Fonds­policen sind teurer als Fonds­sparpläne, aber steuerlich begüns­tigt. Das kann sich auszahlen – wenn der Anleger bis zum Ende durch­hält.

Sieben Runden lang hing Muhammad Ali in den Seilen, in der achten hat er George Foreman 1974 beim „Rumble in the Jungle“ ausgeknockt. Vor dem ersten Gong hatte keiner Ali eine Chance einge­räumt. Je länger der Kampf andauerte, desto mehr setzten sich seine gewiefte Taktik und sein Durch­haltewille durch.

Was Boxen mit Alters­vorsorge zu tun hat? Stellen wir uns die Spar­phase als Boxkampf vor. Es treten an: Fonds­sparpläne gegen Fonds­policen. In beiden Fällen kauft der Anleger regel­mäßig Investmentfonds. Im ersten Fall liegen sie in einem Depot, im zweiten schließt der Sparer eine Versicherung ab, in die seine Fonds einge­bettet sind.

Die Chancen gelten als ungleich verteilt. Fonds­sparpläne sind wendiger, flexibler. Fonds­policen haben den Ruf, mit Überge­wicht in den Ring zu steigen, einem Wulst aus Kosten für Verwaltung und Vertrieb.

Finanztest hat mehrere dieser Kämpfe analysiert. Die Bilanz: Obwohl der Fonds­sparplan anfangs weit über­legen ist, kann er am Ende unterliegen (siehe Modell­fälle auf den folgenden Seiten). Wer durch­hält, kann mit einer Police einen Sparplan schlagen. Die mögliche Sieg­prämie: einige tausend Euro mehr fürs Alter.

Die Testkämpfe

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In allen Fällen unseres Vergleichs haben die Anleger das Ziel, für ihr Alter zu sparen und später über das Geld nach Bedarf verfügen zu können. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass sie ihre Grund­versorgung bereits abge­sichert haben und es sich hier um eine zusätzliche Rück­lage handelt.

Sie sparen vorzugs­weise in Aktienfonds. Diese bieten hohe Rendite­chancen und sind für den Vermögens­aufbau gut geeignet. Kurs­schwankungen sollten sich über die Jahre ausgleichen. Misch­fonds mit Aktien und Zins­papieren wären aber ebenso möglich.

Die Anleger zahlen jeweils 36 000 Euro ein. Das sind Monats­raten von 250 Euro für Verträge mit zwölf Jahren Lauf­zeit oder Raten von 100 Euro für 30-Jahres-Verträge.

Wir rechnen mit einer gleich­bleibenden Wert­entwick­lung der Fonds von 6 Prozent pro Jahr. Damit berück­sichtigen wir, dass Anleger auch mal schlechte Fonds wählen oder dass die Börse ungünstig laufen kann. Ein Teil der Rendite – 2,5 Prozent pro Jahr – stammt aus Dividenden.

Für die Fonds­policen rechnen wir mit den von den Versicherern angegebenen Rück­kaufs­werten, in denen die Über­schüsse enthalten sind. Sollten sie die Über­schüsse nicht erwirt­schaften, fällt das Ergebnis der Fonds­policen schlechter aus.

Die Kontrahenten

Das Duell Ali gegen Foreman hat der schil­lernde Boxpromoter Don King organisiert. Bei uns sind verschiedene Anleger­typen verantwort­lich für die Fights: der Einsteiger, der Sparfuchs und der Spätzünder.

Jeder hat einen auf ihn zuge­schnittenen Sparplan ausgewählt, den er gegen Fonds­policen von zwei oder vier verschiedenen Versicherern in den Ring geschickt hat.

Dem Kampf stellen sich die beiden Sieger aus unserem Test fonds­gebundener Renten­versicherungen: Interrisk (Tarif SFRV) und Hanno­versche Leben (Tarif FR3). Beide sind mit gut bewertet (siehe Finanztest 8/2011). Außerdem treten an: Die Skandia (Tarif SFR11-Z), die mit befriedigend abge­schnitten hat, und die Condor mit der Tarif­variante 778 Comfort F.

Interrisk und Hanno­versche Leben sind am güns­tigsten. Condor und Skandia sind teurer, aber flexibler in der Auszahl­phase und bieten eine breite und „sehr gute“ Fonds­auswahl – was sehr wichtig für den Ausgang des Kampfes sein kann.

Wir haben jeweils die Tarif­varianten für Männer mit geringem Todes­fall­schutz ausgewählt. Alle Angebote sind ohne Kapital­garantie. Der Sparer kann, wenn es schlecht läuft, Verlust machen.

Der Fiskus kämpft mit

Es ist die Steuer, die den Fonds­sparplänen den entscheidenden Schlag versetzen kann. Für Fonds gilt seit dem 1. Januar 2009 die Abgeltung­steuer. Sie fällt jähr­lich für Zinsen und Dividenden an und bei Verkauf der Fonds auch auf die Kurs­gewinne. Die Erträge von Fonds­policen werden hingegen erst bei Fälligkeit und dann nur zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteu­ersatz versteuert (siehe „Steuern“).

Das Finanz­amt greift gleich zweifach in den Kampf ein: zum einen über den Steu­ersatz, zum anderen über den Frei­betrag.

