Wer seinen Ruhestand vorbereitet, sollte auch mit dem Finanzamt rechnen. Denn so lassen sich Steuererleichterungen noch optimal nutzen.

Die Rente rückt näher: Für die geburtenstarken Jahrgänge – das sind rund 17 Millionen Menschen zwischen 50 und 65 Jahren – wird Altersvorsorge zunehmend ein Thema. Doch was viele dabei außer Acht lassen, ist die Steuer. Dabei lohnt es sich, rechtzeitig zu planen. So können schon jetzt die Weichen gestellt werden, um im Alter weniger Steuern zu zahlen.

Da reichen schon ein paar Grundregeln. Zum Beispiel die gesetzliche Rente: Eigentlich bietet sie am wenigsten Spielraum für steuerliche Gestaltungen. Aber wer überlegt, sich eventuell früher aus der Arbeitswelt zu verabschieden, wird sich über den Steuersenkungseffekt freuen: Zwar werden für jeden Monat, den man früher aufhört, 0,3 Prozent Rente abgezogen. Aber dafür sinkt der Anteil der Rente, der zu versteuern ist. Die Steuer fällt niedriger aus.

Das hat folgenden Hintergrund: Renten sind noch nicht voll steuerpflichtig, sondern nur zum Teil. Und dieser Anteil steigt jedes Jahr. Wer 2010 in Rente geht, versteuert 60 Prozent, bei dem so errechneten Euro-Betrag bleibt es ein Leben lang. Bei Rentenbeginn 2011 sind es bereits 62 Prozent, bei noch späterem Beginn pro Jahr 2 Prozent mehr (siehe Tabelle). Wer früher aufhört, hat also mehr steuerfrei.

Beispiel: Ein Angestellter, der 2020 in Rente geht und 15 600 Euro Jahresrente erhält, bekäme 7,2 Prozent weniger, wenn er 24 Monate vorher aufhört. Das sind 1 123 Euro. Er müsste dann aber statt 80 Prozent nur 76 Prozent versteuern. Und das bringt ihm rund 300 Euro Steuervorteil.

Ein früherer Ausstieg ist möglich ab 63 Jahren, wenn 35 Versicherungsjahre erfüllt sind, wobei Kindererziehungszeiten und Ersatzzeiten (Schule, Studium) mitzählen.

Insgesamt bleiben Neurentnern des Jahres 2010, die keine weiteren Einkünfte versteuern, etwa 16 500 Euro steuerfrei. Pensionen hingegen sind schon heute nach Abzug des Versorgungsfreibetrags (siehe Tabelle) voll steuerpflichtig.

Zinsen später ausschütten lassen

Mehr Möglichkeiten haben Sparer bei der privaten Altersvorsorge. Ob Aktien, Fonds,Sparbücher oder Rentenpapiere – sie alle unterliegen der Abgeltungsteuer, auch die Kursgewinne. Die Bank behält 25 Prozent ein und führt sie ans Finanzamt ab. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag, sodass es insgesamt 26,375 Prozent sind, inklusive Kirchensteuer 27,98 Prozent – in Bayern und Baden-Württemberg weniger, weil dort die Kirchensteuer niedriger ist.

Steuerfrei bleibt nur der Sparerpauschbetrag von 801 Euro. Dafür muss der Sparer der Bank einen Freistellungsauftrag erteilen. Ehepaare erhalten den doppelten Betrag, auch wenn nur ein Partner Kapitalerträge hat. Mehr als der Pauschbetrag ist aber nicht drin. Höhere Ausgaben, zum Beispiel für den Besuch einer Hauptversammlung, werden nicht mehr anerkannt, wie das noch vor 2009 möglich war. Doch es gibt Steuersparmöglichkeiten: Berufstätige haben in der Regel einen höheren Steuersatz als Rentner. Deshalb lohnt es sich, Einkünfte erst im Ruhestand zu erzielen, da sie dann geringer besteuert werden. Sparer, deren Erträge über dem Pauschbetrag liegen, sollten daher Wertpapiere kaufen, die die Zinsen nicht jedes Jahr ausschütten, sondern erst später nach Rentenbeginn in einem Rutsch. Zum Beispiel werden bei Bundesschatzbriefen Typ B die Zinsen erst am Ende der Laufzeit gezahlt.

