Aus der Puste. Betroffene können schon bei mäßiger Bewegung Symptome wie Atemnot verspüren.

Beklemmungs­gefühl in der Brust, Atemnot: Chro­nisch verengte Herz­kranzgefäße versuchen unangenehme Beschwerden. Dagegen helfen Medikamente und eventuell zusätzlich ein Eingriff mit dem Herz­katheter. Welche Behand­lung ist wirk­samer und beugt Folge­erkrankungen besser vor? Das hat eine Studie mit 5 200 Patienten genauer erforscht – mit über­raschendem Ergebnis.

Verengte Herz­kranzgefäße führen zu Angina pectoris

Ärzte sprechen von einer stabilen Angina pectoris, wenn Symptome wie Engegefühl in der Brust, Beklemmung, Kurz­atmig­keit immer bei körperlicher Anstrengung auftreten. Ursache sind Ablagerungen in den Gefäßen. Sie verhindern, dass der Herz­muskel ausreichend mit Sauer­stoff versorgt wird. Betroffene kennen die Schwelle, ab der Beschwerden auftreten, auch ist die Stärke der Beschwerden immer ähnlich. Um sie zu lindern und um Folge­erkrankungen wie Herz­rhythmus­störungen oder einen Herz­infarkt zu vermeiden, können Patienten nur Medikamente einnehmen oder zusätzlich einen minimalinvasiven Eingriff mittels Herz­katheter machen lassen.

Angina pectoris – stabile und instabile Form

Koronare Herz­krankheit. Sie ist durch Ablagerungen in den Herz­kranzgefäßen gekenn­zeichnet, was als Arterio­sklerose bezeichnet wird. Die Ablagerungen beein­trächtigen den Blutfluss, so dass bestimmte Herz­muskel­bereiche nicht ausreichend Sauer­stoff erhalten. Werden keine besonderen Anforderungen an die Herz­leistung gestellt, bleibt das ohne spür­bare Folgen. Erst wenn das Herz schneller schlagen muss, macht sich die Mangeldurch­blutung durch Beschwerden bemerk­bar.

Stabile Form. Treten die Beschwerden vorwiegend bei körperlicher Anstrengung wie etwa Treppen­steigen auf und lassen in Ruhe nach, handelt es sich um eine stabile Angina pectoris. Auch psychischer Stress kann typische Beschwerden auslösen. Die Grenze der körperlichen Aktivität, bei der Beschwerden auftreten, und die Stärke der Beschwerden bleiben über einen längeren Zeitraum unver­ändert.

Instabile Form. Die Beschwerden nehmen plötzlich auch ohne körperliche Belastung zu. Auslöser: An einer Ablagerung in einem Herz­kranzgefäß ist die dünne Haut an der Gefäßinnenfläche einge­rissen und es hat sich ein Blut­gerinnsel gebildet. Dieses engt die Ader so ein, dass die von dieser Arterie versorgten Gewebe­bereiche nicht genügend Sauer­stoff erhalten. Es besteht die Gefahr, dass sich das Gefäß komplett verschließt oder das Gerinnsel mit dem Blut­strom weggeschwemmt wird und Blutgefäße in anderen Organen verschließt. In dieser Situation muss sofort ein Notarzt eingreifen.

Verhindert ein Katheter lang­fristig Herz­infarkte?

Dieser Eingriff wird in Deutsch­land sehr häufig bei stabiler Angina pectoris vorgenommen. Er kann ambulant oder im Kranken­haus erfolgen und dauert etwa eine halbe Stunde. Dabei wird ein feiner, dünner Schlauch bis zum Herzen geschoben. Durch einen Ballon an der Spitze des Katheters können enge Gefäß­stellen gedehnt werden. Bei Bedarf kann zusätzlich eine Gefäß­stütze, Stent genannt, gesetzt werden. Danach wird der Katheter entfernt (Was passiert bei einer Herzkatheter-Untersuchung?). Dass dieses Verfahren helfen kann, ist gut bild­haft vorstell­bar und scheint plausibel: Verengte Herz­leitungen werden freigeräumt. Aber werden dadurch auch lang­fristig Herz­infarkte und Todes­fälle verhindert?

