Anlageberatung Meldung

Beratungsprotokolle schützen Banken, nicht die Verbraucher. Das ergab eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf Grundlage von 61 anonymisierten Protokollen, die aus dem jüngsten Beratungstest von Finanztest stammten.

Verbindlicher Standard gefordert

Seit Januar 2010 sind Banken verpflichtet, jede Anlageberatung schriftlich zu dokumentieren. Wie das Protokoll im Detail auszusehen hat, ist dagegen nicht festgelegt. Der vzbv fordert einen „klaren, einheitlichen und verbindlichen Standard für die Beratungsdokumentation“. Nach den Ergebnissen seiner aktuellen Untersuchung scheint dies dringend geboten. „Mehr Sorgfalt in der Finanzvermittlung wird es nur geben, wenn die Anbieter fürchten müssen, für Falschberatungen auch belangt zu werden“, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Banken händigten kein Protokoll aus

Grundlage für die Untersuchung des vzbv waren Beratungsprotokolle, die aus dem Test Anlageberatung der Banken (Finanztest 08/2010) stammten. Selbstverständlich wurden diese Daten anonymisiert. Ein Schwerpunkt der Finanztest-Untersuchung war, ob die Banken ihren Kunden überhaupt ein Beratungsprotokoll überreichen. Ergebnis: Sechs von 21 untersuchten Anbietern händigten in mehr als der Hälfte der Fälle kein Beratungsprotokoll aus – obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären.

Anlageziel selten vollständig dokumentiert

Der vzbv hat die Beratungsprotokolle nun inhaltlich untersucht. Die Auswertung der Verbraucherschützer legte in allen wichtigen Punkten gravierende Mängel offen. So wurden die finanziellen Verhältnisse des Anlegers und seine Risikobereitschaft in keinem einzigen Protokoll zufriedenstellend dargelegt. Das Anlageziel und die bisherigen Erfahrungen des Kunden mit Finanzgeschäften wurden nur ganz selten vollständig dokumentiert. Und kein einziges Beratungsprotokoll legte aussagekräftig offen, welche Provisionen für die Vermittlung der Geldanlage an die Bank fließen.

Hilfe von Verbrauchern

Aus Sicht des vzbv setzen viele Banken die Protokolle dazu ein, ihr Haftungsrisiko zu minimieren. 49 der 61 untersuchten Protokolle enthielten Klauseln, die das Geldinstitut pauschal von der Haftung entbinden sollen und meist war auch eine Unterschrift des Anlegers vorgesehen. Verbraucherschützer raten Bankkunden davon ab, Beratungsprotokolle zu unterschreiben. Die Verbraucherzentralen werden den Umgang der Anbieter mit Beratungsprotokollen weiter im Blick behalten. Die Verbraucher können sie dabei unterstützen, indem sie ihre Erfahrungen schriftlich schildern und diese zusammen mit Kopien der Protokolle den Verbraucherzentralen zuleiten. Alle Zuschriften werden vertraulich behandelt. Die Sammlung erfolgt zentral über die Verbraucherzentrale Baden Württemberg, Paulinenstraße 47, 70178 Stuttgart.

Tipp: Der vzbv stellt die ausführlichen Ergebnisse der Auswertung im Internet zur Verfügung.

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