: plus 16 Prozent. Nur eine Woche zuvor hatte der Dax mehr als 10 Prozent verloren – die dritt­schlechteste Woche in zehn Jahren.

Anlage­fehler vermeiden Special

Gut 10 Prozent mit Nichts­tun

Das Beispiel zeigt: Timing ist Glücks­sache. Auch wenn Buy-and-Hold – kaufen und halten – eher lang­weilig ist, geht diese Strategie auf lange Sicht doch besser auf. Käufer, die vor rund zehn Jahren 1 000 Euro in den Dax investiert und liegengelassen hätten, könnten sich nach einigem Auf und Ab doch immerhin über gut 2 600 Euro freuen (Stichtag 2. März 2015). Das nimmt sich gegen­über 57 200 Euro vergleichs­weise wenig aus, entspricht jedoch einer Rendite von rund 10,1 Prozent pro Jahr.

Verluste durch höhere Kosten

Wissenschaftler der Universität Frank­furt am Main sind der Jagd auf Trends nachgegangen. Sie fanden keine Hinweise dafür, dass die Versuche, sein Geld mit der Wahl der richtigen Ein- und Ausstiegs­zeit­punkte zu mehren, auf Dauer erfolg­reich seien. Verluste lassen sich zwar auch keine nach­weisen, die gibt es aber durch Kauf- und Verkaufs­kosten. Buy-and-Hold ist billiger. Trotzdem können viele der Trend­jagd nicht widerstehen. Die Vorstellung, nur die guten Börsen­phasen mitzunehmen und die schlechten nicht, ist einfach zu verlockend.

Jagd auf Trends ist weit verbreitet

Ein Teil der Anleger verfolgt die Momentum-Strategie und kauft Wert­papiere, die in jüngster Zeit gestiegen sind. Das machen auch Fonds­anleger gerne – mit mäßigem Erfolg, wie unsere Unter­suchung von Strategien zur Fonds­auswahl gezeigt hat.

Tipp: Mehr dazu finden Sie in der Titel­geschichte aus Finanztest 3/2015 („Aktienfonds: Der bessere Dreh“), die Sie als PDF herunter­laden können, wenn Sie den Produktfinder Fonds frei­geschaltet haben. Zusätzlich finden Sie hier Bewertungen für rund 3 650 aktiv gemanagte Fonds und ETF aus 38 Fonds­gruppen – von Aktienfonds Welt bis Rohstoff­fonds.

Tech­nische Handels­strategien nicht erfolg­reicher

Andere versuchen sich in tech­nischen Handels­strategien. Sie reagieren auf Signale, die sich aus dem Kurs-Chart ergeben. Beispiels­weise betrachten sie die 200-Tage-Linie, die den Durch­schnitt der 200 letzten Tages­schluss­kurse zeigt. Kreuzt der Index diese Linie nach oben, ist das ein Kauf­signal, durch­stößt er sie nach unten, heißt es verkaufen. „Das ist zwar tech­nisch versiert, aber im Ergebnis nicht erfolg­reicher“, sagt Andreas Hacke­thal, Professor für Personal Finance an der Uni Frank­furt.

Markt­verläufe zu unregelmäßig

Dass die Jagd auf Trends auf Dauer nicht funk­tioniert, liegt an den unregelmäßigen Markt­verläufen. Zwar gibt es Muster – kurz­fristige Trends, auch schwankt die lang­fristige Entwick­lung stets um einen Mittel­wert. Doch inner­halb der Muster sind die Verschiebungen so groß, dass sich keine stabile Handels­regel ableiten lässt.

Zusammenset­zung des Depots entscheidend

Wer Trends nach­jagt, hat außer Kosten noch ein weiteres Problem: Bei ständigen Käufen und Verkäufen gerät das Depot aus dem Blick. Dessen Zusammenset­zung aus sicheren und chancenreichen Geld­anlagen ist es jedoch, die vor allem über Erfolg und Miss­erfolg entscheidet.

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