Wenn die Bank dann Abgeltungsteuer einbehält, können Ruheständler sie zurückholen. Häufig ist ihre Rente so gering, dass sie überhaupt keine Steuern zahlen müssen, oder ihr Steuersatz liegt unter der 25-prozentigen Abgeltungsteuer. Geld zurück gibt es aber nur per Steuererklärung. Sparer müssen dabei auf Seite 1 der Anlage KAP die „Günstigerprüfung“ ankreuzen.

Beispiel: Von 1 801 Euro Zinsen sind 801 Euro freigestellt. Von den übrigen 1 000 Euro führt die Bank 263,75 Euro Steuer ab. Falls die Steuererklärung zeigt, dass der Rentner keine Steuern zahlen muss, wird der komplette Betrag erstattet. Sind Steuern fällig, aber sein Steuersatz liegt bei 15 Prozent, werden 105,50 Euro erstattet.

Und noch einen Vorteil können Rentner nutzen: den Altersentlastungsbetrag. Damit können sie sogar dann Abgeltungsteuer zurückholen, wenn ihr Steuersatz deutlich über 25 Prozent liegt. Der Altersentlastungsbetrag steht im Jahr 2010 allen zu, die vor dem 2. Januar 1946 geboren wurden. Dieses Jahr beträgt er für Erstnutzer 1 520 Euro (siehe Tabelle). Er gilt für Einkünfte, die weder Rente noch Pension sind, wie Lohn, Zinsen, Miete. Bei Ehepaaren verdoppelt sich der Betragnicht automatisch wie der Sparerpauschbetrag. Beide bekommen ihn nur, wenn beide solche Einkünfte haben. Daher empfiehlt es sich, Vermögen auf beide Partner zu verteilen.

Freistellungsauftrag prüfen

Wichtig ist, die Freistellungsaufträge zu kontrollieren. Sparer sollten darauf achten, dass sie nicht zum Beispiel bei einer Bank 300 Euro freigestellt haben, obwohl es dort nur 100 Euro Zinsen gibt, während bei einer anderen Bank, die 400 Euro Zinsen zahlt, nur 200 Euro freigestellt sind.

Achtung: Insgesamt dürfen nicht mehr als 801 Euro (bei einem Ehepaar 1 602 Euro) freigestellt werden. Banken melden dem Bundeszentralamt für Steuern die Freistellungsaufträge, sodass die Finanzämter überhöhte Beträge finden. Hat ein Kunde es verpasst, einen Freistellungsauftrag zu erteilen oder die Beträge sinnvoll zu verteilen, behält die Bank Steuern ein. Die kann er sich erst mit der nächsten Steuererklärung zurückholen.

Günstig für Gutverdiener

Steuerlich besonders günstig sind private Renten. Hier ist nur der Ertragsanteil steuerpflichtig. Er richtet sich nach dem Alter zu Rentenbeginn: Ist der Rentner bei dem Erstbezug der Rente 65 Jahre alt, muss er 18 Prozent versteuern – mit jedem Jahr jünger ein Prozent mehr. Bei 64 Jahren sind es 19 Prozent.

Beispiel: Wer mit 63 Jahren in Rente geht, muss von 500 Euro 100 Euro versteuern. Liegt der persönliche Steuersatz bei 20 Prozent, sind nur 20 Euro Steuern fällig.

Das gilt auch, wenn der Kunde eine einmalige Kapitalzahlung erhält und diese in eine Rente umwandelt. Doch Vorsicht: Private Rentenpolicen sind zwar eine recht sichere Sparform, bringen aber wenig Rendite und sind unflexibel. Wer in der Sparphase aussteigt, erleidet häufig Verluste. Sinnvoll sind sie wegen der Steuerersparnis am ehesten für Gutverdiener. Das Gleiche gilt für Kapitallebensversicherungen. Hier greift das Finanzamt nur auf die Hälfte der Erträge zu, wenn die Police ab 2005 abgeschlossen wurde, die Laufzeit mindestens zwölf Jahre beträgt und das Geld nach dem 60. Geburtstag ausgezahlt wird. Außerdem zieht es für die Steuerberechnung die eingezahlten Beiträge von der Auszahlung ab.

