Anlage­fehler vermeiden Special

Anleger setzen oft zu viel Geld auf hoch­riskante Einzel­titel. Ihre Geheimtipps bringen ihnen jedoch meist keinen Gewinn – im Gegen­teil. Teil 4 unserer Serie zum Thema „Anlage­fehler vermeiden“ erklärt, wieso nicht-professionelle Anleger die Finger von spekulativen Wert­papieren lassen sollten.

Anlage­fehler in Serie

Dieses Special ist Teil einer Serie zum Thema „Anlage­fehler“:

Eigene Meinung kostet Rendite

Für die einen ist es ähnlich unangenehm wie ein Besuch beim Zahn­arzt, für die anderen das liebste Hobby: Die Rede ist vom Geld­anlegen. Anleger, die fasziniert sind vom Börsen­geschehen, beschäftigen sich täglich mit den Indexständen rund um die Welt, verschlingen die neuesten Nach­richten der Kapitalmärkte und sind immer auf der Suche nach dem ultimativen Tipp. Sie kennen sich aus – und das wird ihnen oft zum Verhäng­nis. Anleger kaufen Aktien zum Beispiel, weil sie über Informationen verfügen und annehmen, dass der Kurs der Papiere steigen wird. Sie können durch­aus richtig­liegen. Viel häufiger über­schätzen sie aber ihren vermeintlichen Informations­vorteil. Andreas Hacke­thal, Professor für Personal Finance an der Universität Frank­furt am Main, sagt: „Salopp formuliert, kostet es die meisten Anleger Rendite, wenn sie einer eigenen Meinung zu Einzel­titeln folgen.“

Im Schnitt 3 Prozent weniger Rendite

Hacke­thal und sein Team haben fest­gestellt, dass Anleger ihre eigene Meinung besonders teuer zu stehen kommt, wenn sie sich auf spekulative Wert­papiere bezieht: Im Schnitt liegt ihre Rendite rund 3 Prozent­punkte unter der Vergleichs­rendite des Marktes. Betrachtet man nur das Fünftel der Anleger, die am meisten auf spekulative Papiere setzen, ist die Rendite­minderung noch größer: mehr als 10 Prozent­punkte! Mit spekulativen Wert­papieren sind Aktien gemeint, die einen geringen Preis haben, unbe­kannt sind und meist an Märkten gehandelt werden, an denen wenige Anleger unterwegs sind. Das Risiko dieser Papiere ist hoch – was vor allem am spezi­fischen Risiko der Firma liegt, die dahintersteht.

Geld möglichst breit streuen

Das Problem ist, dass es im Allgemeinen keinen Ausgleich gibt für dieses hohe unter­nehmens­spezi­fische Risiko. Risiko­prämien, also ein Ausgleich für Anleger, die ihr Geld dort einsetzen, werden allgemein nur für Markt­risiken bezahlt, nicht für Einzel­risiken. Einzel­risiken lassen sich durch eine gute Mischung aus einem Depot heraus­filtern – daher auch unser gebets­mühlen­artig wieder­holter Tipp, sein Geld möglichst breit zu streuen.

Groß­teil der Aktien „klein, unbe­kannt und riskant“

Die Frank­furter Wissenschaftler haben sich 5 000 Privat­anlegerdepots zwischen 1999 und 2011 angeschaut. Der Anteil spekulativer Papiere in diesen Depots lag im Mittel bei 6 Prozent. Zum Vergleich: Der Anteil spekulativer Papiere am Gesamt­markt beläuft sich auf etwa 1 Prozent. „Allein an der Frank­furter Wert­papierbörse sind rund 11 000 Aktien aus über 70 Ländern notiert, von denen der Groß­teil klein, unbe­kannt und riskant ist“, sagt Andreas Hacke­thal. Das Fünftel der spekulations­freudigsten Anleger hatte im Schnitt sogar 36 Prozent solcher Papiere im Portfolio. Die spekulations­freudigen Anleger kommen quer­beet aus allen Gruppen: ob jung oder alt, angestellt oder selbst­ständig, ob Mann oder Frau – sie sind alle gleichermaßen betroffen.

Kurs­manipulation mit Penny­stocks

Besonders verlust­reich sind Investments in sogenannte Penny­stocks, für die unseriöse Markt­akteure gezielt und massiv werben, um die Kurse in die Höhe zu treiben. Diese meist in Cent-Beträgen notierenden Aktien sind besonders manipulations­anfäl­lig, hat die Aufsichts­behörde Bafin fest­gestellt. Sie warnt in einer Broschüre: „Hüten Sie sich vor Papieren, die Ihnen in markt­schreierischer Weise zum Kauf empfohlen werden.“ Oft kommen die Angebote per Fax oder per Mail ins Haus. „Der Kauf von spekulativen Wert­papieren muss nicht notwendiger­weise ein Anleger­fehler sein“, sagt Hacke­thal. Jedoch hätten private Anleger nur selten Informations­vorteile gegen­über anderen, meist institutionellen Markt­teilnehmern. Wer trotzdem weiter Spaß am Aktienkaufen hat, sollte das zumindest im Kopf behalten.

Tipp: Im Produktfinder Fonds finden Anleger Bewertungen für rund 3 650 aktiv gemanagte Fonds und ETF aus 38 Fonds­gruppen – von Aktienfonds Welt bis Rohstoff­fonds. Aber auch für Fonds, die nicht bewertet werden, etwa weil sie zu jung oder zu klein sind, gibt es Rendite- und Risiko­einstufungen.

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