Anlageberatung Meldung

Nach dem Urteil unserer Leser ­verdient weder die Dresdner Bank, die damit wirbt, noch ein anderes Institut das Etikett „Beraterbank“.

Anlageberatung. Finanztest hat nachgefragt: Welche ­Erfahrungen haben Sie, unsere Leser, mit Ihrer Bank gemacht? Die Antworten sind kein Ruhmesblatt für die Geldinstitute.

Zur Zeit des Börsenbooms waren es die Technologie-Aktienfonds, heute sind es komplizierte Zertifikate und Hedge-fonds-Strategien: Banken verkaufen statt Bewährtem oft lieber neue Produkte, mit denen sie Geld verdienen wollen oder die kurzfristige Erfolge versprechen.

Das zeigt die Auswertung der Leserzuschriften auf unseren Aufruf in der ­Finanztest-Ausgabe September 2004. Wir wollten wissen, was die Banken ihren Wertpapierkunden raten. Gut bedient fühlten sich die meisten nicht.

Mit dem Besen durchs Depot

Ein Leser schilderte uns den Fall seiner Eltern. Ihnen hatte eine Volksbank die technologielastigen Fonds UniDynamik Global und Europa sowie den Uni 21. Jahrhundert der Fondsgesellschaft Union Investment verkauft – gegen die Bedenken der 70-Jährigen. Von 50 000 Euro sind noch 20 000 übrig. Die beiden haben nun einen Anwalt eingeschaltet.

Altlasten aus der Boomzeit des Neuen Marktes liegen in manchem Depot. In vielen Beratungen ging es jetzt darum, sie fortzuschaffen.

Einem Sparkassenkunden aus Bayern riet der Berater, die Deka-Fonds Technologie und Telemedien aus dem Depot zu nehmen – beides Verlustbringer. Zum Kauf empfahl er unter anderem ein Hedge-fonds-Zertifikat und zwei Typen von sparkasseneigenen Vermögensverwaltungen mit Fonds, die Dynamik Depots „Ertrag Plus“ und „Wachstum“.

Der Verkauf der Technologiefonds ist sinnvoll. Indem die Bank ihrem Kunden Vermögensverwaltungen anbietet, rutscht sie aber ins andere Extrem. Erst sollte der Anleger riskante Einzelfonds halten, nun die Aufteilung seines Vermögens ganz in fremde Hände geben.

Die meisten Vermögensverwaltungen sind außerdem nach dem Urteil unserer Leser enttäuschend verlaufen.

Die Provisionen im Blick

Die Börsenkrise traf nicht nur die Nebenwertefonds. Auch größere Fonds haben ­erhebliche Verluste gebracht und die Banken machten Änderungsvorschläge. Doch einige unserer Leser reagierten misstrauisch. Sie vermuteten, dass es den Instituten vor allem darum geht, die bei den ­Umschichtungen anfallenden Provisionen einzustreichen.

Norbert Jagalski aus Köln zum Beispiel schrieb uns, dass die Dresdner Bank ihm dazu geraten hat, den in Europa anlegenden dit-Fonds Industria gegen den dit Wachstum Euroland auszuwechseln.

Der Industria schneidet in unseren Fondsanalysen „unterdurchschnittlich“ ab. Die Verkaufsempfehlung geht insofern in Ordnung. Aber die Alternative, der dit Wachstum Euroland, ist auch nur „unterdurchschnittlich“ – kein guter Kauf also, zumal bei der Umschichtung nach Jagalskis Angaben ein Ausgabeaufschlag von 335 Euro angefallen wäre.

Ein anderer Leser war unsicher, was er von einem Tipp der Deutschen Bank halten sollte. Der Berater empfahl ihm, den in Deutschland anlegenden Aktienfonds DWS Investa auszutauschen. Der Fonds ist bei uns „unterdurchschnittlich“ bewertet, ein Wechsel deshalb durchaus ratsam – zumal die DWS zwei hervorragende deutsche Aktienfonds hat. Angeboten hat die Bank unserem Leser aber den Fidelity European Growth. Das ist einer der besten europäischen Aktienfonds. Ob er ins Depot passt, hängt allerdings davon ab, was der Leser bereits hat und welche Schwerpunkte er setzen will.

Neue Produkte

Ein gutes Geschäft versprechen sich die Banken mit dem Verkauf hauseigener Zertifikate. Die Hypovereinsbank (HVB) zum Beispiel riet einem Leser aus Leipzig, seine Siemens-Aktien durch HVB-Bonuszertifikate auf Siemens, DaimlerChrysler oder BASF zu ersetzen.

Bonuszertifikate eignen sich vor allem in flauen Börsenzeiten. Den Bonus gibt es, wenn die Aktien einen bestimmten Kurs nicht unterschreiten. Als Preis für dieses Extra muss der Anleger auf Dividenden verzichten.

Ein weiterer Nachteil der Papiere ist ihre begrenzte Laufzeit. Anleger, die Aktien ihrer langfristigen Perspektiven wegen kaufen, sollten dabei bleiben und sie nicht in Zertifikate tauschen.

Ein anderer Leser sollte seine T-Aktien durch ein Rolling-Discount-Zertifikat der Dresdner Bank ersetzen, das sich auf die T-Aktie bezieht. „Discount“ heißt es, weil der Anleger die Aktie so quasi mit Rabatt bekommt. Das federt Kursabschläge ab. Der Gewinn ist allerdings begrenzt. Sollte die T-Aktie nachhaltig steigen, wäre der Anleger damit schlecht beraten.

Es geht auch ohne die Bank

Manche Banken lassen das Beraten nach Auskunft unserer Leser gleich ganz sein. „Ich bekomme keinerlei Beratung über bereits gekaufte Fonds“, schrieb zum Beispiel Hans-Hermann Wölfel. Und fügte ironisch an: „Aber vielleicht sind die von mir ausgesuchten Fonds ja so gut, dass keine weitere Beratung notwendig ist?“

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