Anlageberatung Meldung

Rentner Gerold Buchmüller versucht seine Alterssicherung in Höhe von etwa 55 000 Euro zu retten.

Wenn Anleger den Verdacht haben, dass ihre Anlage­firma nichts taugt, müssen sie schnell handeln. Sonst sind die Verantwortlichen mit dem Geld über alle Berge.

Seriös habe er ausgesehen und mehrfach versprochen, dass alles bombensicher sei. „Der Mann war mir bekannt und wurde mir von Freunden empfohlen. Da habe ich mein Geld gerne überwiesen und ein gutes Gefühl gehabt“, sagt Renter Gerold Buchmüller. Das Alter gesichert, die Kinder versorgt, habe er gedacht und sich fortan keine Sorgen mehr um die Zukunft gemacht.

Doch dann las Buchmüller nach einigen Jahren in der Zeitung, dass andere Anleger bei der Göttinger Gruppe herbe Verluste hinnehmen mussten. Jetzt hat er Angst um seine Ersparnisse und weiß nicht, was er tun soll. Etwa 55 000 Euro hat er bisher eingezahlt.

Hunderttausende Geschädigte

Wie Buchmüller geht es Tausenden von Anlegern, die aus dem Fernsehen, dem Internet oder der Tageszeitung plötzlich erfahren, dass vielleicht mit ihrer Kapitalanlage etwas nicht stimmt.

So mussten etwa eine halbe Million Anleger erkennen, dass sie von Banken und Vertrieben beim Kauf einer vermieteten Eigentumswohnung über den Tisch gezogen worden sind. Weitere Zehntausende erleben mit Einmal- und Ratenanlagen als stille Gesellschafter, Kommanditisten oder Genossen an Unternehmen herbe Enttäuschungen.

Satte Verluste machen auch Kapitalanleger, die ihr Geld in Hochzinsanlagen, Anlagediamanten oder Warentermingeschäfte stecken.

Sofort handeln ist wichtig

Egal, ob ein Reinfall erst droht oder das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, wenn das Geld in Gefahr ist, müssen Anleger sofort handeln. Nur so können sie im Fall eines Falles verhindern, dass die Verantwortlichen sich geschickt aus der Affäre ziehen oder gar mit dem Anlegergeld ins Ausland verschwinden.

Am besten ist es, Vertrag und alle zur Geldanlage gehörenden Unterlagen zusammenzupacken, um mithilfe eines Experten die Rechtslage zu klären und nach Möglichkeiten für einen Ausstieg zu suchen. Das geht für wenig Geld bei den Verbraucherzentralen (25 Euro bis etwa 60 Euro). Etwas mehr kostet mit etwa 200 Euro eine Erstberatung bei einem Rechtsanwalt.

Typische Haftungsgründe

Klagen sind gegen die Initiatoren einer Geldanlage, gegen den Herausgeber des Prospekts und den Anlagevermittler denkbar. Die Kunden können sie für ihren Schaden haftbar machen, wenn sie zum Beispiel falsche Angaben im Prospekt gemacht haben oder ihren Aufklärungs- und Informationspflichten nicht nachgekommen sind.

Anleger können aber auch gegen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte klagen. Waren diese beispielsweise als Herausgeber des Prospekts in die Kapitalanlage eingebunden und haben dabei Fehler gemacht, haften auch sie.

Ohne Rechtsschutz oft zu teuer

Ohne Rechtsschutzversicherung sind Klagen allerdings teuer. Im schlimmsten Fall – wenn Anleger klagen und verlieren – müssen sie ihre eigenen Anwaltskosten und die der Gegenseite sowie die Gerichtskosten tragen.

Die Kosten werden nach dem Streitwert berechnet, also der Summe, die der Anleger insgesamt angelegt hat oder im Laufe der Jahre in Ratenverträge einzahlen wollte. Je höher der Betrag ist, desto teurer kann der Prozess werden.

Gibt der Versicherer eine Deckungszusage, übernimmt er also die Kosten, lässt es sich wesentlich stressfreier klagen. Weigert er sich aber, sollten Anleger nicht gleich aufgeben. In jüngster Zeit haben Anwälte Versicherungen in vielen Fällen erfolgreich auf Kostendeckung verklagt.

Die Zeit drängt

Betroffene müssen sich beeilen. Denn oft droht ihnen die Verjährung. Wie lange die Frist läuft, hängt davon ab, wann sie falsch beraten worden sind oder ob es sich dabei um Betrug handelte (siehe Tipps).