Steht dem Anleger der volle Sparerfrei­betrag von 801 Euro noch zur Verfügung, spricht das für Fonds­sparpläne. Ist er schon ausgeschöpft, sind die Gewinn­chancen der Police von vorn­herein größer.

Anders als manche denken, lohnt sich die Fonds­police nicht umso mehr, je höher der Einkommensteu­ersatz ist. Das Gegen­teil ist der Fall. Wer seine Einkünfte später mit dem Spitzen­satz von 42 Prozent versteuert, liegt – durch die halbe Besteuerung – bereits nah am Abgeltung­steu­ersatz von 25 Prozent. Der Steuer­vorteil kann dann zu gering sein, um die höheren Kosten der Police wett­zumachen.

Kosten bremsen

Wir prüfen nach jedem Jahr, wer vorne liegt, wenn der Kunde dann abbrechen und seine Fonds­anteile verkaufen oder die Police kündigen würde. Zu Beginn bietet sich meist das gleiche Bild: Runde um Runde liegt der Fonds­sparplan vorn. Die Police kassiert eine Gerade nach der anderen.

Entscheidend ist eine gute Verfassung. Je mehr über­flüssige Pfunde in Form von Kosten die Kontrahenten mit sich herum­schleppen, desto geringer ist ihre Gewinn­chance. Bei der Fonds­police schlagen vor allem die Abschluss­kosten zu Buche, sofern sie zu Beginn abge­zogen werden.

Der Sieger­tarif der Interrisk aus unserem Test ist ein Angebot ohne Abschluss­kosten. Anleger bekommen ihn aber nur übers Telefon. Beim Makler oder übers Internet müssten sie Abschluss­kosten zahlen. Der Sieger­tarif der Hanno­versche Leben und der Tarif 778 Comfort F der Condor verteilen die Abschluss­kosten über die Lauf­zeit.

Für gelegentliche Umschichtungen fallen in den von uns untersuchten Policen keine Gebühren an. Anleger können ihr Geld kostenlos in einen anderen Fonds über­tragen.

Im Fonds­depot zahlen Anleger üblicher­weise für jeden Kauf. Für jede Monats­rate und meist, wenn der Anleger sein Geld umschichtet, zwackt die Bank Gebühren ab. Das nimmt dem Fonds­sparplan seine Stärke, seine Beweglich­keit. Jeder Fonds­wechsel will gut über­legt sein.

Fonds­sparpläne ohne Ausgabe­aufschlag sind fast unbe­sieg­bar – sie sind allerdings kaum verbreitet. Viele Anleger kaufen ihre Fonds noch über ihre Bank – und zahlen meist den vollen oder zumindest halben Ausgabe­aufschlag. Güns­tigere Angebote für Anleger, die keine Beratung brauchen, gibt es bei freien Vermitt­lern im Internet.

Abbruch kommt teuer

Die Police kann nur siegen, wenn der Anleger bis zum Ende durch­hält. Steigt er vorzeitig aus, gewinnt der Fonds­sparplan.

Anleger sollten ihr Steh­vermögen nicht über­schätzen und sich nicht leicht­fertig auf einen Jahr­zehnte lang laufenden Vertrag einlassen. Über die Hälfte der Versicherungs­verträge wird im Laufe der Zeit gekündigt. Viele Menschen würden das Risiko unterschätzen, dass sie ihre Verträge im Laufe der Zeit nicht mehr bedienen könnten, heißt es bei den Verbraucherzentralen.

Wir empfehlen daher, sich nur auf eine kleine Monats­rate fest­zulegen, die man auf jeden Fall durch­halten kann.

Wer durch­hält, wird belohnt: Am Ende liegen die güns­tigen Policen fast in jedem der analysierten Fälle vorn. Ihre Ausdauer­stärke spielen die Policen umso mehr aus, je länger die Lauf­zeit des Vertrags ist. Das liegt am Zinseszins­effekt, der durch den Steuer­aufschub entsteht und sich bei 30 Jahren stärker entfalten kann als bei zwölf Jahren Lauf­zeit.

Der Zinseszins­effekt verstärkt sich durch eine bessere Wert­entwick­lung. Wenn die Fonds nicht 6 Prozent, sondern 9 Prozent pro Jahr erwirt­schaften, liegt die Fonds­police noch deutlicher vorn.

Die Taktik während der Anspar­phase

Eine Minute dauert die Ring­pause beim Boxen. Zeit, Atem zu holen, Schwel­lungen zu lindern und die Taktik anzu­passen. Anleger sollten sich regel­mäßig Zeit nehmen, ihre Fonds zu über­prüfen und gegebenenfalls zu ändern. Schlechte Fonds raus, gute rein. Unser Fonds­dauertest hilft dabei (siehe Produktfinder Investmentfonds).

Die Erfahrung lehrt, dass Anleger mit Fonds­depots sich öfter mit ihrer Anlage beschäftigen als die Käufer von Fonds­policen. Doch auch Policensparer sollten aktiv sein. Ein besserer Fonds, der jedes Jahr nur einen Prozent­punkt mehr Rendite bringt, kann die Sieg­prämie entscheidend erhöhen.

Zum Ende hin empfiehlt sich ein Ablaufmanagement, um die in den Aktienfonds ange­sammelten Gewinne in Rentenfonds in Sicherheit zu bringen.

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