Hier berät Sie Herr Computer

Die Deutsche Bank setzt auf softwaregestützte Vermögensanalyse. Nicht jeder Kunde ist damit zufrieden.

Gernot Frank* ist Kunde der Deutschen Bank. Ein guter Kunde. Allein seine Wertpapiere sind 150 000 Euro wert. Sein Depot war ihm zu unübersichtlich geworden. Um es neu strukturieren zu lassen, suchte er seinen Anlageberater auf. Doch statt eines ausführlichen Gesprächs bekam Frank eine mit dem Computer erstellte Vermögensanalyse.

Der Computer räumte auf: 24 Positionen sollte Frank verkaufen, 6 Kaufempfehlungen spuckte die Maschine aus.

Abstoßen sollte Frank zum Beispiel die verlustreichen DWS-Technologiefonds, die ihm die Bank vier Jahre zuvor angedient hatte. Als Grund war angegeben: „Aktien Technologie werden für dieses Idealdepot nicht empfohlen.“

Was mit „Idealdepot“ gemeint war, wusste Frank nicht: „Das hat mir keiner erklärt.“ Dass die Fonds nichts taugten, war ihm schon länger bewusst: 40 000 Euro hatte er mit ihnen verloren.

Er verstand ebenso wenig, warum ihm der Computer den Verkauf einiger seiner europäischen Aktien nahe legte, darunter fast nur Standardwerte wie BASF, Nokia, Allianz, DaimlerChrysler oder Deutsche Bank. Zur Begründung hieß es: „Das Engagement in Aktien Europa Bluechips ist zu hoch.“ Kaufen sollte Frank im Gegenzug den DWS Vermögensbildungsfonds I, einen internationalen Aktienfonds, der in Bluechips unter anderem aus Europa investiert. Nur fünf Einzeltitel wären im Depot geblieben.

Was ist ein „Idealdepot“?

Gernot Frank ist unzufrieden. „Warum soll ich Aktien verkaufen, die ich schon mehr als 30 Jahre gehalten habe“, fragt er sich, „und stattdessen konzerneigene Produkte kaufen?“

Knapp 15 Prozent seines Vermögens ­sollte er dem Computer zufolge zudem in ein Hedgefonds-Zertifikat der Deutsche-Bank-Tochter Xavex stecken, der Rest sollte in vier weitere DWS-Fonds fließen. „Mit Hedgefonds wollte ich noch nie etwas zu tun haben“, kommentiert Frank. „Wieso geht der Berater nicht auf meine Wünsche ein?“, wundert er sich. „Die Beratung ist wenig individuell.“

Das Gegenteil sei der Fall, heißt es bei der Deutschen Bank. Die Computeranalyse werde üblicherweise von einem „tiefer gehenden Gespräch“ begleitet. Jeder Kunde bekomme auf ihn zugeschnittene Vorschläge, quasi sein persönliches Idealdepot. Die Struktur richte sich nach der Risikobereitschaft.

Bei der Produktwahl greife die Bank auf alle relevanten Aktien zurück und auf die Fonds nicht nur der DWS, sondern auch der Partner. Dazu gehören UBS, Fidelity oder Templeton.

Frank hat die Vorschläge nur teilweise umgesetzt. Die meisten Aktien hat er behalten, vom Hedgefonds-Zertifikat die Finger gelassen und einen DWS-Fonds gekauft. Der Deutschen Bank vertraut er nicht mehr. „Früher war die Betreuung besser“, sagt er. „Persönlicher.“ Er ist auf der Suche nach einer neuen Bank.

*Name von der Redaktion geändert.

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