Altgoldverkauf Meldung

In vielen Haushalten haben sich Zahngold oder abgelegte Schmuckstücke angesammelt, die man zu Geld machen könnte. Lassen Sie sich aber nicht über den Tisch ziehen.

Ein Werbezettel flatterte ins Haus: „Goldankauf – nur für kurze Zeit“, stand darauf. Unser Leser Joachim K. aus Berlin nutzte den Hinweis, um mit seiner Frau Bruchgold, Zahngold und alte Schmuckstücke der Familie zusammen­zu­sammeln. Mit dem Edelmetall machten sie sich auf den Weg zum Absender des Zettels.

„Die Adresse entpuppte sich als ein Hinterzimmer in einer Boutique in Berlin-Waidmannslust. Wir mussten warten, da der Ankäufer noch mit einem anderen Paar beschäftigt war. Meine Frau nutzte die Wartezeit, um das Angebot der Boutique zu sichten und anzuprobieren. Ich verabschiedete mich in den gegenüberliegenden Baumarkt. Als ich zurückkam, war das Geschäft schon gelaufen. Meine Frau strahlte: 136 Euro. Ich fand das viel zu wenig – und überhaupt wollten wir uns ja eigentlich nur ein Angebot einholen.“

Joachim K. ließ es dabei aber nicht bewenden, sondern holte weitere Angebote ein. In einem Juweliergeschäft, das im Schaufenster als Goldankäufer warb, zeigten sie ihre Abrechnung, wobei sie die Preise verdeckten. „Die Dame sagte, sie kenne diese Formulare und auch die Firma“, schreibt K., „wobei ich einen leicht abschätzigen Unterton zu vernehmen meinte. Schon nach der Überprüfung des ersten Postens keimte in uns der Verdacht, über den Tisch gezogen worden zu sein. Beim zweiten Posten wurde er zur Gewissheit. Wir bedankten uns und eilten zu unserem Auto. So schnell es Ampelphasen und Straßenverkehrsordnung zuließen, fuhren wir wieder zur Boutique und verlangten unser Gold zurück.“

Wundersame Werterhöhung

Altgoldverkauf Meldung

Erstaunlicherweise wurde es ihnen ohne Diskussion wieder ausgehändigt. Die Abrechnung mussten sie aber dalassen. Wieder im Besitz ihrer Preziosen suchte das Ehepaar einen weiteren Juwelier auf. „Der Angestellte wog und rechnete und nannte schließlich eine Summe von 153 Euro. Immerhin etwas mehr als beim ersten Versuch. Dann kam sein Chef, ein südländischer Typ mit einer glänzenden, von schwarzen Locken umrahmten Halbglatze. Er sah kurz auf den Zettel und sagte, 251 Euro könnte er uns geben. Die wundersame Werterhöhung machte uns misstrauisch. Es war offenbar noch mehr drin. Also starteten wir einen weiteren Versuch. Und der erbrachte ein Angebot, bei dem wir einfach nicht mehr widerstehen konnten: 325 Euro!“

Angebote von 511 bis 1 600 Euro

Die Erlebnisse des Ehepaars nahmen wir zum Anlass, das Thema Altgoldverkauf einmal näher zu beleuchten. Auch wir machten uns auf den Weg und legten alten Goldschmuck mit einem Materialwert von rund 1 200 Euro zehn Ankäufern vor, anonym versteht sich. Das Ergebnis unserer Stichprobe ist noch weitaus drastischer: Der Geldbetrag, den man uns dafür geben wollte, schwankte zwischen sage und schreibe 511 und 1 600 Euro.

Die niedrigste Summe bot ein Geschäft für Sicherheitstechnik, das sich im Schaufenster als Ankäufer von Altgold als Filiale einer bundesweit arbeitenden Gesellschaft präsentierte. Der junge Mann hinter dem Verkaufstresen, im Blaumann und mit ölverschmierten Händen, mochte viel von Sicherheitsschlössern und Schlüsseln verstehen, von Gold aber hatte er keine Ahnung – oder er bluffte geschickt. Lange hantierte er mit Tinkturen, wog, rechnete und offerierte schließlich den lächerlichen Betrag von 511 Euro. Ein besonderes Interesse an unseren Preziosen hatte er offenbar nicht.

Ganz anders der Höchstbietende, ein türkischer Juwelier. Fachmännisch bestimmte er Feingehalt und Gewicht der Goldstücke und bot 1 050 Euro an. Nach unserem Zögern räumte er ein, dass eines der Armbänder wohl höherwertig sei und erhöhte auf 1 450 Euro. Als wir auch darauf nicht eingingen, stockte der Juwelier nochmals auf und bot geradezu flehend 1 600 Euro. Wahrscheinlich ging es ihm weniger um das Gold, als vielmehr um einen gewinnbringenden Verkauf der alten Schmuckstücke.

Die meisten Juweliere machten mit 1 000 bis 1 250 Euro einigermaßen realistische Angebote. Ebenso galt das für Scheideanstalten, die aus Münzen, Zahngold oder Schmuck das Edelmetall in sehr reiner Form zurückgewinnen. Sie sind naturgemäß nur am Material interessiert und zahlen meist faire Preise.

„Wie viel wollnse denn haben?“

Etwas weniger seriös empfanden wir den Besuch in einem Pfandhaus. Vor der Tür stand ein Aufsteller: „Heute Goldankauf. Höchstpreise.“ Der Ankäufer sah sich unsere Schätze kurz an und verschwand damit ohne eine Wort in einem Hinterzimmer. Glücklicherweise kam er bald wieder und sagte lapidar: „900 Euro.“ Wir bedankten uns und baten um Bedenkzeit. Er darauf: „1 000 Euro.“ Unser Zögern machte ihn ungeduldig. „Wie viel wollnse denn haben?“, fragte er schließlich. Eine Prise Basarmentalität scheint beim Goldhandel wohl an der Tagesordnung zu sein.

Goldpreis auf Allzeithoch

Im internationalen Handel hat der Goldpreis enorm zugelegt und ist Mitte Januar sogar auf ein Allzeithoch von über 900 Dollar pro Feinunze gestiegen. Eine Feinunze entspricht etwa 31,1035 Gramm. Die Preiskurve kann aber auch wieder nach unten gehen – selbst wenn einige Experten der Krisenwährung aufgrund der Dollarschwä­che, der steigenden Inflation und weltweiter Rezessionsängste ein wachsendes Potenzial bescheinigen.

Der Goldpreis lag schon einmal recht hoch. Im Januar 1980 überschritt er kurzfristig die 800-Dollar-Grenze, um dann jäh bis auf rund 250 Dollar abzustürzen, wo er jahrelang verharrte. Seit 2002 steigt der Wert des gelben Edelmetalls wieder, am steilsten im vergangenen Jahr. Kein Wunder, dass die Nachfrage anzog. Doch der Goldpreis unterliegt starken Schwankungen. Experten empfehlen daher, nur einen kleinen Teil des Vermögens – maximal zehn Prozent – in Gold zu investieren. Wer viel altes Gold besitzt und auf Bares nicht angewiesen ist, kann es als Reserve einfach liegenlassen.

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