Alters­vorsorge für Frauen Meldung

Sparen Frauen anders? Welche Prioritäten setzen sie, wenn es ums Geld geht? Frauen haben häufig keine durch­gängige Erwerbs­biografie. Sie verdienen immer noch weniger als Männer. Wie können sie dennoch sinn­voll für das Renten­alter vorsorgen? Finanztest-Expertin Simone Weidner weiß Rat. Dazu aktuell erschienen: das Finanztest Spezial Altersvorsorge.

Viele Frauen sind gut informiert

test.de: Sparen Frauen anders fürs Alter als Männer?

Simone Weidner: Es gibt Leute die behaupten, Frauen machen lieber in Kultur und investieren in Aussehen und Fitness. Das mag stimmen, denn Frauen setzen manchmal andere Prioritäten als Männer. Sie wollen im Hier und Jetzt gut leben. Auffällig ist aber: Frauen kümmern sich auch darum, im Renten­alter gut dazu­stehen. Viele lesen nicht nur Design- und Modemagazine, sondern sind ökonomisch unabhängig und kennen sich mit Finanzen gut aus. Beim Sparen sind trotzdem geschlechts­spezi­fische Unterschiede erkenn­bar. Nach einer aktuellen Umfrage legen Frauen bei ihrer Alters­vorsorge ein besonderes Gewicht auf die Sicherheit einer Geld­anlage, ethische oder ökologische Aspekte sowie eine umfassende und verständliche Beratung. Diese Kriterien sind ihnen sogar wichtiger als Rendite, Kosten und Steuern.

test.de: Sind Frauen also im Alter gut versorgt?

Simone Weidner: 97 Prozent der Frauen halten eine Alters­vorsorge für wichtig, doch längst nicht alle haben die finanziellen Möglich­keiten für eine optimale Vorsorge. Sparen ist häufig kein Thema, weil das Einkommen gerade mal so zum Leben reicht. Immer noch verdienen Frauen weniger als Männer. Sie haben nur eine geringe Rente zu erwarten. Rund 671 Euro Monats­rente bekam eine Rentnerin 2010 im Durch­schnitt. Die vom Staat geförderte Alters­vorsorge nutzen sie nicht optimal. Nur 6 Prozent der Frauen haben über den Arbeit­geber eine Betriebs­rente abge­schlossen. Bei den Männern sind es immerhin 26 Prozent. In eine Riester-Rente zahlen Frauen im Durch­schnitt 530 bis 560 Euro im Jahr ein – einschließ­lich der staatlichen Zulagen. Männer sparen 710 bis 720 Euro jähr­lich für die Riester-Rente. Einen ersten Über­blick über das Thema Riester finden Sie auf test.de: Die Riester-Tests von Finanztest: Alle Riester-Sparformen im Vergleich.

In jungen Jahren anfangen

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Finanztest Chef­redak­teur Hermann-Josef Tenhagen zum Thema Alters­vorsorge und dem neuen Finanztest Spezial Alters­vorsorge.

test.de: Wann ist der richtige Zeit­punkt für Frauen, mit einer privaten Alters­vorsorge zu beginnen?

Simone Weidner: Wer früh anfängt, hat es leichter. Auch mit einem geringen Beitrag ist ein Spar­vertrag möglich. 40 Euro monatlich können zum Beispiel in einen Vertrag über vermögens­wirk­samen Leistungen fließen, zu denen ein Arbeit­geber häufig etwas dazu gibt. Bei der Riester-Rente gibt der Staat einmalig einen Bonus von 200 Euro dazu, wenn jemand nicht älter als 24 Jahre ist. Jedoch bestimmen die tatsäch­lichen Lebens­verhält­nisse, wie viel Geld monatlich zum Sparen übrig bleibt. So haben Azubis selten Spar­potenzial.

Teil­zeitjob und Kinder­erziehung

test.de: Kinder­erziehung, Teil­zeit- oder Minijob, Eltern­pflege – Frauen haben meist keine durch­gängige Erwerbs­biografie und verdienen im Durch­schnitt weniger als Männer. Wie können sie sich dennoch eine auskömm­liche Alters­vorsorge aufbauen?

Simone Weidner: Wer fünf Euro im Monat übrig hat, sollte unbe­dingt die Riester-Förderung mitnehmen. Die Riester-Rente ist für Frauen ideal. Sie ist flexibel und die Beiträge können der aktuellen Einkommens­situation angepasst werden. In Zeiten von Arbeits­losig­keit oder Eltern­zeit kann ein Vertrag weiterlaufen - die Zulage von 154 Euro pro Person und Kinder­zulagen zahlt der Staat weiter. Sogar mit einem 400-Euro-Minijob ist riestern möglich. Diese Flexibilität beim Sparen bietet keine private Renten­versicherung.

Beste Strategie

test.de: Was ist die beste Vorsorgestrategie für Single-Frauen im mitt­leren Alter?

