Amazon Dash-Buttons Schnelltest

Dash-Buttons für Amazon-Prime-Mitglieder, Preis jeweils: 4,99 Euro, die Amazon mit dem ersten Einkauf verrechnet.

Amazons Dash-Buttons ermöglichen Prime-Mitgliedern, mit einem Knopf­druck Windeln, Katzenfutter oder Bier zu bestellen. Das ist bequem, hat aber seine Tücken. So behält sich Amazon das Recht vor, den Preis zu erhöhen oder Kunden ein anderes Produkt zu schi­cken. Das Ober­landes­gericht München hat die Buttons daher für unzu­lässig erklärt – und so die Kritikpunkte der Stiftung Warentest bestätigt. Vom Markt verschwinden die Buttons trotzdem nicht.

Was hat das Gericht entschieden?

Das Ober­landes­gericht München hat in seinem Urteil entschieden, dass Dash-Buttons unzu­lässig sind (Az.: 29 U 1091/18). Damit hat es das Urteil der Vorinstanz bestätigt und dem Kläger – der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen – Recht gegeben. Die Verbraucherzentrale und die Stiftung Warentest waren sich seit der Einführung der Dash-Buttons im Sommer 2016 einig in ihren Kritik­punkten. Genau diese hat nun auch das Gericht als Begründung heran­gezogen: Erstens erfüllen die Buttons nicht die gesetzlichen Vorgaben für Internet­verkäufe. Diese fordern, dass bei der Bestellung Informationen zum Produkt und zum Preis ange­zeigt werden und dass der Käufer einen virtuellen Button mit der expliziten Erklärung „Zahlungs­pflichtig bestellen“ drücken muss, damit er sich definitiv darüber im Klaren ist, dass er gerade etwas kauft. Zweitens gesteht sich Amazon in den Nutzungs­bedingungen das Recht zu, den Preis zu ändern oder dem Kunden sogar ein anderes, vergleich­bares Produkt zu schi­cken – auch das ist laut Gericht nicht rechts­konform.

Ist das Urteil rechts­kräftig?

Nein. Das Ober­landes­gericht hat zwar keine Revision zugelassen. Amazon kann aber gegen das Urteil vorgehen, indem es eine Nicht­zulassungs­beschwerde einlegt.

Muss Amazon die Buttons vom Markt nehmen?

Nein, weil das Urteil noch nicht rechts­kräftig ist. Bis das der Fall ist, kann Amazon die Buttons weiterhin verkaufen.

Was muss Amazon tun, falls das Urteil rechts­kräftig wird?

Selbst dann müsste Amazon die Buttons nicht zwingend vom Markt nehmen. Statt­dessen könnte das Unternehmen die Funk­tions­weise der Buttons auch so umge­stalten, dass sie rechts­konform ist. Das wäre zum Beispiel möglich, indem das Drücken des Buttons nicht direkt zur Bestellung führt, sondern lediglich dazu, dass das Produkt in den Warenkorb des Kunden gelegt wird und er eine Nach­richt auf sein Handy erhält, die ihm Informationen zu Produkt und Preis anzeigt. Die Bestellung würde erst dann ausgelöst werden, wenn der Kunde den Kauf explizit über einen virtuellen Button mit der Aufschrift „Zahlungs­pflichtig bestellen“ bestätigt.

Was passiert mit Buttons, die bereits in Haushalten aktiv sind?

Kunden können die Buttons weiterhin für Bestel­lungen nutzen. Damit kein finanzieller Schaden durch ungewollte Mehr­fach­bestel­lungen entsteht, sollten Nutzer die Option „Mehr­fach­bestel­lungen“ nicht verwenden. In den Grund­einstel­lungen ist diese Option deaktiviert. Versehentliche Einzel­bestel­lungen – etwa durch neugierige Besucher oder spielende Kinder – können allerdings weiterhin ausgelöst werden.

Gibt es bei Bestel­lungen über Amazons Sprach­assistentin Alexa ähnliche recht­liche Probleme?

Nein. Bei Bestel­lungen über Alexa wird der Preis angesagt (siehe Amazon Echo und Echo Dot: Die Gadgets von Amazon im Test). Zudem muss der Kunde die Bestellung verbal bestätigen. Versehentliche Bestel­lungen können aber durch­aus vorkommen, etwa wenn ein Kind Alexa mitteilt, dass es sich eine Puppenstube wünscht.

Dieser Artikel ist erst­mals am 12. Oktober 2016 auf test.de erschienen. Er wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 11. Januar 2019.

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