Beispiel: Ein Kunde bekommt 30 000 Euro. An Sparbeiträgen hat er über die Jahre 20 000 Euro eingezahlt. Von den 10 000 Euro Ertrag versteuert er die Hälfte, also 5 000 Euro zum persönlichen Steuersatz. Beträgt der 20 Prozent, holt sich das Finanzamt 1 000 Euro.

In der Praxis führt der Versicherer aber erst einmal vom vollen Ertrag die Abgeltungsteuer ab, im Beispiel also von 10 000 Euro. Wer das zu viel gezahlte Geld zurückwill, muss eine Steuererklärung abgeben.

Bei Lebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden, bleiben Auszahlungen komplett steuerfrei, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief – falls nicht, greift die 25-prozentige Abgeltungsteuer.

Riester-Rente ruhig noch nutzen

Die Riester-Rente lohnt sich für fast jeden. Denn allein durch die Zulagen erreicht sie eine Rendite, die vergleichbar sichere Anlagen übertrifft: 154 Euro Zulage pro Sparer und Jahr, dazu 185 Euro pro Kind, für ab 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro.

Für Steueroptimierer ist sie vor allem dann attraktiv, wenn der persönliche Steuersatz relativ hoch liegt. Dann lohnt es sich, mehr einzuzahlen als den Mindestbeitrag. Am besten stocken Gutverdiener ihre Beiträge bis zur Fördergrenze von 2 100 Euro im Jahr auf. Bis zu dieser Höhe sind sie als Sonderausgaben abzugsfähig.

Beispiel: Zahlt ein Single ohne Kinder mit 40 000 Euro zu versteuerndem Einkommen den Höchstbetrag, spart das rund 790 Euro Steuern im Jahr. Davon werden die 154 Euro Zulage abgezogen, sodass sich seine Steuerschuld um 636 Euro verringert.

Zwar hat Riester den Nachteil, dass die spätere Rente in voller Höhe zu versteuern ist. Wer zum Beispiel einen persönlichen Steuersatz von 20 Prozent hat, muss von 200 Euro Riester-Rente 40 Euro ans Finanzamt abführen. Viele Rentner betrifft das aber gar nicht: Ihre Einkünfte sind so niedrig, dass sie gar keine Steuern zahlen.

Auch wer jetzt noch anfängt, fährt mit Riester gut. Denn bei einem späten Einstieg erreicht die Rendite Spitzenwerte, weil sich Zulage und Steuerersparnis auf wenige Jahre verteilen.

Rürup-Rente auch für Späteinsteiger

Dasselbe gilt für die Rürup-Rente. Auch sie ist für Späteinsteiger noch ein Tipp. Der Unterschied zum Riestern: Hier gibt es keine Zulagen, sondern nur Steuerersparnisse. Je höher der Steuersatz, desto mehr legt der Staat dazu. Maximal kann der Sparer 20 000 Euro als Sonderausgaben absetzen. Arbeitnehmern bringt das aber nichts, da sie mit ihren Beiträgen zur gesetzlichen Rente die Sonderausgaben ohnehin ausnutzen. Doch für Selbstständige, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung oder einem Versorgungswerk sind, lohnt sich das. Zusatzvorteil: Die Rürup-Rente ist erst ab 2040 voll steuerpflichtig – vorher nur teilweise, wie die gesetzliche Rente.

Oder besser Immobilien?

Für viele sind Immobilien der klassische Weg, fürs Alter vorzusorgen. Doch wer das Objekt selber bewohnt, kann damit keine Steuern sparen. In dem Fall ist eher ein anderer, oft unterschätzter Aspekt wichtig: Bei den eigenen vier Wänden sind Mietersparnis und Wertsteigerung steuerfrei.

