Amazon Dash Buttons Schnelltest

Dash-Buttons für Amazon-Prime-Mitglieder, Preis jeweils: 4,99 Euro, die Amazon mit dem ersten Einkauf verrechnet.

Wasch­pulver per Knopf­druck direkt an der Wasch­maschine bestellen, Rasier­klingen aus dem Bad und Geschirr­spültabs aus der Küche: Amazons Dash-Buttons machen das möglich. Die Online­bestellung auf Knopf­druck gibt es jetzt auch in Deutsch­land. test.de hat die Amazon-Technik geprüft und zeigt ihre Tücken. Unser Schnell­test erklärt, warum der Dash-Button gegen deutsches Recht verstößt.

Shoppen auf Knopf­druck

Online­shoppen ohne Smartphone, Tablet oder PC – das geht jetzt bei Amazon.de. Deutsch­lands größter Versandhändler bietet so genannte Dash Buttons für Verbrauchs­artikel: kleine Bestell­knöpfe in Form eines Klingel­schilds. Jeder Dash Button ist an eine Marke und ein Produkt gebunden, dass der Kunde vorher per App auswählt. Der Button lässt sich zu Hause an die passende Stelle kleben: für Wasch­pulver etwa an die Wasch­maschine, bei Zahnbürsten und Rasier­klingen neben das Wasch­becken. Auf Tasten­druck sendet der Button eine Bestellung via WLan und Router an Amazon.

Werbung für Marken­produkte

In den USA führte Amazon die Technik bereits im Früh­jahr 2015 ein. Heute listet Amazon.com 165 verschiedene Dash-Buttons für Drogerie­artikel, Wasch­mittel, Tierfutter und mehr. Der Dash-Button soll vor allem zur Marken­pflege und Kundenbindung dienen. Die Firmen dahinter finanzieren das auch. Für den Kunden kostet der Dash-Button 4,99 Dollar (USA) beziehungs­weise 4,99 Euro (Deutsch­land). Der Kauf­preis für den Bestell­knopf ist allerdings eher symbolisch, Amazon verrechnet ihn mit der ersten Bestellung. In Deutsch­land geht Amazon zunächst mit rund 40 Marken an den Start. Dazu gehören beispiels­weise Ariel, Somat und Oral-B.

Nur für Amazon Prime Kunden

Die Stiftung Warentest hat den Einkauf per Button ausprobiert. Voraus­setzung sind ein Amazon-Prime-Account, die Amazon-App, ein Smartphone und eine WLan-Verbindung. Die Einrichtung ist einfach: Prime-Kunden bestellen den gewünschten Button bei Amazon, laden die dazu­gehörige Amazon-App auf ihr Smartphone und konfigurieren den Dash-Button binnen weniger Minuten. Die App gibt es für die Smartphone-Betriebs­systeme Android 6.0.1 und Apple iOs 10.0.1.

Button einrichten per App

Der Dash-Button selbst ist ein kleiner Computer, der auf Knopf­druck eine Amazon-Webadresse aufruft und die Bestellung anstößt. Das funk­tioniert über das heimische WLan. Beim Konfigurieren speichert der Dash-Button den Namen und das Pass­wort des WLan-Zugangs. Per Smartphone und App legt der Kunde einmal fest, welcher Artikel in welcher Menge auf Knopf­druck bestellt wird. Diese Einstel­lungen lassen sich später jeder­zeit ändern. Amazon stellt für den Dash-Button aber nur Artikel der jeweiligen Marke zur Wahl.

Verstoß gegen geltendes Recht

Der Dash-Button soll den umständlichen Onlinekauf von Kleinig­keiten einfacher machen. Klingt nützlich, nützt aber vor allem Amazon und seinen Vertrags­marken. Der Kunde bestellt immer dasselbe Marken­produkt. Er kauft es blind: Bei der Bestellung per Dash-Button hat der Kunde weder den Preis noch die Beschreibung des Artikels vor Augen. Beides schreibt der Gesetz­geber jedoch vor. Die Dash-Button-Lösung wider­spricht den Vorgaben der Preis­angaben­ver­ordnung (PAngV) und des Bürgerlichen Gesetz­buches (BGB § 312 d) und auch dem Einführungs­gesetz zum BGB (EGBGB Art. 246 a). Amazon wünscht sich in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Blankoscheck vom Kunden: „Sollte Ihr Produkt zum Zeit­punkt Ihrer Bestellung nicht verfügbar sein, ermächtigen Sie uns, Ihre Bestellung mit einem geeigneten Ersatz­artikel der gleichen Produktart und derselben Marke (z.B. mit leicht abweichender Füll­menge) zu erfüllen“. Eine solch eigenmächtige Vertrags­abwandlung ist unzu­lässig. Für den Kunden keine saubere Sache.

Tipp: Antworten zu vielen Fragen rund um die Themen Onlinekauf, Garantie, Gewähr­leistung, Umtausch und Reklamation finden Sie in unseren FAQ Kaufrecht.

