Sparen Arbeitnehmer über den Betrieb eigenes Geld fürs Alter, ­finanziert der Staat einen großen Teil des Beitrags.

Die Investition zahlt sich deshalb schnell aus.

Mittlerweile sorgen fast zehn ­Millionen Arbeitnehmer aus der Privatwirtschaft über die Firma fürs Alter vor. Nach einer Untersuchung von Infratest ist die Zahl von April 2001 bis März 2003 um 45 Prozent gestiegen.

Trotzdem gab es laut Studie in zwei Drittel der Betriebe bis vergangenen März keine betriebliche Altersvorsorge Sie fehlte vor allem in Firmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. Dabei fördert der Staat diese Form der Altersvorsorge so wie keine andere mit Nachlässen auf Steuern und Sozialabgaben.

Arbeitnehmer können von ihrem Chef verlangen, dass er von ihrem Lohn oder von Sonderzahlungen wie dem Urlaubs- und Weihnachtsgeld Geld für die betriebliche Altersvorsorge abzweigt. Dieses Jahr muss er auf Wunsch bis zu 2 448 Euro dort einzahlen.

Diese Grenze wird in Zukunft noch ­höher sein. Sie richtet sich nach dem höchsten Bruttolohn, für den Rentenbeiträge fällig sind, der so genannten Beitragsbemessungsgrenze. Diese steigt gewöhnlich Jahr für Jahr.

Wenn Arbeitnehmer es sich finanziell leisten können, sollten sie die Altersvorsorge im Betrieb nutzen. Denn sie müssen die Beiträge nicht allein bezahlen. Der Staat gibt viel dazu.

Das gilt für Einzahlungen in Unterstützungskassen, Pensionszusagen, Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen. Sie sind – teils völlig, teils bis zu bestimmten Höchstbeträ­gen – steuerfrei oder steuerbegünstigt. Außerdem können viele Arbeitnehmer für den in die betriebliche Altersvorsorge investierten Lohn bis zu bestimmten Grenzen ihre Sozialabgaben sparen.

Kassen, Fonds, Pensionszusagen

Am höchsten ist die Förderung bei Pensionszusagen und Unterstützungskassen. Für Lohn in beliebiger Höhe, den Arbeitnehmer dort einzahlen, verzichtet der Staat komplett auf Steuern. Geben sie ihn für Pensionskassen oder Pensionsfonds aus, sind dieses Jahr Einzahlungen bis 2 448 Euro steuerfrei.

Wie viel Geld Arbeitnehmer dadurch inklusive Sozialabgaben sparen können, zeigen wir am Beispiel von Klaus Lenz. Er investiert Lohn in eine Pensionskasse. Für die steuerlichen Berechnungen sind wir von der für 2004 geplanten Senkung der Steuersätze ausgegangen.

Lenz ist allein stehend und muss 35  000 Euro versteuern. Zweigt er im Jahr 1 200 Euro vom Bruttogehalt steuerfrei für die Pensionskasse ab, spart er rund 34 Prozent Steuern. Das Finanzamt trägt 407 Euro vom Beitrag (siehe „Hoher Steuervorteil für Kassen, Pensionsfonds und Pensionszusagen“). Zusätzlich spart Klaus Lenz bis einschließlich 2008 Sozialabgaben. Dieses Jahr verzichtet der Staat für Einzahlungen bis 2 448 Euro darauf.

Sozialabgaben sparen

Beschäftigte mit Bruttolöhnen bis 41 400 Euro können für den investierten Lohn ihren gesamten Beitrag zur ­Sozialversicherung sparen. Investieren sie wie Klaus Lenz über den Chef 1 200 Euro in eine Pensionskasse, haben sie 240 Euro weniger Sozialabgaben  – wenn sie sonst zum Beispiel 20 Prozent Beitrag in die Sozialversicherung einzahlen.

Klaus Lenz schließt den Vertrag mit der Pensionskasse mit 40 Jahren ab. Wir nehmen an, er geht mit 65 in Rente. Rechnet man die Ersparnis der Sozialabgaben aus den Jahren 2004 bis 2008 auf alle Jahre bis zur Rente um, hat der Staat damit 4 Prozent des Beitrags für die Pensionskasse übernommen (siehe „Mehr Zuschuss durch weniger Sozialabgaben“).

