Altersvorsorge mit Riester Special

Die Riester-Rente steht in der Kritik. Viele Verbraucher sind verunsichert. Warum und für wen sich die geförderte Altersvorsorge doch lohnt.

Altersvorsorge mit Riester Special

Wegweiser: So finden Sie das passende Riester-Produkt.

Zehnter Geburtstag und es hagelt Kritik. „Kein Grund zum Feiern“ nennt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seinen jüngsten Bericht zum Thema Riester-Rente. Die nach Walter Riester, dem ehemaligen Bundesarbeitsminister, benannte staatlich geförderte private Altersvorsorge wurde 2002 eingeführt. Ziel der Bundesregierung war es, Sparern einen Anreiz zu geben, die sinkenden gesetzlichen Renten und Pensionen auszugleichen. Zehn Jahre später erklärt die Süddeutsche Zeitung die Riester-Rente für gescheitert, der Spiegel führt aus, warum sie sich nur selten rechnet, und das DIW plädiert für ein grundsätzliches Überdenken der Altersvorsorgepolitik. Vieles an der Kritik ist gerechtfertigt. Weniger Menschen als erwartet nutzen die Angebote, sie sind unübersichtlich, die Produkte oft wenig transparent, einige viel zu teuer und Riestern lohnt sich nur, wenn Sparer die staatliche Förderung auch wirklich nutzen.

Altersvorsorge mit Riester Special

Für Eltern. Erziehende in Elternzeit können von der Riester-Förderung profitieren. Eine Mutter mit einem Kind kann für monatlich 5 Euro Sparbeitrag 454 Euro Zulagen im Jahr bekommen.

Für Menschen, die im Alter so wenig Geld haben, dass sie auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind, bringt ein Riester-Investment bisher gar nichts. Auch aus sozialpolitischen Gesichtspunkten ist die Kritik, Steuergelder zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge zu verwenden und so indirekt den Finanzdienstleistungssektor zu stärken, nachvollziehbar.

Viele der Kritikpunkte wie hohe Kosten und Intransparenz treffen allerdings nicht nur auf Riester-Produkte zusondern auch auf andere Finanzprodukte. Der Verbraucher steht vor der Frage: Was sind die Alternativen, wenn ich die Sicherheit einer lebenslangen Rente will? Für herkömmliche Fonds- und Banksparpläne sichert niemand den Sparern lebenslange Auszahlungen zu. Bei Fondssparplänen kommt noch ein recht hohes Verlustrisiko hinzu. Herkömmliche Rentenversicherungen sind die einzigen Finanzprodukte, die sich wirklich mit Riester vergleichen lassen. Nur sie garantieren wie alle Riester-Sparprodukte Zahlungen bis zum Tod. Dieser lebenslange Schutz kostet extra und in beiden Fällen oft zu viel. Aber es gibt bei beiden auch gute Angebote, bei denen sich die Kosten in Grenzen halten.

Riestern als Geringverdiener

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Für Arbeitnehmer und Beamte. Sie sind die klassische Zielgruppe fürs Riester-Sparen. Sie hatte der Gesetzgeber im Sinn, als er vor zehn Jahren die Riester-Rente einführte.

Auch Geringverdiener fahren mit herkömmlichen Finanzprodukten nicht besser. Denn wie die Riester-Rente werden auch Renten aus klassischen Policen sowie Auszahlungen aus Fondsinvestments und Banksparplänen auf staatliche Sozialleistungen angerechnet, sollten Sparer im Alter auf sie angewiesen sein. Für Riester-Produkte könnte sich das ändern. Es gibt Vorschläge des Bundesarbeitsministeriums, Menschen besserzustellen, die wenig verdient, aber lange gearbeitet und vorgesorgt haben. So soll sich die ergänzende Altersvorsorge auch für Geringverdiener lohnen.

Steuern in der Auszahlphase

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Für Pflegende. Auch Sparer, die mindestens 14 Stunden in der Woche einen pflegebedürftigen Angehörigen versorgen, können die staatlichen Zulagen bekommen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Besteuerung im Alter. Riester-Auszahlungen besteuert der Staat mit dem persönlichen Steuersatz. Das kann während der Rente eine höhere Steuerlast bedeuten als mit den günstigen Steuerregeln, die für Rentenzahlungen aus klassischen Rentenversicherungen gelten. Auch im Vergleich zur Abgeltungsteuer, die bei konventionellen Bank- und Fondssparplänen anfällt, kann die Steuerlast im Alter höher sein.

Kann – muss aber nicht. Denn der persönliche Steuersatz ist bei den allermeisten Rentnern deutlich niedriger als der Steuersatz während ihres Arbeitslebens. Abschätzen lässt sich das meist nur mithilfe eines Steuerberaters. Auch lässt die Kritik außer Acht, dass viele Riester-Sparer anders als konventionelle Sparer bereits während der Ansparphase viele tausend Euro Steuern sparen können.

