Sie erziehen Kinder, pflegen Eltern, arbeiten Teil­zeit: Viele Frauen verdienen wenig, die gesetzliche Rente fällt dürftig aus. Wie sie privat vorsorgen können, auch mit wenig Geld.

Alters­vorsorge für Frauen Special

Für sich und ihre beiden Söhne Vitas (8) und Arvid (5) bekommt Sabine Kraus jähr­lich 524 Euro Riester-Förderung vom Staat.

„Mir ist schon lange klar: Für das Alter muss ich zusätzlich sparen“, sagt Sabine Kraus. Die Renten­information der 46-Jährigen aus Halle an der Saale weist eine monatliche Alters­rente von 771 Euro aus – voraus­gesetzt, es läuft weiter wie bisher.

Ein Grund für Kraus' relativ geringen Renten­anspruch: Die verheiratete Pressereferentin ist nach dem Studium spät ins Berufs­leben einge­stiegen und arbeitet wegen ihrer fünf und acht Jahre alten Söhne Teil­zeit. Einen Tag in der Woche verbringt sie in der Firma in Berlin, vier Tage arbeitet sie im „Home-Office“ an ihrem Computer zuhause. Ihre Firma unterstützt das. „Anders wären Familie und Beruf für mich kaum zu vereinbaren“, erklärt sie.

Teil­zeit­arbeit ist gut für die Familie, heißt aber auch: weniger im Portmonee und weniger Rente. Die Deutsche Renten­versicherung rechnet vor: Eine Arbeitnehmerin, die 40 Jahre lang arbeitet und durch­schnitt­lich im Jahr ein Gehalt von 20 000 Euro brutto bekommt, kann mit einer Rente von rund 660 Euro rechnen. Wer 40 Jahre lang gut verdient und im Durch­schnitt ein Einkommen hat, das nach heutigen Maßstäben 40 000 Euro brutto im Jahr entspricht, kommt auf rund 1 320 Euro Rente im Monat.

Solche Werte schaffen viele Frauen nicht. Vor allem Mütter haben keine durch­gängige Voll­zeit­erwerbs­biografie: Sie nehmen Eltern­zeit, sind zwischen­durch arbeitslos, pflegen die Eltern, haben Minijobs oder arbeiten Teil­zeit. In den vergangenen Jahren haben sich die Arbeits­zeiten von Frauen stark reduziert, hat das WSI fest­gestellt, das Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Mehr als zwei Drittel der Mütter arbeiten Teil­zeit, aber nur 5,6 Prozent der Väter.

Zusatz­rente gefördert vom Staat

Alters­vorsorge für Frauen Special

Um eine zusätzliche Alters­vorsorge kommen die meisten nicht herum. Zusätzlich zu sparen, ist aber für diejenigen schwierig, die aufgrund eines geringeren Einkommens sowieso knapp bei Kasse sind. Sie sollten prüfen, ob sie nicht doch etwas Geld zurück­legen können. Ideal für Frauen, besonders für Mütter, ist die Riester-Rente. Sie ist flexibel und passt sich wechselnden Situationen und Einkommen an.

Pro Jahr gibt es 154 Euro vom Staat dazu, sofern mindestens 4 Prozent des Brutto­vorjahres­einkommens einschließ­lich der Zulagen jähr­lich in den Vertrag fließen. Beispiel: Eine Frau mit zwei ab dem Jahr 2008 geborenen Kindern verdiente 20 000 Euro brutto. In ihren Vertrag müssen 800 Euro fließen. Sie muss nur den Mindest­eigenbeitrag von 60 Euro selbst zahlen, weil der Staat 754 Euro Zulagen spendiert (154 Euro Grund­zulage und 300 Euro pro Kind). Besserverdienende profitieren zusätzlich vom steuerlichen Sonder­ausgaben­abzug.

Für Frauen mit beständigem Arbeits­verhältnis ist eine Betriebs­rente gut geeignet, wenn die Firma etwas dazugibt. Lang­fristig gutverdienende Selbst­ständige mit hoher Steuerbelastung können mit der Rürup-Rente sparen. Jedes geförderte Modell hat Vorzüge und Nachteile. Alle bieten jedoch die Möglich­keit, eine lebens­lange Rente zu beziehen, ergänzend zur gesetzlichen. Auch mit manchen unge­förderten Sparformen ist das möglich, etwa mit einer privaten Renten­versicherung.