Zusammen mit der Steuerersparnis von 34 Prozent, die Lenz mit 35 000 Euro zu versteuerndem Einkommen hat, erhält er rund 38 Prozent Förderung. Von den 1 200 Euro, die er über den Chef vom Bruttolohn jedes Jahr in die Pensionskasse einzahlen lässt, kommen im Schnitt 455 Euro vom Staat. Das sind 11 375 Euro in 25 Jahren.

Je älter Arbeitnehmer bei Beginn der betrieblichen Altersvorsorge sind, desto stärker fällt die Ersparnis der Sozialabgaben ins Gewicht. Machen wir Klaus Lenz älter und lassen ihn beim Abschluss des Vertrags für die Pensionskasse 55 sein. Dann bekommt er zum Steuervorteil von 34 Prozent durch die Ersparnis der Sozialabgaben noch 10 Prozent Zuschuss dazu.

Rechnung für Besserverdienende

Nicht jeder spart so viel Sozialabgaben:

  • Verdienen Arbeitnehmer dieses Jahr brutto mehr als 41 400 Euro, liegt ihr Gehalt über der Beitragsgrenze für die Kranken- und Pflegeversicherung. Ist es auch nach Abzug des Lohns für die betriebliche Altersvorsorge noch über der Grenze, sparen sie für ihre Einzahlung nur den Beitrag zur Renten- und Arbeitslosenversicherung von 13 Prozent.
  • Verdienen Arbeitnehmer dieses Jahr brutto mehr als 61 200/51 000 Euro (alte / neue Bundesländer), liegt ihr Gehalt auch noch über der Beitragsgrenze für die Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Ist es auch nach Abzug des Lohns für die betriebliche Altersvorsorge über der Grenze, können sie überhaupt keine Sozialabgaben sparen.

Doch die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich für Gutverdienende allein schon wegen der hohen Steuerersparnis, die sie bei ihrem Gehalt haben. Beim derzeitigen Spitzensteuersatz können sie bis zu 48,5  Prozent sparen. Wenn ab 2004 die große Steuerentlastung kommt, sind es noch bis zu 42 Prozent.

Machen wir den allein stehenden, 40 Jahre alten Klaus Lenz zum Spitzenverdiener mit 60 000 Euro zu versteuerndem Einkommen. Zahlt er vom Lohn 2 448 Euro in die Pensionskasse, übernimmt der Staat davon nach dem für 2004 geplanten Steuertarif rund 1 029 Euro (42 Prozent). Das sind bis zur Rente in 25 Jahren 25 725 Euro. Lenz selbst steuert rund 35 475 Euro bei.

Schnell Geld zurück

Je höher der Zuschuss vom Staat bis zur Rente ist, desto schneller haben Beschäftigte ihre eigenen Einzahlungen im Alter als Rente zurück (siehe „So schnell kommt das Geld im Alter zurück“).

Lassen wir Klaus Lenz wieder 35 000 Euro Einkommen versteuern und im Alter von 40 einen Vertrag mit der Pensionskasse schließen. Dort zahlt er bis 65 jedes Jahr 1 200 Euro vom Lohn ein. Seine Kasse garantiert ihm dafür im ­Alter 235 Euro Rente im Monat.

Lenz kann bei seinem Einkommen damit rechnen, dass er bis zu Beginn der Rente mit 65 für den investierten Lohn rund 38 Prozent Steuern und Sozialabgaben spart. Er finanziert selbst nur 745 Euro vom Jahresbeitrag. Das sind 18 625 Euro in 25 Jahren. Bezieht er später 80 Monate lang Rente, sind es gut sechseinhalb Jahre und er hat seine Einzahlung heraus.

Abgaben im Alter

Die Rechnung hat aber noch einen Haken. Ist der investierte Lohn steuerfrei, müssen Arbeitnehmer von der Rente später meist den Löwenanteil versteuern. Auch wenn sie sich das Kapital auf einen Schlag auszahlen lassen, ist die Summe voll steuerpflichtig.

Da Rentner oft nicht mehr so viel Einnahmen haben wie im Berufsleben, ist jedoch bei vielen der Steuersatz niedriger. Auch die Sozialabgaben sinken – vor allem weil Rentner nur Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Trotzdem fällt die Abgabenlast im Alter ins Gewicht – erst recht, wenn sie durch Gesetzesänderungen noch weiter steigen sollte.