War Betrug im Spiel, kann der Anwalt auch versuchen, über ein so genanntes Arrestverfahren vor Gericht vorsorglich Geld des Betrügers sicherstellen zu lassen, bevor dieser sich absetzt. Bekommt der Anleger im späteren Prozess Recht, wird sein Schaden aus dem beschlagnahmten Geld bezahlt.

Berater müssen aufklären

Hat der Vermittler falsch beraten, sollte der Anleger von ihm Schadenersatz fordern. Das kommt unter anderem dann infrage, wenn

  • der Vermittler den Kunden nicht vollständig und unmissverständlich auf alle wesentlichen Risiken der Anlage hingewiesen hat,
  • der Vermittler die Risiken nicht konkret anhand nachvollziehbarer Zahlen dargestellt hat,
  • er nicht über in der Branche bekannte Risiken informiert hat,
  • der Vermittler Negativinformationen aus Presseberichten wie zum Beispiel aus Finanztest verschwiegen hat.

Auch muss sich ein Vermittler davon überzeugen, dass der Anleger alle Risiken genau verstanden hat. Hat er das nicht, hat der Anleger gegen ihn vor Gericht gute Karten. Allerdings nur, wenn er die Falschberatung beweisen kann. Ohne schriftliche Unterlagen oder Zeugen ist das aber kaum möglich.

Prospektmängel

Prospekte für Anleger, bei denen es sich meist um Laien handelt, dürfen nicht fehlerhaft sein. Laut Bundesgerichtshof ist ein Prospektfehler immer ein Haftungsgrund, auch wenn er nicht der Grund für das Scheitern der Anlage war.

Wichtig für Anleger ist, das der Begriff Prospekt auch Zeitungsanzeigen, und andere Werbeschriften umfasst. Für Prospektfehler haften Herausgeber, wenn der Prospekt unter anderem

  • Anleger nicht realistisch und vollständig über die wirtschaftlichen Grundlagen, Chancen und Risiken informiert,
  • Risikohinweise versteckt oder Risiken relativiert,
  • nicht auf einen möglichen Totalverlust zum Beispiel bei stillen Gesellschaftsbeteiligungen hinweist,
  • Renditen bei Immobilienbeteiligungen nicht richtig berechnet,
  • mit unrealistischen Renditen wirbt,
  • nicht darüber informiert, dass das von einer Gesellschaft eingesammelte Anlegergeld zu wesentlichenTeilen an den Initiator zurückfließt.

Kann der Anleger einen Fehler im Prospekt nachweisen, hat er Anspruch auf Ersatz des „Vertrauensschadens“. Er wird dann finanziell so gestellt, als hätte er die Anlage gar nicht abgeschlossen.

Ausnahmen für Gesellschafter

Leider haben nicht alle Anleger gleich gute Möglichkeiten, gegen diejenigen vorzugehen, von denen sie übers Ohr gehauen wurden. Denn vor Gericht kommt es nicht nur auf den Schaden und seinen Verursacher an, sondern auch auf die Art der Anlage.

Menschen, die zum Beispiel auf dubiose Immobiliengeschäfte, Hochzinsangebote, außerbörsliche Aktien- oder Termingeschäfte hereingefallen sind, haben gute Chancen sich zu wehren. Anleger mit Unternehmensbeteiligungen wie Gerold Buchmüller haben es meist schwerer.

Viele Gerichte behandeln sie nicht als Sparer, sondern als Mitunternehmer, auch wenn der Berater dies dem Anleger vor Vertragsabschluss nicht erklärt hat. Buchmüller ist als Gesellschafter nicht nur am Gewinn, sondern auch am Verlust der Gesellschaft beteiligt. Für ihn und andere bedeutet das vor Gericht oft, dass sie zwar Recht bekommen, aber trotzdem ihr Geld verloren haben.

Denn selbst wenn ihr Vertrag sittenwidrig und ihre Gesellschaft „fehlerhaft“ ist, haben Anleger nur Anspruch auf ein so genanntes Auseinandersetzungsguthaben. Das fällt meist sehr gering aus, wenn das Unternehmen schlecht gewirtschaftet hat.

Es gibt jedoch Gerichte, die auch solchen Anlegern Schadenersatz zusprechen. Buchmüller ist jetzt bei einer Anwältin. Sie prüft, ob sie seine 55 000 Euro nicht doch noch retten kann.

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