Anlageberatung von Banken Test

Die Banken gaben in unserem Test der Anlageberatung ein schlechtes Bild ab: Keine war „gut“, dafür zwei „mangelhaft“. Dabei hatten wir ihnen eine einfache Aufgabe gestellt.

Ein Jahr nach Lehman ist die Beratung der Banken noch so schlecht wie ihr Ruf. Das ist das Ergebnis aus 147 Beratungsgesprächen – geführt rund zwölf Monate nachdem die Pleite der US-Großbank die üblen Verkaufsmethoden der Banker ans Licht gebracht hatte.

Schockiert hat uns die nach wie vor laxe Auffassung der Berater davon, was „sicher“ bedeutet. Und das, obwohl sie zigtausende von Kunden, die ihr Geld sicher anlegen wollten, schon einmal um ihre Ersparnisse gebracht haben – und Besserung schworen.

Der zweite Hammer, den sich die Institute leisten, wiegt ähnlich schwer. Ihre Mitarbeiter stellen den Kunden nicht einmal die elementaren Fragen, die das Wertpapierhandelsgesetz vorschreibt. Wer nicht weiß, wie es um die finanziellen Verhältnisse seines Kunden steht und welche Kenntnisse er hat, dessen Empfehlung kann nur Zufall sein.

Am besten abgeschnitten unter den 21 Banken im Test haben die Commerzbank, die Kreissparkasse Köln und die Berliner Sparkasse. Als Testsieger dürfen sie sich trotzdem nicht feiern lassen, denn sie kommen über ein schlechtes „Befriedigend“ nicht hinaus.

Mangelhaft ist die Anlageberatung der BW Bank und der Ostsächsischen Sparkasse. Alle anderen 16 Banken haben gerade einmal „ausreichend“ abgeschnitten – ein Armutszeugnis.

Wir wollten sicher anlegen

Anlageberatung von Banken Test

Unsere Testkunden wollten, was die Mehrzahl der Anleger will: ihr Geld sicher anlegen. 30 000 Euro hatten sie zur Verfügung, als sie im Sommer loszogen. Sie wollten ihr Geld für fünf Jahre festlegen und wünschten sich eine Rendite von 4 Prozent pro Jahr.

An dieser Stelle hatten wir eine kleine Hürde für die Berater eingebaut: Für sichere Geldanlagen gab es in diesem Sommer keine 4 Prozent, es sei denn für Sonderaktionen oder Lockzinsangebote.

Die Berater sollten unseren Testkunden zunächst klarmachen, dass sie entweder auf Rendite verzichten oder bei der Sicherheit Abstriche machen müssten. Wer diesen Zielkonflikt erkannt und erläutert hat, war auf einem guten Weg.

Im nächsten Schritt sollten die Berater herausfinden, dass unseren Testkunden die Sicherheit wichtiger war als die 4 Prozent.

Wir waren der Ansicht, dass es einem Bankberater nicht schwerfallen sollte, die Aufgabe zu lösen. Doch weit gefehlt!

Nur vier Banken waren in diesem Punkt „gut“. Sieben Institute schnitten mangelhaft ab, vier ausreichend. Ihr Fehler: Sie hielten entweder eine sichere Geldanlage für 4 Prozent für möglich oder sie versäumten es, den Kunden danach zu fragen, was ihm lieber wäre, die Sicherheit oder die Rendite. Kein Wunder, dass danach ihre Anlagevorschläge oft nicht passten.

Was wir erwartet haben

Die Bestnote konnte erreichen, wer Produkte mit Einlagensicherung empfohlen hat, beispielsweise Sparbriefe, Festgeld oder andere Festzinsangebote.

Gut in diesem Punkt war nur die Kreissparkasse Köln. Sie bot unseren Testern vor allem Sparkassenbriefe oder das hauseigene Zuwachssparen an. Für den Sparkassenbrief gab es 3,05 Prozent auf fünf Jahre – das ist in der seit Monaten anhaltenden Niedrigzinsphase nicht schlecht.

