Anlageberater Meldung

Anlagevermittler müssen ihren Kunden Schadenersatz leisten, wenn sie Wertpapiere mit einer falsch berechneten Rendite verkaufen. Auch wenn es der Berater unterlässt, Anleger auf offensichtliche Berechnungsfehler des Fondsanbieters hinzuweisen, ist er in der Haftung. Das hat der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil entschieden und heute verkündet.

Geschlossenen Immobilienfonds schön gerechnet

Finanzvermittler haften, wenn sie Anlegern offensichtlich falsche Renditeprognosen auf von ihnen verkaufte Wertpapiere geben. Diese Frage war bislang gerichtlich umstritten und ist nun vom Bundesgerichtshof zu Gunsten der Kunden geklärt. Im konkreten Fall hatte sich ein Ehepaar 1997 an dem geschlossenen Immobilienfonds R.-N.I. Nr. 5 GbR mit rund 38 300 Euro (damals 75 000 Mark) beteiligt. Sie finanzierten ihr Engagement mit einem Bankkredit. Zuvor hatte der Anlagevermittler ihnen die mögliche Rendite an Hand von Modellrechnungen erklärt, die er beim Fondsanbieter in Auftrag gegeben hatte. Der Vermittler stellte an unterschiedlichen Szenarien von Mieterhöhungen dar, dass der Wert der Geldanlage ab dem dritten Jahr beständig zwischen drei und vier Prozent steigen würde.

Vermittler haftet

Unausgesprochen legte der Berater die von dem Ehepaar eingebrachten 38 300 Euro als Ausgangswert für seine prognostizierten Wertentwicklung zu Grunde. Tatsächlich betrug der angelegte Anteilswert aber nur rund 29 400 Euro. Etwa 20 Prozent des Gesamtsumme gingen nämlich für Provisionen, Gebühren und andere Nebenkosten drauf. Das klagende Ehepaar hätte selbst bei einer Wertsteigerung von drei Prozent auch nach zehn Jahren seine Beteiligungssumme von 38 300 Euro noch nicht erreicht, rechneten die Richter vor. Der Anlagevermittler hätte diesen „Berechnungsfehler“ der Fondsbetreiber bei einer überschlägigen Überprüfung der Zahlen bemerken müssen, meinte der BGH. Nun muss der Vermittler für den Schaden der Eheleute haften.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 17. Februar 2011
Aktenzeichen: III ZR 144/10

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