Verbraucherschützer klagen

Die Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen hat Amazon bereits abge­mahnt: Der Konzern soll auf unzu­lässige Klauseln verzichten und sein Angebot gesetzes­konform gestalten. Da Amazon nicht reagiert hat, lassen die Verbraucherschützer nun gericht­lich klären, ob der Versandhändler seinen Dash-Button in dieser Form weiter anbieten darf (siehe auch Pressemitteilung der Verbraucherzentrale NRW).

Funk­tion „Mehr­fach­bestel­lungen“ sollte deaktiviert bleiben

Selbst wenn Preis und Leistung stimmen, hat der Dash-Button seine Tücken: Wer ihn versehentlich drückt, muss umge­hend sein Smartphone zücken und die Bestellung stornieren, sonst liefert Amazon. Immerhin bleibt der Dash-Button für weitere Bestel­lungen blockiert, solange noch Ware unterwegs ist. Spielende Kinder oder Gäste in der Wohnung des Kunden können normaler­weise maximal eine Bestellung auslösen. Das gilt allerdings nur solange die Funk­tion „Mehr­fach­bestel­lungen“ deaktiviert bleibt – wie in der Grund­einstellung. Wer Mehr­fach­bestel­lungen in der Amazon-App erlaubt, kann mehrere Klicker­eignisse auslösen und mehr­fach bestellen. Das ist nicht ganz ungefähr­lich. Besser wäre eine Bestätigungs­abfrage per SMS. Eine solche Sicherung ist derzeit aber nicht vorgesehen. Sie würde den Einkauf wieder komplizierter machen.

Amazon speichert WLan-Pass­wort

Schnell und einfach ist die Devise bei Amazon: Bei der Einrichtung des Dash-Buttons über­trägt die App das WLan-Pass­wort des Kunden nicht nur an den Dash-Button, sondern auch an den Server von Amazon. Zumindest in der Stan­dard­einstellung. Vorteil: Bei der Einrichtung eines weiteren Dash-Buttons muss das Pass­wort nicht erneut einge­geben werden. Klingt komfortabel, ist aber keine gute Idee: Sicher­heits­experten raten davon ab, Pass­wörter aus der Hand zu geben.

Tipp: Deaktivieren Sie das Häkchen zur Pass­wort­speicherung in der Amazon-App, dann über­trägt die App ihr WLan-Pass­wort nur an den Dash-Button, nicht aber an Amazon.

Dash-Button-App ansonsten unkritisch

Abge­sehen von der Pass­wort­speicherung in der Stan­dard­einstellung ist die Amazon-App für den Dash-Button daten­schutz­recht­lich unbe­denk­lich. Sie greift weder auf das Adress­buch des Anwenders noch auf sensible persönliche Daten zu. Der Dash-Button selbst über­trägt auf Knopf­druck lediglich Stand­ort, Serien­nummer und Klicker­eignis (Single oder Double). Das Urteil der Daten­schutz­experten der Stiftung Warentest lautet daher: unkritisch.

Strom­versorgung über Batterie

Der Dash Button funk­tioniert mit einer normalen Batterie (Typ AAA). Sie soll laut Amazon rund 1 000 Bestel­lungen auslösen können und für fünf bis zehn Jahre halten. Energietech­nisch ist der Einkauf auf Knopf­druck also gesichert. Strom aus der Steck­dose braucht der Amazon Prime Kunde trotzdem noch: Ohne den WLan-Router funk­tioniert die Bestellung per Dash Button nicht. In der Gartenlaube ohne Strom wäre der Einsatz über einen mobilen Router denk­bar. Der müsste aber laufend zum Nach­laden ans Netz. Kurzum: Ganz ohne Strom aus der Steck­dose funk­tioniert der Einkauf auf Knopf­druck nicht.

Fazit: Keine saubere Sache

Der Amazon-Dash-Button hilft Nerds, die keinen Gedanken an ihren Einkauf verschwenden möchten. Die Bestellung per Tasten­druck funk­tioniert schneller und einfacher als die Order per App. Wer die Kontrolle über seinen Einkauf behalten möchte, darf das Smartphone aber nicht zur Seite legen. Der Storno funk­tioniert beim Dash-Button nur mithilfe der App. Ebenfalls bedenk­lich: Wenn das gewünschte Produkt nicht liefer­bar ist, entscheidet Amazon selbst, was es dem Kunde statt­dessen schickt. Keine saubere Sache. Umwelt­gerecht und preis­wert ist dagegen ein Spaziergang in den nächsten Drogeriemarkt. Hier ist der Kunde König: Er entscheidet allein und erspart der Umwelt Verpackungs­müll und CO2-Ausstoß durch den Versand. Noch einen Vorteil haben Drogeriemärkte und Discounter: Sie bieten Eigenmarken zum Spar­preis an. Eine preisgüns­tige Eigenmarke gibt es beim Amazon Dash Button noch nicht.

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