Nach den Buchstaben des Gesetzes: Wann eine Beratung eine gute Beratung ist

Eine Beratung ist gut, wenn sie die Bedürfnisse des Anlegers berücksichtigt und die empfohlenen Produkte ausführlich beschreibt. Sie muss „anlegergerecht“ sein und „anlagegerecht“, sagen die Richter des Bundesgerichtshofs (BGH) dazu. Die Vorgaben stehen im Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und in der deutschen Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid.

Die Fragen zur Person

Um einschätzen zu können, welches Produkt am besten passt, sollte der Berater erst einmal wissen, mit wem er es zu tun hat. Daher verpflichtet ihn das Gesetz dazu, seinen Kunden nach dessen Kenntnissen in Finanzgeschäften und seinen Erfahrungen mit früheren Geldanlagen zu fragen. Dazu gehören auch die Fragen nach Ausbildung und Beruf. Der Berater muss sich darüber hinaus einen Überblick über die finanziellen Verhältnisse des Kunden schaffen und sich nach dem Einkommen, weiterem Vermögen und möglichen Schulden erkundigen. Wichtig ist zudem, dass der Berater das Anlageziel kennt. Er muss wissen, wofür das Geld angelegt werden soll, wie lange, und welches Risiko der Kunde dabei eingehen will. Niemand ist verpflichtet, diese Auskünfte zu geben, doch verweigert er sie, darf der Berater keine Empfehlung mehr aussprechen.

Die Angaben zur Sache

Das Produkt, das der Berater empfiehlt, muss er genau vorstellen. Zunächst muss er beschreiben, wie die Geldanlage im Einzelnen funktioniert und welche Rendite sie verspricht. Er muss seinen Kunden über das Risiko aufklären, das er mit dem Kauf eingeht, und ihm erläutern, inwieweit während der Laufzeit der Wert der ­Anlage schwanken kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten. Der Berater muss sämtliche mit der Anlage verbundenen Kosten und Nebenkosten nennen, dazu gehören Kaufgebühren, jährlich anfallende Verwaltungsgebühren oder Kosten für die Depotführung.

Die in Rechnung gestellten Provisionen sind in jedem Fall separat aufzuführen, heißt es im Gesetz. Sind Interessenkonflikte im Spiel, beispielsweise wenn die Bank von einer Fondsgesellschaft Provisionen für die Vermittlung von ­Investmentfonds bekommt, muss sie das offenlegen.

Der Berater muss zudem den Kunden auf die Abgeltungsteuer ansprechen und erörtern, ob er einen Freistellungsauftrag unterschreiben sollte. Die Informationen müssen in der Regel vor Abschluss des Geschäfts zur Verfügung gestellt werden.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1222 Nutzer finden das hilfreich.