Dagegen mussten die Anleger beim Zuwachssparen größere Abstriche von der Rendite machen. Es begann im ersten Jahr mit 0,9 Prozent und stieg im zweiten und dritten Jahr auf 1,75 und 2,75 Prozent. Der Vorteil war hier die vorzeitige Kündbarkeit. Sie ist zum Beispiel nützlich, wenn die Zinsen am Markt steigen.

Empfahlen die Berater Anleihen, kam es uns darauf an, wer sie herausgegeben hatte. Kamen sie vom deutschen Staat, war die Sicherheit kein Problem. Bei Anleihen von Banken gab es einen kleinen Abzug.

Ähnliches gilt für Rentenfonds, die in Anleihen investieren. Rentenfonds Euro sind auf Sicht von fünf Jahren unproblematisch, wenn sie in Staatsanleihen investieren. Kaufen sie Unternehmensanleihen, sehen wir sie nicht als völlig sicher an.

Krasse Fehlleistungen

Aktienfonds sind ganz eindeutig keine sichere Geldanlage und für Anleger, die ihr Geld lediglich auf fünf Jahre festlegen wollen, auch als Beimischung nicht geeignet. Einige Banken haben trotzdem zu Aktienfonds geraten, darunter die Berliner Sparkasse sowie die Deutsche Bank.

Die BW Bank hat als Beimischung einen Rohstofffonds empfohlen – ein reines Brancheninvestment. Das passt nicht zu einem sicherheitsorientierten Anleger.

Als krasse Fehlberatung werten wir die Empfehlung der Sparkasse Pforzheim Calw, ein Goldkonto einzurichten und die 30 000 Euro dort anzulegen. Anders als viele glauben, ist Gold keine sichere Geldanlage. Es handelt sich um ein Investment in einen einzelnen Rohstoff, vergleichbar mit dem Kauf von Aktien einer Firma.

Hauptsache Provision

Frech ist, was die Ostsächsische Sparkasse sowie die beiden Sparda-Banken West und Berlin unseren Testkunden anboten: Dort wollten die Berater doch tatsächlich private Rentenversicherungen verkaufen! Da war ihnen wohl die schnell verdiente Provision wichtiger als ein zufriedener Kunde.

Rentenversicherungen gibt es nicht nur gegen Raten, sondern auch gegen Zahlung eines einmaligen Beitrags. Vereinbart war, dass der Anleger am Ende der Laufzeit sein Geld auf einen Schlag bekommt. Das Kriterium der Sicherheit war erfüllt.

Rentabel sind diese Verträge über fünf Jahre aber nicht, denn vom 2,25-prozentigen Garantiezins hat der Kunde nur wenig. Verzinst wird nur der Sparbeitrag und nicht der Teil der Einzahlung, der für Kosten und Provisionen draufgeht. Unterm Strich bringt der Vertrag somit nur rund 1 Prozent pro Jahr. Und mit hohen Überschüssen ist in fünf Jahren kaum zu rechnen.

Ebenfalls ums schnelle Geld ging es zwei Anlageberatern der Deutschen Bank. Sie wollten unseren Testkunden Bausparverträge verkaufen. Die Abschlussgebühr betrug in beiden Fällen 1,6 Prozent der Bausparsumme.

Bankers Lieblinge

Häufig haben die Berater Garantieprodukte empfohlen, meistens Anleihen mit 100 Prozent Kapitalschutz, aber auch Garantiezertifikate und -fonds. Aus unserer Sicht sind diese Produkte nur eingeschränkt empfehlenswert. Sie sind zwar weitgehend sicher, doch meist so komplex, dass private Anleger nicht einschätzen können, welche Ertragschancen sie damit haben.

Die Volksbanken beispielsweise boten gerne Zertifikate der DZ-Bank an, darunter das VR Indexrend oder das Vario Zins Easy Garant. Letzteres ist ähnlich aufgebaut wie das DZ-Bank-Papier Vario Zins Garant, über das wir im Zuge unserer Zertifikatetests bereits berichtet haben und das wir wegen seiner Komplexität für ungeeignet halten.

