Risikoeinstufung: Protokollpflicht für Wertpapierkäufe

Empfehlen Anlageberater Wertpapiere, müssen sie seit dem 1. November 2007 besondere Aufklärungspflichten beachten. Das verlangt die europäische Finanzmarktrichtlinie Mifid.

Die Berater müssen vor dem Verkauf von Wertpapieren an Kunden einen Wertpapierhandelsbogen ausfüllen. Darin dokumentieren sie die familiäre Situation des Anlegers, seine Erfahrungen mit Wertpapieren, seine Anlageziele und die Dauer der Anlage. Zudem muss der Kunde angeben, wie viel Prozent seines Einkommens er in Wertpapiere investieren und ob er den Kauf auf Kredit finanzieren will.

Die Wertpapiere muss der Berater zu den günstigsten Konditionen besorgen. Auf Nachfrage muss er erklären, wie viel Provision er für den Verkauf oder die Vermittlung der angebotenen Wertpapiere erhält.

Der Berater muss auch auf Risiken und Interessenkonflikte in der Beratung hinweisen. Zu Konflikten mit den Interessen des Kunden kann es zum Beispiel kommen, wenn Bankberater vor allem Fonds mit hohen Provisionen empfehlen oder bevorzugt Produkte von Gesellschaften verkaufen, die zum Konzern ihrer Bank gehören.

Fünf Risikoklassen

Kunden sollten sich eine Kopie des vom Berater ausgefüllten Fragebogens geben lassen. Außerdem sollten sie unbedingt prüfen, ob er sie in die richtige Risikoklasse eingestuft hat und festhalten, was sie darunter verstehen. Im Bogen werden zwar Anlagebeispiele für die einzelnen Risikoklassen genannt. Doch damit sind die Anlagegruppen nur grob abgesteckt:

Klasse 1 ist sicherheitsorientiert. Infrage kommen Euro-Geldmarktfonds, kurzlaufende Euro-Rentenfonds, Euro-Anleihen mit sehr guter Bonität sowie offene Immobilienfonds.

Klasse 2 ist konservativ. Dazu passen Euro-Anleihen bester Qualität, Investmentfonds deutscher Renten, kurzlaufende Fonds in Hartwährungen, Anleihen sehr guter Bonität in Hartwährungen, international gestreute Rentenfonds, überwiegend in Hartwährungen.

Klasse 3 ist ertragsorientiert. Gemeint sind etwa Wandel- und Optionsanleihen, deutsche Aktienfonds, deutsche Standardaktien, international gestreute Aktienfonds sowie Länderfonds in europäischen Hartwährungen.

Klasse 4 ist spekulativ. Das Geld fließt zum Beispiel in deutsche Aktien-Nebenwerte, spekulative Anleihen, Optionsscheine, Optionen und Futures.

Klasse 5 ist sehr spekulativ. Dazu zählen Investitionen in ausländische Aktien-Nebenwerte, sehr spekulative Anleihen, Optionsscheine aller Art sowie Optionen und Futures.

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