Altersvorsorge für Frauen Meldung

Frauen müssen besonders gut ­vorsorgen. Was raten ihnen die Banken? Sind freie Vermittlerinnen besser? Sechs Frauen haben es ausprobiert.

Ich bin da rausgegangen und habe ­gedacht, jetzt wird es aber höchste Zeit, ich bin ein prädestinierter Fall für Altersarmut“, sagt Andrea Schneider* nach ­ihrem Beratungsgespräch bei der Postbank in Emmendingen. Andrea Schneider ist Anfang 40, selbstständig und hat zwei Söhne, die sie alleine erzieht. Viel zurücklegen konnte sie bisher nicht. Auch wenn der ­Berater der Postbank ihr wenig Mut gemacht hat – etwas machen will sie jetzt doch. Bloß was? „Eine wirkliche Perspek­tive ­geboten hat er mir nicht“, findet sie.

Ina Ludwig* aus Berlin war bei einer Frauenberaterin und ist begeistert. „Bei Banken habe ich mich noch nie so gut aufgehoben gefühlt wie hier“, sagt sie nach dem Besuch bei Anne Wulf von „das ­finanzkontor“. „Sie zwingt mir nichts auf, ich bin frei in meiner Entscheidung, und sie hat einen guten Vorschlag gemacht.“

50 Euro monatlich soll sie in einen ­Aktienfonds zahlen. Das ist zwar nicht viel für eine Frau Ende 30, die bislang nur vermögenswirksame Leistungen anlegt und eine Riester-Rente bespart, aber im Moment genau das Richtige für sie. Sie schult um und kann erst in zwei, drei Jahren wieder mit mehr Geld rechnen.

Andrea Schneider und Ina Ludwig sind für Finanztest losgezogen, sich zu ihrer Altersvorsorge beraten zu lassen. Wir wollten wissen, was Banken und auf Frauen spezialisierte Vermittlerinnen bieten. Für unser Experiment haben sechs Frauen 14 Gespräche geführt, acht bei Finanzberaterinnen und sechs bei Banken.

Das Fazit: Was den Wohlfühlfaktor angeht, liegen die freien Beraterinnen vorn. Auch die Bestandsaufnahme war meist besser: Die Vermittlerinnen haben sich zwar nicht mehr Zeit genommen als die Banker, aber sie haben die finanziellen und familiären Verhältnisse umfassend erfragt. Das ist Voraussetzung für eine gute Beratung. Die Produktempfehlungen allerdings haben uns nicht immer überzeugt. Oft waren die Angebote zu unflexibel für die besondere Lebenssituation von Frauen.

Absicherung hat Priorität

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50 Euro monatlich, das ist der Betrag, den auch Tanja Schmitt* aus Köln aufwenden kann. Sie ist 30 und hat noch viel Zeit bis zur Rente. Allerdings weiß sie noch nicht, wie es nach ihrer Ausbildung weitergeht.

Die Beraterin der Dr. Upgang AG aus Bonn, die schwerpunktmäßig Frauen betreut, empfiehlt ihr eine Riester-Rente. Dafür gibt es staatliche Zuschüsse, und wenn Tanja Schmitt ein Kind bekommt, kann sie in der Elternzeit den Vertrag mit einem Jahresbeitrag von nur 60 Euro fortführen. Das passt gut. Auch der Berater der Sparkasse KölnBonn, den Tanja Schmitt aufsucht, rät zur Riester-Rente.

Zwei Beratungen, ein Vorschlag. Bei der Bank würde sie den Vertrag aber wohl nicht abschließen, meint sie. „Mein Eindruck war, dass sie dort ziemlich einspurig fahren.“ Das Angebot bei Dr. Upgang gefällt ihr besser, „weil die viel mehr Anbieter haben“. Und netter fand sie es obendrein.

Sie überlegt sich jedoch, ob sie zunächst eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen soll. „Die Beraterin fand das fast noch wichtiger als eine Riester-Rente.“

Das ist richtig. Erst sollten die Frauen die allgemeinen Lebensrisiken absichern – Schutz vor Berufsunfähigkeit, Haftpflicht, Krankheit – und dann an später denken.

Teure Zusätze

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Berufsunfähigkeit ist auch für Jana Kirchner*, 29, ein wichtiges Thema. Sie ist angestellt und kann pro Monat 400 Euro sparen. Kinder möchte sie haben und sich in ein paar Jahren selbstständig machen.

Welche Vorsorge ist die richtige? Soll sie eine Riester-Rente abschließen, die sie ruhen lassen muss, wenn sie selbstständig ist? Oder als betriebliche Altersvorsorge eine Direktversicherung? Diese könnte sie auch privat weiterführen, müsste aber Sozialversicherungsbeiträge auf ihre Rente zahlen.

Eine Kapitallebensversicherung hat sie schon, mit geringem Schutz bei Berufsunfähigkeit und einer Zusatzversicherung für Unfalltod. Sollte sie durch einen Unfall sterben, bekäme ihre Familie die doppelte Summe – ein überflüssiger Schutz, der die Versicherung unnötig verteuert.

„Weg damit!“, sagt Stephanie Müller vom Büro Müller & Peschko, Darmstadt, von der Jana Kirchner sehr angetan war. Die Ratschläge sind nützlich. Eine zusätzliche Berufsunfähigkeitsversicherung soll sie ­abschließen und den größeren Teil ihrer monatlichen Sparrate in Fonds stecken.

