Anla­geberatung Das Beratungs­protokoll wird abge­schafft

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Von Januar 2018 an bekommen Anleger nach einem Beratungs­gespräch etwa bei der Bank oder Sparkasse kein Beratungs­protokoll mehr, sondern eine Geeignetheits­erklärung. Das hat der Bundes­tag Ende März mit dem Zweiten Finanzmarkt­novellierungs­gesetz beschlossen. Damit sollen die Vorgaben der europäischen Finanzmarkt­richt­linie Mifid II in nationales Recht umge­setzt werden.

Geeignetheits­erklärung ist ein Ergeb­nisprotokoll

Christian Ahlers vom Verbraucherzentrale Bundes­verband erläutert den Unterschied: „Während das Beratungs­protokoll den Beratungs­prozess beschrieben hat, ist die Geeignetheits­erklärung ein Ergeb­nisprotokoll.“ Der Berater soll darin darlegen, warum das empfohlene Produkt für den Anleger geeignet ist.

Keine verbindlichen Vorgaben

Wie die Erklärung genau aussehen wird, ist unklar. Verbindliche Vorgaben sind nicht vorgesehen. „Die Chance, Schwächen des bisherigen Beratungs­protokolls zu verbessern, wurde nicht genutzt“, so Ahlers. „Durch eine fehlende Stan­dardisierung kann der Berater die Geeignetheit in der Erklärung so begründen, wie er es für richtig hält.“

Beratung häufig mit Mängeln

Dass Beratung oft nicht gut funk­tioniert, haben wir in mehreren Tests der Anla­geberatung von Banken fest­gestellt. Oft haben Anleger ein Beratungs­protokoll gar nicht erst erhalten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Test Anlageberatung, Finanztest 2/2016.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 18.12.2017 um 14:43 Uhr
Folge der MiFID II für Bankkunden

@KL36: Über die Frage, wem die Vertriebsvergütungen zustehen, dem Kunden oder der Bank, wird schon seit Jahren gestritten. Ein höchstrichterliches Urteil gibt es noch nicht. Deutsche Bank und Sparkassen haben schon seit längerem eine solche Klausel in den AGB, andere ziehen jetzt anscheinend nach. Wenn Kunden der aktuellen Änderung widersprechen, droht ihnen eine Kündigung ihrer Bank. Bitte lesen Sie den ausführlichen Artikel: https://www.test.de/Provisionen-bei-Fonds-Banken-erzwingen-Verzicht-4832372-0/ (PH)

KL36 am 18.12.2017 um 10:34 Uhr
Folgen der MiFID II für Bankkunden

Meine Bank - HVB - schickt mir unter Berufung auf MiFID II ein Päckchen mit Bedingungen usw. Unter anderem liegt eine "Vereinbarung für Finanzdienstleistungen bei", in der u.a. die Klausel "Verzicht des Kunden auf Herausgabe der Vertriebsvergütungen" zu finden ist. Mir ist unklar, inwieweit die Änderungen durch die MiFID hier mit speziellen Interessen der Bank vermischt werden. Speziell wegen dieser Klausel möchte ich die Vereinbarung nicht einfach unterschreiben. Folgen aus MIfID II außer der Umstellung auf "Geeignetheitserklärung" noch andere Neuheiten für den Bankkunden? Berechtigen sie die Bank, mir andere Geschäftsbedingungen aufzunötigen?