Angebliche Gewinne Meldung

Edda Castelló ist Juristin bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Offizielle Gewinnbenachrichtigung: Sie haben 12 000 Euro gewonnen!“ Solche Briefe landen täglich in der Post – das Geld erhält aber niemand.

Sind denn all diese Briefe nichts als Nepp?

Ja, allesamt. Uns ist kein Fall bekannt, bei dem jemand anstandslos den Gewinn bekommen hat. Dafür melden sich Zigtausende, die den Werbebriefen geglaubt und ihr Geld verloren haben.

Mit welcher Masche arbeiten die Abzocker denn?

Mit ganz unterschiedlichen. Teils sollen die „Gewinner“ eine teure 0900-er Nummer anrufen, um das Geld abzurufen. Da werden sie dann mit langen Bandansagen hingehalten, für bis zu drei Euro pro Minute. Oder sie sollen als „Registrierung“ eine Vorauszahlung überweisen. Sehr oft liegt dem Brief Werbung für minderwertige Billigwaren oder gänzlich nutzlose Gesundheitspillen und Mittelchen bei, die man bestellen soll. Oder es wird zu einer Gewinnübergabe eingeladen, die dann eine brutale Verkaufsveranstaltung ist.

Aber das Gesetz sieht doch ausdrücklich vor, dass Verbraucher einen Gewinn einklagen können, der ihnen versprochen wurde.

Richtig. Aber das scheitert meist schon daran, dass die Klage gar nicht zugestellt werden kann, weil eine Adresse fehlt. Die Abzocker nennen häufig nur ein Postfach oder unterhalten eine Briefkastenfirma auf irgendeiner Karibikinsel. Gelingt es, die Drahtzieher zu identifizieren, geben die Gerichte dem Verbraucher zwar in der Regel Recht. So hat das Oberlandesgericht Hamburg einer 72-Jährigen 10 000 Euro Gewinn zugesprochen. Aber wir werden das Geld nicht eintreiben können. Trotz gewonnener Klage bleibt der „Gewinner“ dann auf Anwalts- und Gerichtskosten sitzen.

Lässt sich also nichts gegen diese Belästigung machen?

Kaum etwas. Wir haben unter www.vzhh.de eine lange Liste mit Nepp-Firmen ins Internet gestellt. Wer von Firmen angeschrieben wird, die dort noch nicht stehen, kann neue Fälle melden. Auf keinen Fall sollte man auf die Angebote eingehen.

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