Mängel in der Betriebs­hygiene und Keime in Lebens­mitteln sind die Haupt­gründe, weshalb Lebens­mittel­kontrolleure heute Alarm schlugen. Jeder vierte kontrollierte Betrieb und jede siebte Lebens­mittel­probe fielen negativ auf. Das geht aus den Ergeb­nissen der amtlichen Lebens­mittel­über­wachung 2010 hervor, die das Bundes­amt für Verbraucher­schutz und Lebens­mittel­sicherheit (BVL) aktuell veröffent­licht hat.

Hygienemängel in jedem vierten Lebens­mittel­betrieb

In jedem vierten Lebens­mittel­betrieb, den die amtlichen Lebens­mittek­ontrolleure 2010 unter die Lupe nahmen, haperte es bei der Hygiene. Die Kontrolleure inspizierten etwa 538 000 Betriebe. Besonders drastisch waren die Hygienemängel in Schank­wirt­schaften ohne Voll­küche. Dort wurden zum Beispiel die Zapf­stellen nicht regel­mäßig gereinigt. Die Ergeb­nisse lassen sich aber nicht auf alle Betriebe in Deutsch­land über­tragen. Die Über­wachungs­behörden kontrollieren laut BVL nämlich risi­koor­ientiert, also dort, wo aus Erfahrung mit Problemen zu rechnen ist.

Jedes siebte Lebens­mittel bean­standet

Die Lebens­mittel­kontrolleure untersuchten insgesamt rund 408 000 Proben. Bei jeder siebten Probe kam es zu Bean­standungen. Die am häufigsten angeprangerten Lebens­mittel­gruppen waren alkoholische Getränke und Fleisch­erzeug­nisse (jeweils 20 Prozent). Allgemein erwiesen sich Grund­nahrungs­mittel seltener als kritisch: Milch und Milch­produkte (13,8 Prozent), Getreide und Back­waren (12,3 Prozent), Obst und Gemüse (7,9 Prozent). Das Haupt­problem bei den bean­standeten Lebens­mittel waren Mängel in der Kenn­zeichnung: Jedes zweite Produkt geriet deshalb in die Kritik, jedes fünfte wegen Keimen. Bei knapp 8 Prozent der Proben waren die gesetzlichen Höchst­gehalte für Schimmelpilzgifte, Acrylamid, Fremdkörper oder Pflanzen­schutz­mittel über­schritten. Mit einem speziellen Monitoring für Rück­stände von Pflanzen­schutz­mittel wiesen die Kontrolleure Über­schreitungen von Höchst­gehalten nach. Am häufigsten davon betroffen waren 2010 Kopf­salat, Himbeeren und Blätter von grünem Tee. Hier lagen vier Prozent der Proben über den Grenz­werten. Übrigens: Im trink­fertigen grünen Tee fanden sich keine Rück­stände mehr.

Karpfen und Aal aus Wild­fang belastet

Wild gefangene karpfen­artige Fische und Aale aus Binnengewässern sind zum Teil erheblich mit poly­chlorierten Biphenylen (PCB), Dioxinen sowie Perfluoroctansulfonat (PFOS) belastet. Diese Substanzen können der menschlichen Gesundheit schaden. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) warnt, dass bei regel­mäßigem Verzehr von stark dioxin- und pcb-belasteten Fischen die wöchentlich tolerier­bare Aufnahme­menge über­schritten werden kann. Das Bundes­ministerium für Umwelt empfiehlt Anglern und ihren Familien, sich bei den zuständigen Landes­behörden über die Belastungs­situation der Fische in den Gewässern zu informieren.

Frikadellen am Mindest­halt­barkeits­datum verdorben

Die Lebens­mittel­kontrolleure richteten 2010 einen Fokus auf abge­packte Hack­fleisch­erzeug­nisse wie Frikadellen. Zehn Prozent dieser vorgegarten Fleisch­produkte wiesen schon kurz vor Ablauf des Mindest­halt­barkeits­datums kritische Keim­gehalte auf; 1,6 Prozent enthielten sogar Listerien. Diese Erreger stellen für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immun­system ein gesundheitliches Risiko dar. Das Tückische: Die Keime ließen sich nicht schme­cken.

Auch die Stiftung Warentest weist Mängel nach

Auch die Stiftung Warentest weist in ihren Tests immer wieder kritische Gehalte an Keimen und Schad­stoffen in Lebens­mitteln nach. So fanden die Tester in jüngster Zeit Verderb­niskeime in Hähnchenbrustfilets, Bratwürsten und Erdbeerjogurt. Auch Schimmelpilzgifte gaben Anlass zur Beunruhigung: Im Test von Spiralnudeln enthielten zwei Marken zu hohe Gehalte von dem Schimmelpilzgift Deoxynivalenol (DON). Auf Dauer und über­mäßig verzehrt kann es giftig wirken. Im Test von Basmati-Reis fielen Produkte durch, weil die Gehalte an krebs­erzeugendem Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 über den Grenz­werten lagen.

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