Anlageberatung von Banken Meldung

Was schlagen Banken vor, wenn man 5 000 Euro anlegen will? ­Finanztest hat festgestellt: Rundum guten Rat gibt es nur selten.

Banken in der Dienstleistungsgesellschaft: Der Service stimmt meist, jedoch beschweren sich viele ­Kunden über die Qualität der Anlageberatung. Finanztest hat es ausprobiert.

Astrid Kaiser* stellte fest: „Es kommt auch auf den Berater an. Hat der einen schlechten Tag, ist nicht viel zu wollen.“ Die 77-Jährige wollte 5 000 Euro anlegen. Sie hat bei verschiedenen Banken nach ­Angeboten gefragt – und uns erzählt, was herausgekommen ist.

Eine Enttäuschung erlebte sie bei der Sparkasse Karlsruhe. Dort scheinen 5 000 Euro für eine ordentliche Beratung nicht auszureichen, war jedenfalls der Eindruck der Rentnerin. „Die Bankangestellte fragte mich am Schalter nach dem Betrag. Das fand ich sehr indiskret. Dann verschwand sie nach hinten. Ein Gespräch bekam ich aber nicht, sie brachte einen Zettel mit, auf dem ein paar Angebote standen. Den hat sie mir mitgegeben“, sagte sie.

Bei der Sparda-Bank war die Beratung besser, resümiert sie. „Ein extra Raum, ein nettes Gespräch.“ Angeboten hat man ihr einen Rentenfonds Euro. „Das ist wohl ­gerade in Mode“, sagte sie. Ihre Hausbank, die BBBank, hatte ihr das auch schon angetragen. Unterschrieben hat sie nicht – und damit einen guten Instinkt bewiesen: Der Invest Euro Rent ist in der Finanztest-Bewertung unterdurchschnittlich.

Richtig gut gefallen hat es Astrid Kaiser bei der Postbank. „Früher habe ich von der ja nie was gehalten. Aber das war ein echtes Highlight. Eine tolle Beraterin“, schwärmt sie. „Ich habe sofort eine Tasse Kaffee bekommen, und als ich meinte, ich hätte nur 5 000 Euro, hat die Beraterin gesagt, was heißt hier nur.“ Am Ende hatte sie eine neue Kundin gewonnen.

Am Berater hängt viel. Aber ob eine ­Beratung gut ist, hängt nicht nur von ihm ab. Ein Bankangestellter kann nur ver­kaufen, was sein Arbeitgeber ihm aufträgt. Mitunter muss er gegen seine Überzeugung Produkte anpreisen, die nicht zum Kunden passen.

Bei Finanztest rufen täglich Leser an, die ihren Frust über eine schlechte Beratung loswerden wollen. Briefe und E-Mails geben ebenfalls einen Einblick, was bei den Banken alles schief gehen kann.

Finanztest bei der Beratung

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Sind die Banken wirklich so schlecht? Wir sind selbst losgezogen. Für unsere kleine Stichprobe haben zwei Testpersonen ein gutes Dutzend Gespräche in den Filialen mehrerer Banken geführt. Sie wollten wie Astrid Kaiser 5 000 Euro anlegen.

Das Ergebnis zeigt: Es gibt sehr gute ­Berater, die auf ihr Gegenüber eingehen und nicht nur passende, sondern auch ­gute Produkte empfehlen – aber sie sind selten. Standard ist vielmehr ein zwar freundlicher Empfang, aber eine nur mittelmäßige ­Beratung. Mittelmäßig, weil der Berater sich nicht genug Zeit nimmt, um herauszufinden, was der Kunde wirklich braucht. Oder weil die Produkte, die er empfiehlt, nicht gut sind. Die Banken verkaufen alles – von sehr gut bis schlecht.

Berater fragen viel zu wenig

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Kunden erwarten, bei der Beratung nicht abgefertigt zu werden wie jemand, der ein Überweisungsformular abgibt. Das haben die Banken verstanden.

Zwar mussten wir oft schon am Schalter sagen, welchen Betrag wir anlegen wollten, aber sonst wurden wir diskret beraten. Zunächst mussten wir uns jedoch oft in die Kassenschlange einreihen. Ein extra Empfang wäre netter.

Kunden fordern von ihrer Bank, dass sie auf ihre finanzielle Situation eingeht. Schon die Fairness verlangt Fragen nach dem Einkommen, anderen Anlagen und Schulden: Die rentabelste Geldanlage ist es, einen Dispokredit zurückzuzahlen, der 12 Prozent pro Jahr oder mehr kostet.

Nach Schulden fragten die Berater aber gar nicht – bis auf eine Ausnahme. Dabei hatten wir unsere Modellfälle mit einem überzogenen Girokonto versehen. Das gibt ein dickes Minus, verehrte Banker!

Eine Testperson stand kurz vor Abschluss ihres Studiums, war mit 1 000 Euro im Soll und wollte 5 000 Euro anlegen. Nur eine Beraterin der Dresdner Bank Mainz riet ihr, das Konto auszugleichen und nur 4 000 Euro festzulegen.

Unsere andere Testperson kam ebenfalls mit 5 000 Euro zur Bank. Sie hatte schon einen Job und außer 5 000 Euro in Aktienfonds keine weiteren Geldanlagen. Ihr ­Girokonto war mit 2 000 Euro überzogen – was keinen der Berater interessierte. Sie fragten auch nicht, wie viel die Testperson verdient und ob sie beispielsweise für eine Altersvorsorge monatlich sparen wollte. Eine verpasste Chance.

