Anleger dürfen erwarten, dass vorge­legte Beispielrechnungen schlüssig und plausibel sind. Selbst der Vermittler haftet für schräge Beispiele, wenn klar ist, dass sich der Kunde auf die Sachkunde des Vermittlers verlassen will. Dann kommt stillschweigend ein Auskunftsvertrag zustande, der Grundlage für die Haftung ist (OLG Stuttgart, Az. 7 U 165/01).

Einem Anleger wurde deshalb Schadenersatz für seine Verluste mit geschlos­senen Immobilienfonds zugesprochen, nachdem ihm Fondsanteile im Wert von rund 30 000 Euro aufgeschwatzt worden waren. Im „persönlichen Berechnungsbeispiel“ hatte der Vermittler falsche Zahlen über die prognostizierte Wertsteigerung der Objekte präsentiert. Das Berechnungsmodell funktionierte nicht mit der im Beispiel angegebenen angenommenen Wertsteigerungsrate der Immobilien von 4 Prozent. Nur mit 7 Prozent Steigerung wäre die Rechnung aufgegangen.

Den Kopf aus der Haftungsschlinge ziehen wollte die Vertriebsfirma dann mit dem Argument, der Kunde hätte sicher auch bei korrekter Rechnung gekauft. Damit blitzte sie bei Gericht aber ab. Solange nicht das Gegenteil bewiesen sei, gelte der käuferfreundliche Grundsatz: Bei vernünftiger Aufklärung verhalten sich Käufer auch entsprechend. Mangels Beweis musste die Firma daher die Fondsanteile zurücknehmen und Kaufpreis und Zinsen erstatten.

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