Altersvorsorge mit Fonds: Komme, was will

Die Regel lautet: hohe Gewinnchance, hohes Risiko. Das muss nicht sein. Wer sein Fondsdepot im Auge behält, kann sich vor Verlusten schützen – ohne große Gewinneinbußen.

Mit Aktienfonds sind die besten Renditen möglich, je nach Laufzeit zwischen 9 und 10 Prozent pro Jahr. Banksparpläne bringen derzeit um die 3 Prozent, bei Versicherungen können Kunden 4 bis 6 Prozent erwarten.

Wichtig für die Altersvorsorge ist aber nicht nur, wie viel herauskommen kann, sondern auch, wie sicher das ist. Nach diesem Kriterium lägen die Aktienfonds hinter den Banksparplänen und den Versicherungen zurück.

Sicherheit kostet Geld, heißt es überall. Das ist richtig. Doch so teuer, wie Banken oder Versicherungsgesellschaften sie anbieten, muss sie nicht sein. ­Finanztest hat einige Vorschläge ausgearbeitet, wie Anleger ihr Fondsdepot vor Verlusten schützen können – ohne dabei auf große Teile der Rendite verzichten zu müssen.

Rendite und Risiko im Vergleich

Um zu wissen, was Anleger mit Fondssparplänen verdienen können und welche Risiken sie eingehen, haben wir verschiedene Modelle gerechnet.

Für alle Modelle haben wir vorausgesetzt, dass sich die Aktienmärkte im Schnitt um 10 Prozent pro Jahr verbessern und eine Schwankungsbreite oder Volatilität von 20 Prozent aufweisen. Wir haben unterstellt, dass der Ausgabeaufschlag immer 5 Prozent und die laufenden Kosten 1 Prozent betragen.

Davon ausgehend haben wir nach dem Zufallsprinzip für jede untersuchte Laufzeit 100 000 unterschiedliche Sparplanverläufe berechnet und geprüft, welches Vermögen der Anleger mit welcher Strategie am Ende hat.

1 Prozent ist so gut wie nichts

Je länger die Fondssparpläne laufen, desto eher erreichen sie im Schnitt Renditen von 10 Prozent und mehr. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Sparplan im Minus endet.

Das Restrisiko ist nicht hoch. Nach 15 Jahren Laufzeit machen 6,3 Prozent der Sparpläne Verlust, nach 20 Jahren sind es 3,6 Prozent. Doch gerade nach den Erfahrungen der vergangenen drei Jahre möchten viele Anleger das Ver­lustrisiko vollständig ausschalten.

Nachdem die Spekulationsblase der New Economy platzte, haben sich einige Fondssparpläne immerhin halbiert – und einige Träume vom sorgenfreien Leben im Ruhestand erledigt.

Doch vollständig ausschalten lässt sich dieses Restrisiko nicht. Auch mit ­einer Absicherung enden einige Sparpläne im Verlust. Allerdings sinkt die Gefahr eines hohen Verlusts rapide. Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten von mehr als einem Prozent lässt sich nur noch in Promille messen.

Wartezeit

Finanztest hat drei Möglichkeiten ausprobiert, das Depot abzusichern. Die erste ist gleichzeitig die einfachste und erfordert vom Anleger nur Geduld: die Wartezeit.

Stellt der Anleger am Ende fest, dass sein Sparplan im Verlust ist oder die gewünschte Rendite nicht gebracht hat, hängt er ein paar Jahre dran. Er zahlt nichts mehr ein, sondern lässt das Geld weitere fünf Jahre im Fonds arbeiten.

Mit dieser Wartezeit lässt sich die Verlustwahrscheinlichkeit auf die Hälfte reduzieren. Noch geringer wird sie, wenn der Sparer während der Wartezeit regelmäßig überprüft, ob der Fonds inzwischen wieder im Plus steht.

Es lohnt sich aber nicht, die Wartezeit gleich einzukalkulieren. Wer 15 statt 10 Jahre sparen will, sollte das tun. Bei der Wartezeit handelt es sich lediglich um eine Option, die der Anleger nur dann ausübt, wenn er im Verlust steht oder mit der Rendite unzufrieden ist.

Die Puffermethode

Die zweite und dritte Möglichkeit der Absicherung sind Varianten der Puffermethode. Wer diese Strategie verfolgt, beobachtet den Fonds während der Ansparphase. Er rechnet regelmäßig aus, wie viel das jeweils vorhandene Vermögen bringen würde, wenn er es in eine sichere Zinsanlage umschichten würde. Die künftigen Raten würde er weiterhin in den Fondssparplan einzahlen.

Idealerweise sollte das errechnete End­vermögen immer mindestens so groß sein wie die Summe der bisherigen Einzahlungen. Ist es größer, steht der Anleger im Plus. Ist es kleiner, dann hat das Fondsvermögen die kritische Verlust­höhe unterschritten. Der Anleger kann seinen bisherigen Verlust nicht mehr mit Sicherheit wettmachen.

Der Zwischenstand entscheidet

In der Theorie funktioniert die Absicherung am besten, wenn die Umschichtung tatsächlich dann erfolgt, wenn das Fondsvermögen die kritische Grenze gerade erreicht. Dazu müsste der Anleger den Kurs allerdings täglich überprüfen. Das ist praktisch nicht möglich.

Finanztest hat deshalb die Puffermethode entwickelt. Dabei prüft der Anleger seinen Fonds nur einmal im Monat und schichtet schon um, wenn sein Vermögen noch 5 oder 10 Prozent über der kritischen Grenze liegt. Wie hoch ein Anleger den Puffer wählen sollte, hängt davon ab, welches Rest­risiko er einzugehen bereit ist.

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