Anla­geberatung Test

Die Qualität der Bank­beratung für Anleger hat sich seit unserem letzten Test verbessert. Aber es gibt noch viel Luft nach oben.

Das Fundament steht, aber das Haus darauf noch nicht. Immer mehr Banken erfüllen die Voraus­setzung für eine gute Anla­geberatung. Sie ermitteln den „Kunden­status“ über­wiegend gut bis sehr gut und damit besser als in früheren Tests: Die Berater fragen nach dem Ziel, der gewünschten Lauf­zeit der Anlage und nach der Risiko­bereitschaft des Kunden. Die Geld­anlagen, die sie dann anbieten, passen aber häufiger nicht zum Anleger.

Unser Testfall war nicht schwer. Eigentlich müsste ihn jeder Banker leicht lösen. Unsere Tester – geschulte Laien – wollten 45 000 Euro für zehn Jahre anlegen. Sie waren bereit, einen Teil des Geldes mit etwas Risiko zu investieren. Bei Bedarf sollte das Kapital rasch verfügbar sein. Sie gaben an, im Umgang mit Aktien keine Erfahrung zu haben. Ihre persönliche finanzielle Situation schilderten die Tester als gut. Sie erklärten, keine Schulden zu haben und zur Miete zu wohnen.

Die Bestnote für das „Lösen des Anla­gepro­blems“ konnte erreichen, wer eine ausgewogene Mischung aus sicheren Renten- oder Fest­geld­anlagen und riskanteren Geld­anlagen wie zum Beispiel Aktienfonds empfahl und dabei auch auf die Kosten der Geld­anlage achtete.

Außerdem musste die Anlage im Notfall auch vor dem Ende der zehn Jahre ohne Probleme aufgelöst werden können.

Beratungen oft provisions­getrieben

Grobe Beratungs­fehler im Test sind vermutlich nur selten auf das Unver­mögen der Berater zurück­zuführen, sondern eher auf provisions­getriebene Verkaufs­vorgaben der Institute. Obwohl der Kunden­status und die Risiko­einstufung des Kunden fast durchweg gut gelang, führte das nicht auto­matisch zu passenden Produkt­vorschlägen. Das hat uns gewundert.

Oft werden Haus­produkte empfohlen

Haus­produkte zu empfehlen, ist bei fast allen Banken Usus. Sie bringen der Bank mehr Provisionen, dem Kunden aber selten eine „maßgeschneiderte Anlagelösung“, mit der etwa die Hypo­ver­eins­bank wirbt. Bei den Sparkassen bekommen Anleger Fonds der Deka­bank oder der LBB-Invest. Die LBB-Invest ist eine Tochtergesell­schaft der Deka­bank, die wiederum eine 100-prozentige Tochter des Deutschen Sparkassen- und Giro­verbands ist. Die Deutsche Bank vermittelt gerne Fonds ihrer Tochtergesell­schaft DWS Investment.

Volks­banken und Raiff­eisen­banken sind stolz auf ihre enge Zusammen­arbeit mit Instituten der Genossenschaftlichen Finanz­gruppe wie der Bausparkasse Schwäbisch Hall, der R+V Versicherung oder der Fonds­gesell­schaft Union Investment.

Haus­interne Vorgaben müssen aber nicht zwingend zu schlechten Empfehlungen führen. Auch das zeigt unser Test.

Drei von 23 Banken gut

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Sparda-Bank Berlin: Die Berater ermittelten den Kunden­status sehr gut. In fünf von sieben Test­gesprächen gab es eine gute Anla­geempfehlung.

Insgesamt hat sich die Anla­geberatung der Banken fünf Jahre nach unserem letzten Test und acht Jahre nach der Finanz­krise (2007) etwas verbessert (Gute und schlechte Produktvorschläge).

Gut beraten haben aber nur die Frank­furter Volks­bank, die Sparda-Bank Berlin und die Nassauische Sparkasse. Das sind drei von 23 bewerteten Instituten. Es bleibt also noch viel Luft nach oben.

Das Gros der Kredit­institute – darunter Groß­banken wie Commerz­bank, Deutsche Bank und Targo­bank – hat befriedigend abge­schnitten. Nur ausreichend waren fünf Banken, darunter die Post­bank, die in drei Beratungs­gesprächen viel zu riskante Anlage­vorschläge machte.

Schluss­licht im Test sind die Hypo­ver­eins­bank und die Hanno­versche Volks­bank. Beide Banken berieten unsere Test­kunden so schlecht, dass sie ein Mangelhaft für die Qualität ihrer Anla­geberatung kassierten.

Für unseren Test haben wir 160 Beratungs­gespräche ausgewertet. Getestet wurde von Juni bis September 2015 in je sieben Filialen von fünf Privatbanken, neun Genossen­schafts­banken und neun Sparkassen.