Zahlreiche Banken empfahlen Mischfonds, die Aktien und Anleihen kaufen. Die Berater der Postbank versuchten, das hauseigene Postbank Vermögensmanagement Plus loszuschlagen, die Dresdner Bank bot das Dresdner Vermögensmanagement feil. Beide sind als Dachfonds angelegt.

Aber auch Dachfonds taugen nicht für einen Anleger, für den Sicherheit Vorrang hat. Ein Auge zugedrückt haben wir, wenn der Aktienanteil in diesen Fonds auf ein Minimum beschränkt war.

Beliebt bei den Beratern der Volksbanken und der Postbank waren auch offene Immobilienfonds. Wir waren mit dieser Empfehlung jedoch nicht voll zufrieden.

Wir raten seit Jahren, offene Immobilienfonds als Brancheninvestment anzusehen und deshalb nur beizumischen. Zu Recht, wie die Finanzkrise zeigte, in der nicht nur 13 dieser Immobilienfonds vorübergehend keine Anteile mehr zurücknahmen, sondern teilweise auch Verluste schrieben.

Grobe Nachlässigkeiten

Ausgerechnet Banken, die doch mit dem Geld anderer Geschäfte machen, gehen lax mit gesetzlichen Vorschriften um. Das zeigen die schlechten Noten für die Prüfpunkte „Ermitteln des Kundenstatus“ und die „Produkt- und Kosteninformation“. Für beide gibt es klare gesetzliche Vorgaben (siehe „Nach den Buchstaben des Gesetzes“).

Weil es selbstverständlich sein sollte, gesetzliche Vorgaben zu befolgen, muss es dafür keine Extrapunkte geben. Wir haben deshalb die Gruppenurteile für diese beiden Punkte nur zu jeweils 15 Prozent in das Finanztest-Qualitätsurteil einfließen lassen. Wenn die Banken in diesen Punkten grob versagten, haben wir die Gesamtnote abgewertet.

Hätten die Berater der Kreissparkasse Köln mehr Mühe aufgewendet, den Kundenstatus zu ermitteln, hätte das Institut Tabellenerster werden können. Deutsche Bank und Hamburger Sparkasse haben durch ihren nachlässigen Umgang mit den Vorschriften ein mögliches „Befriedigend“ vergeigt.

Die beiden mangelhaften Institute, die BW Bank und die Ostsächsische Sparkasse, hätten sich die Schmach ersparen und mindestens ausreichend, wenn nicht gar befriedigend abschneiden können.

Beim „Ermitteln des Kundenstatus“ hat nur die Berliner Sparkasse ihre Pflicht voll erfüllt und hier das einzige „Sehr gut“ erreicht. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse und die Berliner Volksbank kamen immerhin auf gut. Acht Banken schnitten befriedigend ab, zehn nur ausreichend, weil ihre Berater den Kunden wichtige Fragen nicht stellten.

Noch viel Peinlicheres gilt es für das Urteil zur „Produkt- und Kosteninformation“ zu berichten. Ob die Kunden erfahren, wie die empfohlene Anlage funktioniert und wie viel sie kostet, scheint Glücksache. Hier sind die Vorschriften den Banken offenbar egal. Zweimal mangelhaft, dreimal befriedigend und 16 Mal ausreichend – das schreit nach mehr Kontrolle.

Sie haben sich stets bemüht

Die äußeren Umstände des Gesprächs haben wir nur mit 5 Prozent in das Gesamturteil einfließen lassen. Die Berater der BW-Bank können sich nun zumindest damit schmücken, ihre mangelhafte Beratung in guter Atmosphäre erbracht zu haben.

Unsere Testkunden berichteten nahezu einhellig: „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben sich große Mühe gegeben.“ Das reicht leider nicht.

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