Anlageberater müssen vor Gericht beweisen können, dass sie ihrem Kunden den Anlageprospekt ausgehändigt haben. Können sie das nicht, wird einfach angenommen, dass sie den Anleger nicht ausreichend beraten haben. Mit dieser Entscheidung eröffnet das Oberlandesgericht Hamm enttäuschten Anlegern neue Chancen auf Schadenersatz (Az. 8 U 170/02, nicht rechtskräftig).

Hintergrund der Entscheidung war die Klage eines Anlegers, der rund 7 700 Euro in einen geschlossenen Immobilienfonds investiert hatte und zur Finanzierung auch einen Bausparvertrag über den Vermittler abgeschlossen hatte. Als ihm später Zweifel kamen, kündigte er die Verträge. Ihm sei bei der Beratung kein Anlageprospekt ausgehändigt worden. Hätte er die dort enthaltenen Risikohinweise lesen können, hätte er nicht investiert, argumentierte er. Der Berater muss ihm nun den Schaden ersetzen.

Im Verfahren konnte der Vermittler das Gericht nicht davon überzeugen, dass er den Prospekt übergeben hatte. Zwar konnte er die Unterschrift des Kunden unter der Fondsbeitrittserklärung vorlegen. Darin war auch der Passus enthalten, der Kunde habe vom Angebotsprospekt Kenntnis bekommen. Doch das reichte dem Gericht nicht. Mit solch einem pauschalen Passus dürften Anbieter nicht dem Kunden die Beweislast zuschieben.

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