Nassauische Sparkasse hat über­zeugt

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Nassauische Sparkasse: In sechs von sieben Testberatungen passte der vorgeschlagene Anlagemix gut zu den Anlagewünschen des Kunden.

Über­zeugen konnte beim Prüf­punkt „Lösen des Anla­gepro­blems“ die Nassauische Sparkasse. Ihre Berater schlugen den Testern fast durch­gehend einen ausgewogenen Mix aus fest­verzins­lichen Wert­papieren und verschiedenen mit Risiken verbundenen Deka-Fonds vor. Das war gut.

Gute Anlage­vorschläge machte auch die Frank­furter Volks­bank. Positiv über­rascht hat uns, dass in jeder Beratung wenigs­tens für einen Teil der Anlagesumme auch ein börsen­gehandelter Indexfonds (ETF) empfohlen wurde, obwohl die Bank an dessen Vermitt­lung kaum verdient. Kunden sparen hier bares Geld, da ETFs keinen provisions­belasteten Vertrieb haben und die laufenden Kosten deutlich nied­riger sind als die für klassische Aktienfonds.

Am besten von allen Instituten schnitt im Prüf­punkt „Lösen des Anla­gepro­blems“ die Frank­furter Sparkasse ab. Sie streute das Risiko, indem sie in den Test­gesprächen eine risikogerechte Mischung aus täglich verfügbaren Anlagen, fest­verzins­lichen Wert­papieren, offenen Immobilienfonds und breit streuenden Misch- und Aktienfonds empfahl. Das passte sehr gut zum Anlage­wunsch. Schade nur, dass die Sparkasse in einem Fall kein Beratungs­protokoll über­gab. Wegen dieses Verstoßes gegen das Wert­papier­handels­gesetz kassierte sie eine Abwertung um eine halbe Note und verpasste so ein gutes Qualitäts­urteil.

Immer wieder Gesetzes­verstöße

Banken miss­achten Vorgaben, obwohl sie dabei immer wieder erwischt werden. Bei unserem letzten Test vor fünf Jahren hatten Institute in 65 Fällen kein Beratungs­protokoll ausgehändigt. Damals war die gesetzliche Vorschrift, bei einer Beratung über Wert­papiere ein Protokoll anzu­fertigen, in dem unter anderem Ziel, Zweck, Dauer der Geld­anlagen sowie die Risiko­bereitschaft des Kunden erfasst werden, erst einige Monate in Kraft. Sie hatte sich aber offen­bar noch nicht über­all herum­gesprochen.

Heute – fünf Jahre später – klappt die Ausgabe der Protokolle bei einigen Instituten immer noch nicht. 15 Mal wurde gegen die bei Banken ungeliebte Protokoll­pflicht verstoßen, die demnächst durch eine europaweit geltende „Geeignetheits­prüfung und -erklärung“ ersetzt werden soll.

Den Vogel abge­schossen haben drei Banken aus dem Sparkassensektor. Die Kreissparkasse Köln, die Baden-Württem­bergische Bank und die Sparkasse Leipzig gaben unseren Testern jeweils in drei von sieben Fällen kein Protokoll. Da läuft wohl noch etwas systematisch falsch. Beim Qualitäts­urteil haben wir drei Gesetzes­verstöße in diesem Prüf­punkt mit einem Abzug um eine ganze Note bestraft (So haben wir getestet).

Testsieg versemmelt

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Frank­furter Volks­bank: Das einzige Institut, das in allen Fällen börsen­gehandelte Indexfonds (ETF) empfahl, obwohl sie daran kaum verdient.

Die Stadt­sparkasse München wäre gemein­sam mit der Frank­furter Volks­bank Testsieger geworden, wenn einer ihrer Berater nicht geschlampt hätte. Das Institut rutschte auf ein Befriedigend, weil der Berater kein Protokoll aushändigte.

Die Hamburger Sparkasse versemmelte ebenfalls ein mögliches gutes Qualitäts­urteil für ihre Anla­geberatung, weil sie in einem Beratungs­fall kein Protoll über­gab.

Weitere Punkt­abzüge gab es vor allem beim Prüf­punkt „Produkt- und Kosten­information“. Teil­weise vergaßen Berater, die Produkt­informations­blätter, das Preis-Leistungs-Verzeichnis oder die gesetzlich vorgeschriebenen „Wesentlichen Anleger­informationen“ auszuhändigen. Die Blätter sind für Kunden immens wichtig, weil sie erklären, wie eine Anlage funk­tioniert, was für Risiken sie hat und wie viel sie kostet.

