Analyse: Gift unterm Parkett Meldung

Abschleifen der Klebereste vom Estrich: Der Staub wird durch den Schlauch nach draußen zu einem Filtergerät gesaugt.

Erweist sich alter Parkettkleber als giftig, stehen den Bewohnern oft Probleme ins Haus: Ärger mit dem Vermieter, aufwendige Bauarbeiten und pfuschende Handwerker. Wir sagen, worauf Betroffene achten müssen.

Misstrauisch wurde André C. aus Hannover durch unseren Bericht über giftige Parkettkleber. Zu Recht, wie die Analyse ergab: Der Kleber unter dem Fußboden seiner Wohnung aus den 30er Jahren war mit mehr als 5.000 Milligramm Benzo(a)pyren pro Kilogramm belastet. Vor allem aus Sorge um die Gesundheit seiner Kinder drängte André C. auf Sanierung. Der Vermieter war nur zu einer Billiglösung bereit: Abdecken mit Folie ­ aber ohne Versiegelung der Randbereiche ­ und darüber Fertigparkett.

André C. ist sauer: "Bei jedem Betreten gibt der Boden nach, sodass giftiger Staub in die Wohnungsluft gepumpt wird." Jetzt hat er die Nase voll ­ und den Mietvertrag gekündigt.

Dass Betroffene immer wieder Ärgerliches erleben, zeigt eine Recherche unter den Teilnehmern der test-Leseraktion "Gift unterm Parkett". Wir haben diejenigen angeschrieben, deren alter Kleber deutlich mit PAK oder PCB belastet war. Die Bereitschaft zum Mitmachen war groß: 130 Betroffene schickten uns den ausgefüllten Fragebogen.

Rund zwei Drittel der Parkettböden waren zum Zeitpunkt der Messung in einem schlechten Zustand. Die meisten wiesen Fugen zwischen den Holzstäben auf. Viele Leser berichteten auch über gelöste Parkettteile. In jedem dritten Fall war die Lage besonders ernst: Entweder hatte sich das Parkett bereits in weiten Teilbereichen gelöst oder es gab hohle Stellen im Unterboden.

Ist das Parkett erst einmal aus den Fugen geraten, besteht die Gefahr, dass jedes Betreten den Kleber in feinste Staubteilchen zermalmt. Federt der Boden nach, wirkt das ähnlich wie beim Blasebalg und lässt den Staub durch Fugen und Ritzen entweichen.

Betroffene machen sich oft Sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder, die auf solchen Böden spielen. Auch Erwachsene, die hier zum Beispiel Gymnastik treiben, fürchten zu Recht das Einatmen des Staubs sowie den Hautkontakt. Immerhin enthalten die problematischen Kleber pro Kilogramm oft weit über 3.000 Milligramm der giftigen Substanzen, die zum Teil Krebs erzeugend und erbgutverändernd sind sowie die Fortpflanzungsfähigkeit oder das Immunsystem beeinträchtigen können. Auch die Bauexperten der Bundesländer empfehlen bei belastetem Kleber, erhöhter PAK-Konzentration im Hausstaub und schlechtem Parkettzustand "expositionsmindernde Maßnahmen". Drei Viertel aller Befragten ­ vor allem diejenigen mit den stärksten Parkettschäden ­, haben reagiert und saniert.

Vorsicht beim Rausreißen

Analyse: Gift unterm Parkett Meldung

Verkleben von Spezialfolie: Besonders wichtig ist es, die Randbereiche sorgfältig abzudichten.

Die radikalste Methode besteht darin, das alte Parkett inklusive des belasteten Klebers vollständig herauszureißen. Rund ein Drittel der Sanierungswilligen entschied sich für diese Variante, die vor allem bei ohnehin stark geschädigtem Parkett, das beim Betreten nachfedert, sinnvoll ist. Nachteil: Nicht immer lassen sich die Spuren rückstandsfrei beseitigen, sodass eine zusätzliche Versiegelung erforderlich wird. Außerdem sind strengste Schutzmaßnahmen nötig.

