Analyse Allergene im Haus Meldung

Die erste Zwischenbilanz der test-Analyse "Allergene im Hausstaub" ist Besorgnis erregend: Zwei Drittel aller Proben enthalten zu viele Allergie auslösende Stoffe. Das kann jeden gefährden. Hinweis: Der Service wurde eingestellt.

Dass sich so viele Krankmacher im Hausstaub befinden, hatten wir nicht gedacht, als wir die neue Analyse anboten: Seit Januar können uns Leser Proben ihres Hausstaubs zusenden, und wir bestimmen, wie viele Milben- und Katzenallergene darin enthalten sind. Das sind Eiweißstoffe aus den Ausscheidungen der Tiere ­ bei der Milbe aus dem Kot und bei der Katze aus Speichel, Urin und Schweiß. Wenn es zu viele werden, reagieren manche Menschen allergisch ­ zum Beispiel mit Husten, Schnupfen und Tränen, auch Asthma kann schlimmer werden. Laut Auskunft des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen ist jeder Zehnte gegen Milben allergisch, gegen Katzenallergene mindestens sieben Prozent der Bevölkerung. Zu viele Milben können sogar bisher unempfindliche Personen zu Allergikern werden lassen.

Fast zwei Drittel der 150 bisher eingegangenen Proben sind mit Milbenallergenen belastet, fast die Hälfte sogar stark. Als "belastet" bezeichnen wir den Hausstaub, der so viele Milben enthält, dass besonders empfindliche Personen mit Husten und Schnupfen, zum Teil sogar mit Asthma reagieren. Das ist bei 2.000 Nanogramm pro Gramm Hausstaub der Fall (ein Nanogramm = ein milliardstel Gramm). Laut Untersuchungen von Umweltmedizinern liegt hier die kritische Grenze für genetisch vorbelastete Personen. "Stark belastet" (ab 10.000 Nanogramm pro Gramm Hausstaub) bedeutet, dass alle Milbenallergiker ­ also zehn Prozent der Bevölkerung ­ Symptome zeigen. Außerdem können bei erhöhten Konzentrationen (über 2.000 Nanogramm) sogar Menschen, die noch nicht allergisch waren, eine Allergie entwickeln. Zu viele Hausstaubmilben sind also nicht nur ein Problem von Allergikern, jeder Mensch sollte hohe Belastungen vermeiden.

Feuchtigkeit und Wärme

Analyse Allergene im Haus Meldung

Gruselig in der Vergrößerung. Eigentlich sind Hausstaubmilben nur etwa 0,1 Millimeter klein.

Die kleinen, kaum sichtbaren Milben leben von den Hautschuppen der Menschen. Deshalb tummeln sie sich am liebsten im Bett und auf sonstigen Liege- und Sitzplätzen in der Wohnung. Außerdem sind Feuchtigkeit und Wärme optimale Bedingungen für ihre Vermehrung ­ gerade jetzt im Sommer treten Milben massenhaft auf. Durch die täglichen Tätigkeiten im Zimmer gelangen die Milben auch in den Staub der Wohnung und sammeln sich in Staubfängern wie Teppichen und Bettvorlegern.

Die meisten belasteten Hausstaubproben erhielten wir aus Schlaf- und Kinderzimmern. Die test-Leser haben dort vor allem im Bett ­ zwischen und auf den Matratzen ­ und auf dem Teppich gesaugt. Aus Wohnzimmern erhielten wir nur wenige Proben, und dort waren die Gehalte auch nicht so hoch.

Milben gehen alle an

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Die Gründe, warum die Betroffenen die test-Analyse in Auftrag gegeben haben, sind vielfältig: Oft wissen sie bereits, dass sie eine Milbenallergie haben, oder sie vermuten es. So wie Wolfgang Z.: Er klagte über Haut- und Schleimhautreizungen und hat deshalb den Hausstaub bei uns untersuchen lassen. Die Probe war stark belastet. Daraufhin machte er einen Allergietest, der eine Milbenallergie bestätigte.

Bei der Tochter von Ulrike R. war es umgekehrt: Ein Test beim Allergologen hatte der Zwölfjährigen bereits eine Milbenallergie bescheinigt, sie litt unter Schnupfen und ständigen Bindehautentzündungen. Um zu sehen, wie belastet der Hausstaub ist, gab ihre Mutter daraufhin die test-Analyse in Auftrag. Das Ergebnis: stark belastet.

Manchmal haben die Teilnehmer keine Beschwerden und wollen nur wissen, ob ihr Wohnumfeld betroffen ist ­ zum Beispiel, um zu vermeiden, dass kleine Kinder später eine Allergie entwickeln.

Milben in Schach halten

Wir raten allen, darauf zu achten, dass sich die Milben nicht zu stark vermehren. Sehr wichtig ist, richtig zu lüften und zu saugen, die Bettwäsche oft zu wechseln und zu waschen. Ganz loswerden kann man die Milben zwar nicht, aber eine gewisse Menge ist auch normal und nicht gefährlich. Es dürfen eben nur nicht so viele werden, dass sie die Gesundheit gefährden.

Vor allem Allergiker müssen die Milben eindämmen, um ihre Beschwerden zu lindern: So hat Ulrike R. für ihre Tochter Allergikerbettwäsche angeschafft. Außerdem saugt sie nun jeden Tag Staub und hat viele Staubfänger aus dem Zimmer der Tochter verbannt.

Wolfgang Z. hat sich ebenfalls neue Bettwäsche und dazu noch einen milbendichten Überzug für die Matratze gekauft. Außerdem hat ihm seine Ärztin zu einer Hyposensibilisierung geraten. So seltsam es klingt: Dabei werden ihm Milbenallergene eingespritzt, in steigenden Dosierungen ­ so lange, bis der Körper nicht mehr allergisch reagiert. Die Behandlung dauert aber etwa drei Jahre lang, und der Erfolg hält nicht unbedingt ewig an. Sie wird vor allem bei Allergikern, die sehr schwerwiegende Reaktionen zeigen, angewandt. Ob diese Therapie sinnvoll ist, sollte der Arzt entschei- den. In erster Linie ist es aber wichtig, die Allergenbelastung, also das Milbenwachstum, einzudämmen.

Katzenallergene fast überall

Ähnliches gilt auch bei einer Katzenallergie: Ob eine Hyposensibilisierung sinnvoll ist, sollte der Facharzt klären. Wer gegen sein Haustier allergisch reagiert, sollte sich von ihm trennen, um nicht zu vielen Allergenen ausgesetzt zu sein. Doch ganz aus dem Weg gehen kann man auch dem Katzenallergen nicht, wie unsere Analysen zeigen: Wir haben Katzenallergene in fast 70 Prozent aller Proben nachgewiesen. Aber dabei zeigte sich: Viele der Teilnehmer hielten gar keine Katze. Die Erklärung: Katzenallergene sind klein und leicht, sie können mit dem Schwebstaub, mit Kleidern und Schuhen an weit entfernte Orte getragen werden, sodass auch an Orten, wo nie eine Katze gelebt hat, Allergene gefunden werden. Allergien treten aber vor allem dann auf, wenn tatsächlich Kontakt mit einer Katze besteht.

Die Allgegenwärtigkeit gilt übrigens nicht für das dritte Tierallergen, das wir mit unserer Analyse nachweisen: das Schabenallergen. Es kann empfindlichen Personen gefährlich werden. Wir haben es bisher aber in keiner einzigen Hausstaubprobe nachgewiesen.

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