Beispiel: Ein „riesternder“ Alleinstehender mit 52 500 Euro Jahreseinkommen kann 2012 mit rund 640 Euro Steuererstattung rechnen. Ein Ehepaar – beide förderberechtigt, zusammen 105 000 Euro Verdienst – spart das Doppelte an Steuern: rund 1 280 Euro. Schon vor Rentenbeginn ergeben sich so über einen Anlagezeitraum von 20 bis 40 Jahren große Steuerersparnisse.

Riester kann gute Alternative sein

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Für Ehepartner. Wer mit einem Riester-Sparer verheiratet ist, kann die staatlichen Zulagen ebenfalls mitnehmen. Auch dann, wenn er selbst eigentlich nicht förderberechtigt ist.

Sollen Sparer nun riestern oder doch besser nicht? Welche Alternativen haben Sparer, die heute in ein Produkt investieren wollen, das eine lebenslange Rente garantiert? Und welche Möglichkeit eröffnet sich denjenigen, die ihr Alter durch Wohneigentum absichern wollen?

Wer heute langfristig in Form von Wohneigentum oder durch eine zusätzliche Rente für sein Alter vorsorgen will, kann finanziell mit Riester deutlich besser fahren als mit anderen Altersvorsorgeprodukten oder konventionellen Baukrediten. Und das liegt nicht daran, dass die Riester-Produkte an sich besser sind, sondern an der staatlichen Förderung aus Zulagen und Steuervorteilen, die es für konventionelle Produkte nicht gibt. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kann jedes Jahr 908 Euro allein an staatlichen Zulagen bekommen. Warum sollte sie darauf verzichten?

Wie bei allen Produkten gibt es auch bei den Riester-Angeboten gute und schlechte, passende und unpassende. Eine gute und günstige Rentenversicherung plus Zulagen und Steuervorteil lohnt sich aber mehr als eine gute und günstige Rentenversicherung ohne die staatliche Förderung. Ein günstiger Baukredit, bei dem staatliche Zulagen tilgen helfen und mit dem Häuslebauer Steuern sparen können, lohnt sich mehr als ein normaler, günstiger Baukredit – trotz höherer Besteuerung im Alter.

Erfolg hängt vom richtigen Produkt ab

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Für Selbstständige. Sie können nur riestern, wenn sie in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, zum Beispiel Handwerker, Hebammen, Lehrer, Künstler oder Journalisten.

Aber auch bei der Riester-Vorsorge ist es wichtig, ein Produkt zu finden, das günstig ist und zur individuellen Lebenssituation passt. Einen Sparer, der einen Bausparvertrag abschließt und dann nicht baut, kann selbst ein guter Riester-Vertrag sehr enttäuschen. Dasselbe gilt zum Beispiel für Ältere, die mit einem Riester-Fondssparplan die Chancen der Aktienmärkte nutzen wollen, aber aufgrund der sehr vorsichtigen Anlagepolitik der Investmentgesellschaft nur noch sichere Rentenfonds bekommen.

Nach Erfahrungen der Verbraucherzentralen verkaufen Vermittler und Finanzberater Sparern häufig Riester-Verträge, die nicht optimal zu ihnen passen. Oft kommt es auch vor, dass Vermittler Riester-Produkte an Sparer verkaufen, die die Förderung gar nicht nutzen können und so die einmal erhaltenen Zulagen wieder zurückzahlen müssen. Das muss bei einem guten Produkt zwar nicht zwangsläufig ein Nachteil sein und kann in der Auszahlphase unter Umständen zu einer günstigeren Besteuerung führen. Die Enttäuschung über Zulagen, mit denen man rechnet und dann nicht bekommt, ist aber groß. Verloren ist die staatliche Förderung auch für Sparer, die ihr Geld vor Ende der Laufzeit aus dem Vertrag nehmen. Es sei denn, sie setzen es für den Bau oder Kauf einer Immobilie ein.

Voraussetzungen für den Erfolg

Automatisch kommt der Riester-Erfolg also nicht. Sparer, die aus Riester ein lohnendes Investment machen wollen, sollten unbedingt diese sechs Punkte einhalten:

  • Die Zulagen beantragen.
  • Den Steuervorteil nutzen.
  • Den passenden Produkttyp wählen.
  • Einen Vertrag für ein günstiges Produkt abschließen.
  • Möglichst langfristig anlegen. Zwar lohnt es sich auch für Sparer ab Mitte 50 noch, ein kleines Riester-Vermögen aufzubauen. Eine substanzielle lebenslange Rente lässt sich aber in zehn Jahren kaum ansparen.
  • Den Vertrag nicht vorzeitig kündigen. Höchstens, um zu einem anderen Riester-Produkt zu wechseln.

Für Sparer, die das beachten, ist Riester trotz aller Kritik ein rentabler und vor allem sicherer Weg, fürs Alter vorzusorgen.

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