Kosenquente Medikamenten­therapie wichtig

Medikamente bei Angina pectoris enthalten Wirk­stoffe wie Nitrate, Beta­blocker und ACE-Hemmer. Ein akuter Atemnots­anfall kann mit Nitraten wie Glycer­oltrinitrat und Isosorbiddinitrat als Spray oder Sublingual­tablette schnell behandelt werden. Außerdem müssen Faktoren, die eine koronare Herz­krankheit verstärken, konsequent medikamentös behandelt werden: Dazu gehören hoher Blut­druck, erhöhte Blut­fett­werte und Blut­zucker­werte sowie das Verklumpen von Blutplätt­chen. In unserer Daten­bank Medikamente im Test finden Sie Bewertungen der Stiftung Warentest zur Eignung bestimmter Präparate. Doch reichen die Medikamente aus – oder bringt ein Katheter­eingriff Betroffenen einen zusätzlichen Nutzen?

Erkennt­nisse aus fünf Jahren Studien­dauer

Umfang­reiche Studie. Aufschluss gibt eine groß angelegte Studie mit rund 5 200 Patienten, an der Ärzte der Harvard Medical School in Boston beteiligt waren (Managing stable ischemic heart disease). Sie lief über einen Zeitraum von fünf Jahren und wurde im Fach­blatt New England Journal of Medicine veröffent­licht.

Mit und ohne Katheter. Die Studien­teilnehmer – Patienten mit stabiler koronarer Herz­krankheit und mäßigen bis schweren Angina-pectoris-Beschwerden – wurden zwei Gruppen zugeteilt: Die eine wurde so lange wie möglich rein medikamentös behandelt, die andere bekam zusätzlich einen Herz­katheter­eingriff. Waren die Beschwerden durch Medikamente nicht mehr ausreichend zu behandeln, wurde auch in der ersten Gruppe ein Herz­katheter­eingriff vorgenommen.

Erkrankungs­risiko und Lebens­qualität. Die Forscher werteten aus, wie sich die jeweilige Behand­lungs­strategie auf Ereig­nisse wie Herz­infarkt, auf Kranken­haus­auf­enthalte wegen instabiler Angina pectoris und kardiovaskulär bedingte Todes­fälle auswirkte. Sie ermittelten auch, welche Lebens­qualität die Probanden mit der Krankheit hatten.

Methoden etwa gleich effektiv

Fazit der US-Forscher: Keine der zwei Behand­lungs­methoden erwies sich als deutlich wirk­samer. Nach sechs Monaten erlitten 3 von 100 Probanden der Medikamentengruppe einen Herz­infarkt oder ein ähnliches Ereignis und etwa 5 von 100 in der Herz­kathetergruppe. Nach fünf Jahren waren in der Medikamentengruppe 18 von 100 Patienten betroffen, in der Kathetergruppe rund 16. In beiden Gruppen verstarben gleich viele Personen: 5 bis 6 von 100. Bei den subjektiv bewerteten Angina-pectoris-Beschwerden und der krank­heits­bezogenen Lebens­qualität schnitten die Patienten der Herz­kathetergruppe etwas besser ab, insbesondere diejenigen, die zu Studien­beginn deutlichere Beschwerden hatten.

Verschiebung des Katheter-Eingriffs erhöht nicht das Risiko

Daraus folgt: Wer die Beschwerden einer stabilen Angina pectoris gut mit Medikamenten kontrolliert, kann den Katheter­eingriff zunächst abwarten, ohne dass in den Folge­jahren ein erhöhtes Risiko für ein schwerwiegendes Herz­ereignis entsteht. Verstärken sich die Beschwerden, kann der Eingriff jeder­zeit vorgenommen werden. Falls der Eingriff während der Pandemie verschoben werden musste, muss keiner befürchten, dass sich dadurch der Verlauf der Erkrankung verschlechtert hat.

Tipp: Um das kranke Herz zu schützen, müssen auch der Blut­druck, die Blut­fett­werte und – bei Diabetikern – die Blut­zucker­werte optimal einge­stellt sein. Rauchen schädigt die Gefäße, daher ist ein Rauch­stopp sehr zu empfehlen (So werden Sie Nichtraucher). Dadurch verringern sich nach­weislich Folge­erkrankungen und das Risiko, an einem Herz­ereignis zu versterben.

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