Beratungsprotokolle schützen Banken, nicht die Verbraucher. Das ist das Ergebnis einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), der 61 Beratungsprotokolle analysiert hat. Die Protokolle stammten aus dem jüngsten Beratungstest von Finanztest ( siehe Banken im Test 8/10) und waren selbstverständlich anonymisiert.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Banken die Protokolle dazu nutzen, ihr Haftungsrisiko zu minimieren. 49 der 61 untersuchten Protokolle enthielten Klauseln, die das Geldinstitut pauschal von der Haftung entbinden sollen, und meist war auch eine Unterschrift des Anlegers vorgesehen.

Seit Januar 2010 sind Banken verpflichtet, jede Anlageberatung schriftlich zu dokumentieren. Wie das Protokoll im Detail auszusehen hat, ist aber nicht festgelegt. Der vzbv fordert einen „klaren, einheitlichen und verbindlichen Standard für die Beratungsdokumentation“. Nach den Ergebnissen der aktuellen Untersuchung scheint dies dringend geboten. Die Auswertung legte in allen wichtigen Punkten gravierende Mängel offen. So wurden die finanziellen Verhältnisse des Anlegers und seine Risikobereitschaft in keinem einzigen Protokoll zufriedenstellend dargelegt.

Das Anlageziel und die bisherigen Erfahrungen des Kunden mit Finanzgeschäften wurden nur ganz selten vollständig dokumentiert. Und kein einziges Beratungsprotokoll legte aussagekräftig offen, welche Provisionen für die Vermittlung der Geldanlage an die Bank fließen.

„Mehr Sorgfalt in der Finanzvermittlung wird es nur geben, wenn die Anbieter fürchten müssen, für Falschberatungen auch belangt zu werden“, sagt vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Tipp: Bankkunden sollten darauf bestehen, dass ihnen ein Beratungsprotokoll ausgehändigt wird. Sie sollten es aber nicht unterschreiben.

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