Simone Weidner: Berufs­tätige sollten zunächst die staatlich geförderte Alters­vorsorge nutzen, also die Betriebsrente und die Riester-Rente. Für weit über dem Durch­schnitt verdienende Frauen kommt auch eine Rürup-Rente in Frage – vor allem für Selbst­ständige. Darüber hinaus ist ein Vorsorge-Mix sinn­voll. Hier bieten sich klassische Bank­produkte, eine private Rentenversicherung oder Immobilien an. Manche Frauen haben auch Spaß am Zocken. Bei reinen Aktien­investments sind die Ertrags­chancen höher. Wegen des damit verbundenen Risikos eignet sich diese Strategie aber nicht für die Alters­vorsorge.

test.de: Was sind die häufigsten Fehler von Frauen bei der Alters­vorsorge?

Simone Weidner: Frauen machen genauso wenig oder viele Fehler wie Männer. Häufig stecken unver­ständliche Informationen von Banken oder Versicherern dahinter. Ein Beispiel: Auch gut informierte Finanztest-Lese­rinnen und -Leser verwechseln schon mal einen Riester-Fondssparplan mit einer Riester-Fondspolice. Sie werfen zwei völlig unterschiedliche Produkte durch­einander. Als wir uns die jähr­lichen Riester-Stand­mitteilungen der Anbieter ( Jahresmitteilungen für Riester-Sparer: Jetzt mehr Klartext) angeschaut haben, stellten wir fest, dass unklare, im Versicherungs­jargon formulierte Kunden­informationen zu solchen Fehl­einschät­zungen beitragen.

Ohne Job

test.de: Der Mann verdient gut bis sehr gut, die Frau hat keinen Erwerbs­job und erzieht die Kinder – warum sollte sie sich dennoch um ihre Alters­vorsorge kümmern, und was kann sie dafür tun?

Simone Weidner: Als Nicht­erwerbs­tätige wird sie keine oder wenig eigene Rente aus der gesetzlichen Renten­versicherung erwarten. Deshalb sollte sie etwas tun. Als Ehepart­nerin kann sie die mittel­bare Riester-Förderung ausschöpfen. Dafür müssen sie und ihr Mann einen Riester-Vertrag abschließen. Beide Ehepartner erhalten die volle Grund­zulage von 154 Euro pro Person, wenn der erwerbs­tätige Partner mit dem Haupt­vertrag den jähr­lichen Mindest­beitrag einzahlt. Das sind 4 Prozent des Brutto­vorjahres­einkommens. Maximal können jähr­lich 2 100 Euro in einen Riester-Vertrag fließen. Für Kinder ab Jahr­gang 2008 gibt es dann 300 Euro Zuschuss, für ältere Kinder 185 Euro im Jahr. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kann so jähr­lich 908 Euro staatliche Zulagen bekommen. Dem Riester-Vertrag der Frau werden die Kinder­zulagen gut geschrieben- sofern das Paar nichts anderes vereinbart. Die Frau muss in ihren Vertrag 60 Euro jähr­lich einzahlen und erhält 754 Euro Zuschuss vom Staat. Im Ideal­fall trifft das Paar weitere Vorsorgen, um die Frau finanziell abzu­sichern. Sinn­voll ist auch eine Risikolebensversicherung. Verstirbt der Ehepartner, erhält die Ehefrau die vereinbarten Versicherungs­summe.

Verständliche Beratung

test.de: Es gibt Finanzberater und Versicherungs­vermittler, die sich speziell an Frauen wenden. Worauf müssen Kundinnen im Gespräch mit ihnen achten und woran erkennen sie eine gute Beratung?

Simone Weidner: Meistens sind es von Frauen geführte Beratungs­institute, die sich speziell an Frauen wenden. Die Beraterin sollte sich immer Zeit nehmen, verständlich erklären und die Kundin nicht unter Druck setzen. Vermittler, ob Frauen oder Männer, finanzieren sich in der Regel über Provisionen, die sie von Versicherungen und Banken für den Verkauf von Finanz­produkten bekommen. Das sollte jede Frau wissen, die am Bank­schalter oder in einer Versicherungs­agentur einen Alters­vorsorgever­trag abschließt. Eine Beratung ist also nie „umsonst“.

test.de: Wo finden Frauen unabhängige Informationen und Beratung über ihre Alters­vorsorge?

Simone Weidner: Die von der Stiftung Warentest heraus­gegebene Zeit­schrift Finanztest, die auch von vielen Frauen gelesen wird, informiert über alle Produkte und Entwick­lungen zur Alters­vorsorge, gibt Tipps und Hilfe­stel­lungen. Laufend aktualisierte Informationen gibt es auch hier auf test.de. Bei Fragen können sich die Lese­rinnen direkt an den Finanztest-Leser­service wenden, Telefon: 0 900 1/58 37 82 ( 50 Cent/Minute aus dem Fest­netz).

Finanztest Spezial Alters­vorsorge - Richtig vorsorgen

Alters­vorsorge für Frauen Meldung

Die erneute Finanz­krise zeigt einmal mehr: Alters­vorsorge ist nichts für Zocker. Und es kommt darauf an, den richtigen Vorsorge-Mix und die individuell passende Vorsorgestrategie zu finden. Dabei hilft das Finanztest Spezial Alters­vorsorge. Die Tests, Tipps und Beispiele im Heft zeigen, wie Frauen – und auch Männer – richtig fürs Alter sparen. Sie können das Finanztest Spezial Alters­vorsorge auf test.de bestellen oder herunterladen oder für 7,80 Euro auch am Kiosk erwerben.

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