Wenig Steuern und Sozialabgaben zahlen Beschäftigte im Ruhestand nur, wenn sie die Beiträge für die Altersvorsorge aus ihrem versteuertem Lohn aufbringen. Bei Pensionskassen ist das sogar mit Förderung vom Staat möglich.

Zahlen Arbeitnehmer wie Klaus Lenz mehr als 2 448 Euro vom Lohn dort ein, können sie vom nicht geförderten Rest bis zu 1 752 Euro mit 20 Prozent pauschal versteuern lassen. Wird der pauschal versteuerte Beitrag aus Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- oder Urlaubsgeld finanziert, fallen dafür bis 2008 auch die Sozialabgaben weg.

Direktversicherung

Bei einem anderen Weg der betrieblichen Altersvorsorge ist die pauschale Lohnsteuer sogar vom ersten Cent an möglich. Arbeitnehmer können von der Firma eine Direktversicherung bekommen und vom investierten Lohn bis zu 1 752 Euro im Jahr mit 20 Prozent pauschal versteuern lassen.

Ein Mann wie der 40 Jahre alte Klaus Lenz zahlt für die letzten 1 752 Euro ­seines Einkommens als Alleinstehender rund 34 Prozent Steuern, wenn er 35 000 Euro im Jahr versteuern muss. Investiert er die 1 752 Euro in eine Direktversicherung und zahlt nur 20 Prozent Pauschalsteuer, bekommt er knapp 14 Prozent vom Fiskus geschenkt. Das Finanzamt finanziert 241 Euro vom Jahresbeitrag (siehe „Steuern sparen mit Direktversicherungen“).

Bestreiten Arbeitnehmer den Versicherungsbeitrag aus Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, können sie bis 2008 für Einzahlungen bis 1 752 Euro außerdem Sozialabgaben sparen. Für Klaus Lenz, der 40 ist und bis zur Rente noch 25 Jahre Zeit hat, steigt die Förderung vom Staat dadurch um 4 Prozent (siehe „Mehr Zuschuss durch weniger Sozialabgaben“). Er bekommt insgesamt rund 18 Prozent Zuschuss zum Beitrag. Das sind 311 Euro im Jahr.

So viel Sozialabgaben sparen aber wiederum nur Arbeitnehmer, deren Bruttolöhne nicht höher als die Beitragsgrenzen für die Sozialversicherung sind.

Die Pauschalversteuerung hat im Alter große Vorteile. Lassen Arbeitnehmer sich das Kapital später auf einen Schlag auszahlen, müssen sie dafür keine Steuern zahlen. Wählen sie die Auszahlung als Rente, ist davon nur ein Bruchteil steuerpflichtig. Zurzeit sind es noch 27 Prozent, wenn die Rente mit 65 beginnt. Rentner müssen für Auszahlungen aus Direktversicherungen aber auch Sozialabgaben zahlen, wenn die Bemessungsgrenzen nicht überschritten sind.

Was der Chef anbietet

Kaum ein Arbeitnehmer kann zwischen allen fünf Wegen der betrieblichen Altersvorsorge wählen. Bietet der Chef eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds an, hat er seine Pflicht erfüllt. Tut er das nicht, kann die Belegschaft auf einer Direktversicherung bestehen. Das ist auch möglich, wenn die Firma direkt eine Pension zusagt oder eine Unterstützungskasse anbietet.

Arbeitnehmer kommen auf allen fünf Wegen an eine Rente. Sie können sich das Kapital später auch auf einmal auszahlen lassen. Bei Pensionsfonds ist die Auszahlung auf 20 Prozent begrenzt.

Riester-Förderung

Opfern Arbeitnehmer Lohn für Pensionskassen, Pensionsfonds oder Direktversicherungen, können sie auch die Riester-Förderung bekommen. Dann müssen sie den Beitrag aber aus versteuertem Lohn abzweigen und können keine Sozialabgaben sparen.

Die Riester-Förderung ist deshalb für die betriebliche Altersvorsorge nicht die erste Wahl. Arbeitnehmer können hierfür genauso gut einen privaten Vertrag abschließen und zusätzlich die Ersparnis der Steuer und Sozialabgaben aus der Altersvorsorge der Firma mitnehmen.

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