Flexibel bleiben

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Flexibilität ist wichtig für Jana Kirchner. Das stellt auch Beraterin Karin Hauck aus Bensheim fest. Sie bietet ihr, außer einer Berufsunfähigkeitsversicherung vor allem fondsgebundene Versicherungen an, zum Beispiel eine Fondsrente, die Beitragspausen und Teilentnahmen erlaubt. Mit Blick auf die geplante Selbstständigkeit hätte sie ihr nach unserer Meinung aber reine Fondssparpläne empfehlen sollen, die flexibler sind. Die Beiträge sind beliebig ­änderbar und die Renditechancen höher.

Besonders gut gefallen hat es Jana Kirchner bei Svea Kuschel + Kolleginnen in München, die Finanzdienstleistungen für Frauen anbieten. „Die Beraterin hat alles gut erklärt“, sagt Jana Kirchner im Anschluss. „Nach dem Gespräch hatte ich das Gefühl, ich weiß jetzt, was ich brauche.“

Beim näheren Hinsehen erweisen sich aber nicht alle Vorschläge als brauchbar. Grundsätzlich sinnvoll ist der Rat, die monatliche Sparrate aufzuteilen. Die Beraterin empfiehlt Tagesgeld für kurzfristige Engpässe, Fonds für den Vermögensaufbau und eine private Rentenversicherung.

Eine schlechte Idee ist unserer Ansicht nach der Abschluss einer Dread-Disease-Versicherung. Sie zahlt, wenn jemand schwer krank wird, zum Beispiel Krebs oder einen Herzinfarkt bekommt. Eine ausreichende Berufsunfähigkeitsversicherung wäre besser, weil Jana Kirchner damit nicht nur ­gegen ausgewählte Risiken abgesichert ist.

Kein Gesamtkonzept

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Gerlinde Baumgart* hat schon 45 000 ­Euro zusammen, verteilt auf festverzinsliche Anlagen, Aktien- und Immobilienfonds. Sie zahlt 75 Euro monatlich in eine private Rentenversicherung ein und bedient eine Riester-Rente. Vielleicht will sie noch eine Immobilie kaufen. Sie arbeitet halb angestellt, halb selbstständig und verfügt netto über rund 1 200 Euro im Monat. Wegen ihrer Halbtagsstelle bekommt sie nur eine geringe gesetzliche Rente.

Auch sie lässt sich bei einem Frauenfinanzbüro beraten, der Rune Finanz GmbH in Berlin. Die Beraterin rechnet hoch, wie viel Rente aus dem jetzigen Vermögen später wird. So weiß Gerlinde Baumgart, wie viel ihre Ersparnisse wert sind und was noch fehlt. Das ist gut. Doch dann empfiehlt die Beraterin eine weitere private Rentenversicherung mit einem Monatsbeitrag von 150 Euro. Das ist viel, zumal Gerlinde Baumgart nicht weiß, ob ihre selbstständige Tätigkeit weiterhin so gut läuft. Außerdem verbaut sie sich womöglich den Weg zu einer Immobilie. „So richtig zufrieden bin ich nicht“, sagt sie.

Auch mit der Beratung bei der Sparda-Bank kann sie nicht viel anfangen. „Ich wusste am Ende nicht, ob das alles zusammenpasst, was sie mir empfehlen. Sie erklären nur Produkt für Produkt, aber bieten kein schlüssiges Gesamtkonzept“, lautet das Fazit von Gerlinde Baumgart.

Zunächst empfiehlt die Beraterin einen Bausparvertrag, um die Wohnungsbauprämie zu nutzen, die es bei geringeren Einkommen gibt. Eine gute Idee.

Alternativ schlägt sie eine aufgeschobene Rentenversicherung gegen Einmalzahlung vor. Zwar würden sich für Gerlinde Baumgart so keine monatlichen Belastungen ergeben, aber das für einen Immobilienkauf notwendige Eigenkapital wäre gebunden.

Dass ihr nur etwas verkauft werden sollte, das Gefühl hatte auch Maria Rubinstein* aus Karlsruhe bei ihrem Gespräch in der Deutschen Bank: „Sie haben gar keine richtige Bestandsaufnahme gemacht.“

Maria Rubinstein ist 50. Sie arbeitet seit 24 Jahren bei derselben Firma, die sie betrieblich absichert. Ihr gehören zwei Wohnungen, eine fast abbezahlt, die andere hat sie mit ihrer Familie gerade bezogen. Ihre gesetzliche monatliche Rente beträgt nach heutigem Stand 1 300 Euro.

Kleine oder große Lücke

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Im Grunde ist sie damit schon ganz gut versorgt. Die Berater der Deutschen Bank veranschlagen ihre Rentenlücke allerdings auf 1 100 Euro und bieten ihr eine fondsgebundene Versicherung an. Nicht einbezogen in ihre Rechnung haben sie die Immobilien.

„Wenn ich selber gar keine Ahnung ­gehabt hätte, wäre ich da rausgegangen und wäre völlig verunsichert gewesen. Denn ich hätte gar nicht richtig verstanden, worum es geht“, sagt sie. „Sie waren zwar freundlich, Kaffee habe ich auch ­bekommen, aber sie haben mich nicht aufgeklärt, sondern mir eher Angst gemacht.“

Frauenberaterin Christina Schmied aus Mannheim hat dagegen eine umfassende Bestandsaufnahme gemacht. „Sie hat nach allem gefragt, was ich habe, sie konnte mir meine betriebliche Versorgung erläutern und hat gesagt, was wann zu tun sei“, sagt Maria Rubinstein. Und sie zieht einen anderen Schluss: Mit der gesetzlichen und betrieblichen Rente sei bereits eine gute Basis vorhanden.

*Namen von der Redaktion geändert.

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