Mit dem Lebens­lauf vereinbaren

Die Biografie von Sabine Kraus zeigt, wie sich staatlich geförderte Alters­vorsorge mit dem Lebens­lauf vereinbaren lässt.

Im Jahr 2001 – Kraus war noch kinder­los – bot ihr Chef als Betriebs­rente eine Direkt­versicherung mit Entgelt­umwandlung an. Der Beitrag, in ihrem Fall monatlich 127 Euro, geht direkt vom Brutto­lohn ab. Anleger sparen dadurch Steuer- und Sozial­abgaben. Kraus unter­schrieb den Vertrag. Zum Renten­beginn kann sie entscheiden, ob sie das Angesparte auf einen Schlag oder als lebens­lange Zusatz­rente möchte. Nachteil: Im Alter ist die Betriebs­rente sozial­abgaben- und steuer­pflichtig.

Später schloss Sabine Kraus noch einen Riester-Fonds­sparplan ab. Ideal für die Angestellte: Als das erste Kind kam und sie in Mutter­schutz und Eltern­zeit ging, bekam sie vom Staat weiterhin die Grund­zulage von 154 Euro im Jahr und für den Sohn eine Kinder­zulage von 185 Euro. Ihren Eigenbeitrag konnte sie entsprechend ihren geringeren Einkünften senken.

Mitt­lerweile hat Kraus zwei Söhne. In ihren Riester-Vertrag fließen nun jedes Jahr 524 Euro allein aus Zulagen.

Doch nach einigen Jahren war die Zeit der Festan­stellung für Sabine Kraus vorbei. Der damalige Chef kündigte der Hallenserin betriebs­bedingt. Kurz sah es so aus, als würde sie in die Arbeits­losig­keit rutschen. Auf die Riester-Förderung hätte das keine Auswirkung gehabt. Arbeits­lose müssen nur den Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr – das sind 5 Euro im Monat – einzahlen, um die Riester-Zulagen zu erhalten.

Kraus machte sich schließ­lich als Auto­rin selbst­ständig und trat in die Künst­lersozialkasse (KSK) ein. Darüber war sie gesetzlich renten­versichert und förderberechtigt. Ihr Riester-Vertrag lief einfach weiter.

Seit einigen Jahren ist Kraus wieder fest angestellt und arbeitet Teil­zeit. Mit ihrem Ehemann hat sie entschieden, dass der Förderhöchst­betrag für Riester aus dem gemein­samen Haus­halts­einkommen in ihren Vertrag fließt. Das sind 2 100 Euro im Jahr. „Wir waren uns einig, dass ich durch meine familien­bedingte Teil­zeit­arbeit nicht bei der Rente benach­teiligt sein soll.“

In Betriebs­rente selbst einge­zahlt

So flexibel wie die Riester-Vorsorge ist eine Betriebs­rente nicht. In der Eltern­zeit bekam Sabine Kraus dafür keine staatliche Förderung in Form von Steuer- und Sozial­abgabenfreiheit. Sie konnte die Betriebs­rente ruhen lassen oder privat weiterführen. Sie entschied sich, jeden Monat selbst 127 Euro einzuzahlen. Jetzt führt ihr neuer Arbeit­geber die alte Direkt­versicherung für sie weiter. Diese Über­tragungs­möglich­keit ist gesetzlich geregelt.

Kraus nutzt mit ihren finanziellen Mitteln die staatliche Förderung gut aus. Die Zusatz­renten ergänzen ihre Rente im Alter. Wie viel der Riester-Fonds­sparplan später bringt, ist noch offen. Die Wert­entwick­lung der Fonds schwankt, eine garan­tierte Renten­zusage ist noch nicht möglich. Aktuell liegt ein Betrag von rund 14 700 Euro auf ihrem Riester-Konto, davon 2 738 Euro allein aus Zulagen. Für Frauen mit Kindern, wie Sabine Kraus, ist eine gute Riester-Rente erste Wahl für die Alters­vorsorge.

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