Doch daran mangelt es häufig. So ärgert sich Rudolf P. aus Münster, dass die Arbeiter "staubintensiv" und "ohne jeden Arbeitsschutz" vorgegangen seien. Danach war eine Grundreinigung des gesamten Hauses notwendig. Familie G. wollte auf Nummer Sicher gehen und beauftragte eine "Umwelttechnik"-Firma. Vor Ort erschien dann aber ein Subunternehmer mit Hilfsarbeiter ohne Atemschutzmaske. Die Heizkörper wurden nicht abgeklebt und mussten später mühselig gereinigt werden.

Doch wenn unsere Tipps beachtet werden, klappt auch das Herausreißen recht ordentlich. Die Mehrzahl der von uns befragten Betroffenen war mit den Arbeiten zufrieden.

Wenn sich das Parkett noch in einem relativ guten Zustand befindet, kann eine Sanierung die bessere Wahl sein. Vorteil: Schöne Parkettböden lassen sich durch eine neue Versiegelung retten. Nachteil: Das Problem wird nicht endgültig gelöst. Doch wenn die Arbeiten sachgemäß durchgeführt werden, kann man in den kommenden Jahren unbesorgt weiter in der Wohnung leben.

Ärgerliche Erfahrungen sind aber möglich. So suchte der Vermieter von Robert W. eine "kostengünstige" Variante: Versiegelung mit gewöhnlicher Holzpaste. Nach den Arbeiten erstrahlte das Parkett zunächst in neuer Schönheit. Bereits nach zwei Monaten zeigten sich jedoch die ersten Risse. Und nach nunmehr sieben Monaten ist die Fugenbildung weit fortgeschritten ("ca. 70 Prozent des alten Zustands").

In test hatten wir die dauerelastische Fugenmasse Aqua-seal PAK-Stop vorgestellt. Unsere Recherche bestätigte überwiegend die Eignung dieses Systems in der Praxis. Doch wenn Handwerker pfuschen, sind auch hier Ärgernisse programmiert. Heiner E. aus Essen hatte nach einem Vorgespräch den Eindruck, eine fachkundige Firma zu beauftragen. Doch das erwies sich als falsch: Ohne jegliche Arbeitsschutz- und Sicherheitsvorkehrungen schnitten die Arbeiter mit einer Flex unter großer Staubentwicklung in den Kleber. Anschließend wurden die Fugen nicht sauber ausgesaugt, sodass die Abdichtungsmasse zum Teil nicht haften blieb. Erste Fugen sind bereits wieder offen.

Für Stefanie L. (Name von der Red. geändert) endete die Parkettsanierung sogar mit einem Rechtsstreit. Wegen fehlerhafter Anwendung sei die PAK-haltige Klebermasse in den Fugen nach oben gekommen, sodass die Sanierung nun überhaupt nicht mehr möglich erscheint. Stefanie L.: "Das Parkett muss nun komplett entsorgt werden."

Das Abdichten mit einer staubundurchlässigen, stabilen Folie ist eine der kostengünstigsten und einfachsten Alternativen. Mit handwerklichem Geschick können die Arbeiten sogar selbst erledigt werden. Die meisten Erfahrungsberichte klingen positiv. Die Methode eignet sich jedoch nur für Böden, die nicht nachfedern und sich auch in kritischen Randbereichen zuverlässig abdichten lassen. Nachteil ist, dass man die Folie mit einem Bodenbelag "überbauen" muss. Wird ein Trockenestrich gewählt, erhöht sich der Fußboden um mehrere Zentimeter. Doch besser eine Wohnung mit erhöhter Türschwelle als eine mit schädlichen Stäuben.

Für Mieter erfreulich: In über 80 Prozent der Fälle haben die Vermieter die Kosten für die Sanierung übernommen. Und meist waren anschließend nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Mieter mit der Sanierungsleistung zufrieden. Allerdings ist die Auswertung hier nicht ganz repräsentativ. Einige unserer Recherchebriefe an Betroffene kamen postwendend zurück, weil der Adressat mittlerweile "verzogen" war. Möglicherweise in dem einen oder anderen Fall auch aus Ärger darüber, dass Verantwortliche hier ein Problem unter den Teppich kehren wollten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 512 Nutzer finden das hilfreich.