Beispiel: Wenn die ersparte Miete 4 Prozent des Immobilienwerts beträgt, müsste ein Sparer, der in eine andere, abgeltungsteuerpflichtige Geldanlage investiert, 5,4 Prozent Vorsteuerrendite erzielen.

Doch Vorsicht: Ob es sich lohnt, eine Immobilie anzuschaffen, hängt von vielen Faktoren ab. Eine Übersicht, ob Miete oder Kauf besser ist, gibt unser kostenloser Rechner unter www.test.de/rechner.

Im Unterschied zur selbstgenutzten Immobilie kann eine vermietete Wohnung große Steuerersparnisse bringen. Zinsen und Abschreibung sind absetzbar und liegen in den ersten Jahren oft deutlich über der Miete, sodass keine Steuer fällig wird.

  • Abschreibung: 50 Jahre jährlich 2 Prozent des Gebäudepreises, nicht des Bodens. Bei Baujahren vor 1924 sind es 40 Jahre lang 2,5 Prozent. Für Denkmäler und in Sanierungsgebieten gelten höhere Sätze.
  • Instandhaltung: Reparaturen, Betriebskosten und Verwalter sind absetzbar.
  • Zinsen: Zinszahlungen, Disagio, Bearbeitungs- und Wertermittlungskosten.
  • Notar- und Grundbuchgebühren.

Verluste können mit anderen Einkünften verrechnet werden. Auf jeden Fall sollten Vermieter notwendige Investitionen noch vor dem Ruhestand tätigen. Denn solche Ausgaben bringen dann weniger Steuerersparnis als während des Erwerbslebens.

Der steuerliche Aspekt darf aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Denn Immobilien bergen erhebliche Risiken: Kaufpreis, Bauqualität, Marktentwicklung, Mietausfall, Finanzierung und anderes.

Geldvermögen übertragen

Ein anderer Weg, die Steuer zu optimieren, ist es, Geld auf die Kinder zu übertragen. Auch ihnen stehen Sparerpauschbetrag, Grundfreibetrag und Sonderausgabenpauschale zu. Pro Kind sind das im Jahr 2010 mindestens 8 841 Euro. Allerdings läuft das nicht automatisch, das Kind muss eine Steuererklärung abgeben. Oder die Eltern beantragen eine Nichtveranlagungsbescheinigung, mit der Zinsen ohne Steuerabzug gezahlt werden, auch wenn der Sparerfreibetrag überschritten ist. Das Kind darf aber keine weiteren Einkünfte haben.

Achtung: Haben Kinder Einnahmen über 4 380 Euro jährlich, werden sie nicht mehr beitragsfrei krankenversichert. Und ab 18 Jahren gilt beim Kindergeld eine Einkommensgrenze von 8 004 Euro (Stand: 2010). Hat das Kind nur einen Euro mehr, fallen Kindergeld und Kinder-Riester-Zulage weg.

Erbe planen

Wenn größere Summen zu vererben sind, ist eine langfristige Steuerplanung unumgänglich. Denn die Freibeträge sind für Erbschaft und Schenkung gleich und dürfen alle zehn Jahre aufs Neue genutzt werden:

  • Kinder haben 400 000 Euro Freibetrag, sowohl beim Vater als auch bei der Mutter.
  • Bei Enkeln sind es 200 000 Euro.
  • Für Geschwister, Nichten, Neffen, Freunde, Lebenspartner sind es 20 000 Euro.
  • Eingetragene Lebenspartner haben den Freibetrag wie Eheleute: 500 000 Euro.

Unabhängig von den Freibeträgen gilt: Eheleute und eingetragene Lebenspartner können eine Immobilie völlig steuerfrei erben, wenn sie das Haus in den nächsten zehn Jahren selbst bewohnen – unabhängig vom Wert, egal ob Palast oder Hütte. Für Kinder gilt das Gleiche, nur greift dann eine Grenze von 200 Quadratmetern.

Wer früher in den Ruhestand geht, zahlt weniger ans Finanzamt.

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