Anlageberatung Meldung

Die Finanzaufsicht Bafin hat gegen zehn Kreditinsti­tute Verfahren wegen fehlerhafter Beratungsproto­kol­le eingeleitet. Gegen zwei Banken hat sie bereits Bußgelder verhängt. Die Probleme sind keine Einzelfälle: Eine neue Studie stellt flächen­deckend Mängel in Beratungsprotokollen fest.

Banken wehren sich gegen Bußgeld

Bis zu 50 000 Euro Bußgeld kann die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin verhängen, wenn Kreditinstitute Beratungsprotokolle unvollständig, falsch oder gar nicht ausfüllen. Gegen die aktuellen Bußgeldforderungen von jeweils 18 000 und 26 000 Euro haben die beiden Geldhäuser Einspruch eingelegt. Gegen acht weitere Institute hat die Finanzaufsicht Bußgeldverfahren anlaufen lassen. Welche das sind, verrät die Bafin nicht. „Zu den laufendend Verfahren äußern wir uns nicht“, sagte eine Bafin-Sprecherin gegenüber test.de.

Alle 50 Beratungsprotokolle mit Mängeln

Bereits im Jahr 2010 hatte Finanztest den Umgang der Banken mit den Beratungsprotokollen zweimal untersucht. In 65 Beratungsgesprächen hätten die Berater Protokolle ausfüllen und den Testpersonen aushändigen müssen. Sie taten es nicht Banken im Test: Die Blamage geht weiter. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat zwischen September 2011 und Februar 2012 Testpersonen in 50 Kreditinstitute zu jeweils einem Beratungsgespräch geschickt. Ergebnis der Fallstudie: Kein Protokoll enthielt alle nötigen Informationen.

  • Kein einziges Institut hat die Risikoneigung nach den Angaben des Testkunden im Protokoll dokumentiert. Die Formulierungen der Kreditinstitute waren willkürlich und schwammig.
  • Das Vermögen und die vorhandenen Verbindlichkeiten haben die Berater nur in einem Fall vollständig dokumentiert.
  • Informationen über die Höhe der anfallenden Kosten für die empfohlenen Anlageprodukte waren in 71 Prozent der Fälle weder in Euro noch in Prozent im Protokoll ausgewiesen.
  • In 55 Prozent der Fälle wurden entweder Einnahmen oder Ausgaben falsch dokumentiert oder fehlten gänzlich.
  • In 20 Prozent der Fälle wurde trotz klarer gesetzlicher Verpflichtung kein Beratungsprotokoll ausgehändigt.

Protokolle sind kein Schutz vor Falschberatung

Bankberater sind seit 2010 verpflichtet, Beratungsgespräche zu Wertpapieren wie Fonds, Anleihen oder Zertifikaten zu protokollieren und es dem Kunden auszuhändigen. Ein Beratungsprotokoll soll die wesentlichen Inhalte des Anlagegesprächs festhalten: Die persönliche und finanzielle Situation des Verbrauchers, seine Anlageziele, Risikoneigung und sein Vorwissen. Der Berater muss darlegen, welche Produkte er aus welchen Gründen empfiehlt und wie hoch das jeweilige Risiko ist. Auch die Höhe möglicher Gebühren und Provisionen für die Bank muss aufgeführt werden. Der Kunde soll mit dem Protokoll erkennen können, ob die Bank seine Anlage Wünsche korrekt erfasst hat. „Die Protokolle schützen eher Berater und Vermittler vor Schadenersatz als die Verbraucher vor Falschberatung“, sagt Niels Nauhauser, von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Anleger sollten sich bei der Bafin beschweren

Wer nach einer Beratung, in der es um Wertpapiere wie Anleihen, Aktien, Fonds und Zertifikate ging, kein Protokoll erhält, sollte das der Bafin melden. Das sollte er auch tun, wenn er Zweifel daran hat, dass das Protokoll richtig oder vollständig ist. Er kann seine Beschwerde an die Bafin unter folgender Adresse richten:

Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Postfach 1253
53002 Bonn,
poststelle@bafin.de
Telefon 02 28/29 97 02 99

Tipp: Nur Sie können feststellen, ob das Protokoll dem tatsächlichen Gesprächsverlauf entspricht und damit richtig ist. Falls es falsch ist, regeln Sie das gleich mit Ihrer Bank.

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