Angebote durchschauen Meldung

Hohe Renditen ohne Risiko gibt es nicht. Solche Anlagen haben einen Haken.

Manche Anbieter versprechen Spitzenrenditen, absolute Sicherheit und hohe Steuervorteile - alles in einem. Finanztest warnt seit vielen Jahren vor dubiosen Angeboten.

Rund 30 Milliarden Euro verlieren Anleger jährlich durch dubiose Anlagegeschäfte. Das schätzen die Experten der Verbraucherzentrale Berlin.

Finanztest warnt seit Jahren vor unseriösen Angeboten. Die Palette reicht von ruinösen Geschäften mit Anlagediamanten bis hin zum Kauf überteuerter vermieteter Eigentumswohnungen als Kapitalanlage. Viele Anleger merken nicht einmal, wenn sie den Boden sicherer Finanzgeschäfte verlassen und auf dem grauen Markt investieren.

Der graue Kapitalmarkt

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Finanzhaie wollen nur eins: Ihr Geld.

Was der graue Kapitalmarkt genau ist, können selbst Experten nur schwer festmachen. Auf alle Fälle zählen Produkte und Vermittler dazu, die nicht der ­staatlichen Kontrolle durch die Bundesaufsichtsämter für das Kreditwesen in Bonn und für den Wertpapierhandel in Frankfurt am Main unterliegen.

Finanztest fasst den Begriff allerdings weiter: Zum grauen Markt zählen auch alle Anbieter, die Finanzprodukte mit unseriösen Methoden vertreiben. Denn selbst ein gutes Angebot ist schlecht, wenn es am Bedarf vorbei verkauft wird. Außerdem fallen darunter Angebote, die für Anleger wegen überhöhter Kosten unrentabel oder die entgegen den Versprechen sehr riskant sind. Wenn eine Bausparkasse oder Bank unseriöse Vermittlungsmethoden anwendet oder ein unrentables Produkt anbietet, zählt ­Finanztest auch das zum grauen Markt.

Für Laien ist es besonders schwer, seriöse von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. Schließlich geben sich Anbieter zweifelhafter Kapitalanlagen stets redlich Mühe, einen seriösen Eindruck zu vermitteln. In Hochglanzprospekten schreiben sie über die Vorteile des angebotenen Geschäfts. Musterrechnungen weisen schöne Gewinne aus. Finanztest prüft die Prospekte und rechnet nach.

Klagen dubioser Anbieter

In der Warnliste steht kein Anbieter gern. Viele ziehen deshalb gegen die Stiftung Warentest, als Herausge­berin von Finanztest vor Gericht. ­Finanztest hat über 90 Prozent der Verfahren gewonnen. Manchmal wurden Finanztest auch Warnungen zunächst verboten. So untersagte das Landgericht Göttingen Finanztest 1995 per einstweiliger Verfügung, über die WiRe Zeitschriften- und Medien AG zu schreiben, dass bei dieser Gesellschaft ein Konkurs möglich sei.

Das Oberlandesgericht Celle hob das Urteil später auf und attestierte ­Finanztest, dass die Schlussfolgerung „Konkurs möglich“ nicht nur gerechtfertigt sei, sondern vom Leser erwartet werde. Doch das war Monate später. Inzwischen hatte die marode Firma fleißig weiter Geld eingesammelt. Verlorenes Geld. Das erfuhren die Opfer allerdings erst 1999, als ihnen die WiRe AG anbot, ihre „auf null“ stehenden Anteile in Aktien der nun als Internet Media AG auftretenden Firma mit Sitz in München umzutauschen. Für den Tausch sollten die Geschröpften noch mal reichlich Geld nachschießen.

In vielen anderen Fällen konnte Finanztest Anleger vor Verlusten bewahren. Die frühe Warnung im Jahr 1994 vor den üblen Vertriebsmaschen der damaligen „Schutzvereinigung der Versicherten, Sparer und Kapitalanleger e. V.“ des berüchtigten Peter Max Freiherr von Lepel beispielsweise rettete ­vielen Lesern Geld. Denn von Lepels Kloppertruppen verhökerten Beteili­gun­gen an Pleitefirmen wie der Hanseatische AG, der Schweizer Ost-Com Holding AG oder den Clean-Gesellschaften. Erst 1999 wanderte von Lepel dafür ins Gefängnis.

Finanztest wird weiter Angebote prüfen und warnen. Schließlich können Leser uns auch Angebote schicken, die ihnen etwas dubios vorkommen. Wir dürfen zwar nicht individuell beraten, aber über die schlimmsten Fälle werden wir berichten.

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