Zwei Banken berieten mangelhaft

Das Qualitäts­urteil mangelhaft kassierten die Hanno­versche Volks­bank und die Hypo­ver­eins­bank, die Teil der UniCredit, einer der größten Bankengruppe Europas, ist.

Bei der Hanno­verschen Volks­bank waren die Anlage­vorschläge in vier der sieben Gespräche mit den Test­kunden viel zu riskant. Das über­raschte uns, da die Berater der Bank die Kundenwünsche genau erfragten und im Prüf­punkt „Ermitteln des Kunden­status“ sogar sehr gut waren.

Die Empfehlung, je 15 000 Euro in einen Misch­fonds mit hohem Aktien­anteil sowie in einen deutschen Aktienfonds und einen welt­weit investierenden Aktienfonds anzu­legen, war mangelhaft, da sie über das vom Kunden gewünschte mitt­lere Risiko hinaus ging. Ähnlich riskant waren auch drei weitere Produkt­vorschläge. Das brachte der Bank ein Mangelhaft ein.

Am Call­center gescheitert

Kaum zu glauben, aber auch einmalig war, was ein Tester bei der mangelhaft getesteten Hypo­ver­eins­bank erlebte. Falsch beraten wurde er bereits vom Call­center der Bank, das er nur anrief, um einen Termin in der Filiale zu vereinbaren.

Als er dort nach Aufforderung seinen Anlage­wunsch geschildert hatte, wurde ihm nach kurzer telefo­nischer Beratung für die gesamten 45  000 Euro die FC Bayern Sparkarte angeboten.

Das ist ein Spar­buch, dessen Zinsen steigen, wenn die Bundes­ligakicker des FC Bayern erfolg­reich sind. Zum Vermögens­aufbau ist es allerdings nicht geeignet (Gute und schlechte Produktvorschläge).

„Persönlicher Termin eher unüblich“

Unserem Tester, der noch mal auf eine Beratung in einer Filiale der Hypo­ver­eins­bank drängte, beschied der Mitarbeiter des Call­centers, dass ein persönlicher Termin „eher unüblich“ sei. Der Kunde könne den per Post über­sandten Vertrag für die Sparkarte einfach unter­schrieben zurück­senden.

Die Vertrags­unterlagen kamen nicht an. Der Tester hakte nach. Am Telefon erfuhr er: „Die Unterlagen sind verschickt. Nochmals können sie nicht versandt werden.“

Schlechter kann eine Beratung kaum laufen. Und es gab noch weitere mangelhafte Beratungen der Hypo­ver­eins­bank.

In zwei Fällen wurde Kunden für einen Teil ihres Geldes der geschlossene Dachfonds Sach­werte Portfolio 2 der Wealth Management Capital Holding GmbH angedreht, die eine Hypo­ver­eins­bank­tochter ist. Der Fonds, der vor Ende 2026 nicht gekündigt werden kann, ist laut „Wesentlicher Anleger­information“ „nicht für Anleger geeignet, die ihr Geld vor dem Ende der Lauf­zeit aus dem Fonds wieder zurück­ziehen wollen“.

Das Geld in dem Fonds ist bei Bedarf nicht verfügbar. Oben­drein hat er Einmalkosten von knapp 15 Prozent und laufende Kosten von mehr als 1 Prozent pro Jahr. Verluste bis hin zum Total­verlust sind nicht ausgeschlossen. Nur wenn die Zielfonds, in die der Dachfonds investiert, erfolg­reich in Immobilien, Energie und Infrastruktur sowie in nicht börsennotierte Unternehmen investieren, können sie sich vielleicht rentieren.

Schon wegen ihrer Komplexität Anlegern ohne Aktien­erfahrung kaum zu erklären, war auch die Empfehlung zweier Berater, konzern­eigene Garan­tiezertifikate zu kaufen. Diesen Zertifikaten liegen als Basis­wert zwei Anlagen zugrunde, deren Gewichtung sich abhängig vom Sicherungs­system ändern kann. Bei den Anlagen handelt es sich um einen aktiv gemanagten Misch­fonds sowie um einen von der Bank berechneten Geldmarkt­index. Er wird von der UniCredit Bank Austria aufgelegt, die wie die Hypo­bank zur italienischen Groß­bank UniCredit gehört.

Zweitmeinung einholen

Fazit: Berater, die von unseren Test­kunden über­wiegend als nett und kompetent einge­stuft wurden, ermittelten den Kunden­status oft richtig und informierten zufrieden­stellend über die Produkte und Kosten dafür. Ordentliche Vorarbeit ist aber keine Garantie für gute Anla­geempfehlungen. Kunden müssen wohl oder übel eine Zweitmeinung einholen oder die Produkt­vorschläge von einer Verbraucherzentrale prüfen lassen.

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