Nach anderen Geldanlagen fragten die Berater allerdings, auch nach dem Anlageziel und der Risikoneigung.

Von Aktienfonds bis Zertifikat

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Kunden erwarten von ihrer Bank, dass sie ihnen ein passendes Produkt empfiehlt und es ihnen erklärt.

Auch hier tat sich die Beraterin der Dresdner Bank Mainz hervor. Sie riet ­unserem Studenten davon ab, sein Geld längerfristig zu investieren. „Legen Sie Ihr Geld sicher an, etwa in Geldmarkt- oder Rentenfonds. Wenn Sie einen Job gefunden haben, können wir immer noch über Aktienfonds sprechen.“ Das war gut.

Gleiche Bank, andere Filiale – krasses Gegenbeispiel: Unsere Leserin Astrid ­Kaiser berichtete uns von der Beratung bei der Dresdner Bank in Karlsruhe. „Die nennt sich doch Beraterbank, nicht wahr?“, sagte sie. Zufrieden war sie nicht.

Der Mitarbeiter riet zunächst zu Geldmarkt- und Rentenfonds, schlug der 77-Jährigen dann aber auch noch den Abschluss eines Bausparvertrags vor. „Wenn Sie sieben Jahre durchhalten, können Sie Wohnungsbauprämie bekommen.“

Die Dresdner Bank Berlin, die wir selbst aufsuchten, gefiel uns hingegen gut: Die Beraterin riet uns von Garantiefonds ab. „Die bremsen die Rendite“, sagte sie. Gratulation! Das hört man von den Banken selten, aber es ist wahr. Besser ist ein Mix aus Aktien- und Rentenfonds.

Bitte keine Bankersprache

Zufrieden waren wir mit den Besuchen bei der Commerzbank. Die Beraterin in Mainz zeichnete sich durch gute, für Laien verständliche Erklärungen aus. „Geldanlage für Dummies“, nannte es unser Student. Auch das gibt einen Pluspunkt.

Der Herr in der Berliner Filiale wollte den hauseigenen offenen Immobilienfonds hausinvest Europa verkaufen, was für unseren Berufstätigen zwar nicht die beste, aber eine akzeptable Lösung gewesen wäre.

Er erwähnte auch Bundesschatzbriefe, die in Zeiten steigender Zinsen eine gute Geldanlage sind, weil man nach einem Jahr aussteigen und in höher verzinste ­Produkte investieren kann. Er wies sogar darauf hin, dass es diese Papiere kostenlos bei der Bundeswertpapierverwaltung gibt. Leider ist die Rendite nur mäßig.

Die Berliner Volksbank wollte uns ein strukturiertes Produkt der DZ-Bank verkaufen: „PlusZins Garant3“. Das ist eine Anleihe, deren Zins an die Wertentwicklung der schlechtesten (!) Aktie aus einer Auswahl von 20 gekoppelt ist. Aus unserer Sicht eine wenig sinnvolle Geldanlage.

Die Volksbank Mainz schlug unserem Studenten vor, das Geld aufzuteilen in Festgeld und Aktienfonds. Nicht schlecht, aber die Beraterin wies mehrfach darauf hin, dass er sich schnell entscheiden müsse. Drängen ist unschön.

Unzufrieden waren wir auch mit der Sparkasse Mainz. Der Berater erklärte ­wenig und drückte unserem Studenten vor allem Prospekte in die Hand. Und 1,25 Prozent für Tagesgeld sind nicht viel. Schließlich erwarten Kunden, dass die Rendite stimmt.

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine Bank oft gute und schlechte Produkte im Angebot hat – und auch beide empfiehlt. Zum Beispiel die Deutsche Bank: Ihr Standardangebot sind derzeit die Dachfonds „db Privat Mandat Invest“. Die Berater haben sie sowohl unserem Studenten als auch dem Berufstätigen angedient.

„db Privat Mandat Invest“ gibt es in verschiedenen Varianten. Der Dachfonds „Einkommen“, der vor allem auf Rentenfonds setzt, ist ein von uns als „stark überdurchschnittlich“ bewerteter Fonds. Die Variante „Balance“, die etwa zur Hälfte in Aktienfonds investiert, ist dagegen von „unterdurchschnittlicher“ Qualität.

Aus 1 800 hauseigenen und fremden Fonds sucht die Citibank den besten Mix für ihre Kunden heraus. Das ist vorbildlich. Die Berater orientieren sich an den Bewertungen der Ratingagentur Standard & Poor's und empfehlen etwa den DWS Vermögensbildungsfonds I oder den dit-Corporate Bond Europa – beide schneiden bei uns „stark überdurchschnittlich“ ab.

Auch bei der Postbank kann man Fonds fremder Anbieter bekommen. Überzeugen konnte uns die Beratung dennoch nicht.

Unser Student sollte den an sich sehr ­guten Fidelity European Growth Fonds kombiniert mit einem Festgeld kaufen. Das bringt zwar 6 Prozent Zinsen pro Jahr, doch werden die durch den Ausgabeaufschlag des Fonds wieder aufgezehrt. Das Ganze heißt „Postbank Top Invest“.

Solche Lockangebote klingen zwar verführerisch, sind aber oft nicht die beste Geldanlage.

6 Prozent – für Astrid Kaiser gab das den Ausschlag. Sie hat „Top Invest“ gezeichnet. Kombiniert hat sie die Festgeldanlage mit dem „Postbank Protekt Plus“, einem Fonds, der Kapital und Gewinne sichert. Ihr ist die Garantie wichtig, auch wenn sie dadurch Renditechancen verpasst.

* Name geändert.

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