Alters­vorsorge Special

Politiker streiten über die Zukunft der geförderten Alters­vorsorge, die Sparer sind verunsichert. Hier lesen Sie, ob „Riester“ wirk­lich gescheitert ist, für wen die geförderte Alters­vorsorge weiterhin attraktiv ist und was vor einem Vertrags­abschluss zu beachten ist.

Viele Riester-Sparer sind irritiert

Horst Seehofer ist als Politiker für seine markigen Aussagen bekannt. Als im Frühsommer 2016 die Alters­sicherung der Deutschen politisch wieder stark diskutiert wurde, war sein Urteil schnell gesprochen: „Die Riester-Rente ist gescheitert.“ Manch einer fühlte sich bestätigt, viele Riester-Sparer sind irritiert. Seit der Rentenreform 2001 predigt die Politik zusätzliche private Alters­vorsorge. Jetzt sollen die jahre­langen Bemühungen der Anleger gescheitert sein?

Manche kritischen Argumente sind richtig

Bundes­arbeits­ministerin Andrea Nahles beeilte sich zu betonen, dass sich kein Sparer um die Ansprüche aus seiner Riester-Rente sorgen müsse. Doch die Diskussion ist entfacht: Die Versicherungs­branche fordert Reformen, um Riester attraktiver zu machen. Politiker aus Hessen schlagen die „Deutsch­land­rente“ – eine Art Staats­fonds – als Alternative vor. Die Linke fordert: „Riester-Rente rück­abwickeln, gesetzliche Rente stärken.“

Zu teuer, zu unrentabel, zu bürokratisch – es gibt diverse Kritik an der geförderten Vorsorge. Viele Argumente sind richtig: Beim vergangenen Test von Riester-Rentenversicherungen haben nur 4 von 23 Riester-Renten­versicherungen gut abge­schnitten. Gute von schlechten Verträgen zu unterscheiden, ist für Verbraucher allein kaum möglich. Und immer wieder erreichen uns Anfragen genervter Riester-Kunden, die mit den Anbietern und den Behörden Probleme haben. Trotz aller Kritik: Für viele Sparer kann die Riester-Rente eine geeignete Alters­vorsorge sein. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen von Sparern.

Sollte ich meinen Riester-Vertrag nun kündigen?

Nein, das beschert meistens nur Verluste. Wenn Sie den Vertrag kündigen, müssen Sie alle Zulagen und Steuererspar­nisse zurück­zahlen. Außerdem darf der Anbieter von Ihrem Guthaben all seine entstandenen Kosten abziehen. Wer während der Lauf­zeit kündigt, erhält meist noch nicht einmal die einge­zahlten Beiträge zurück. Sie sollten auch bedenken: Viele alte Riester-Verträge sind erheblich lukrativer als Verträge, die Sie heute bekommen würden. Falls Sie sich für eine klassische Renten­versicherung entschieden haben, hat Ihnen der Anbieter beim Abschluss des Vertrags eine garan­tierte Verzinsung zugesagt. Vor der Nied­rigzins­phase war diese vergleichs­weise hoch. Riester-Sparer der ersten Stunde, die seit dem Jahr 2002 eine Police besitzen, bekommen weiterhin 3,25 Prozent Zinsen auf ihre Beiträge nach Abzug der Kosten. Solche Verträge sollten Sie weiter besparen. Wenn Sie sehr unzufrieden mit Ihrem Vertrag sind, ist es besser, keine Beiträge mehr zu zahlen statt zu kündigen. Dann muss Ihnen Ihr Anbieter weiter garan­tieren, dass zu Beginn des Ruhe­stands mindestens alle bisher gezahlten Beiträge und Zulagen vom Staat für eine Verrentung zur Verfügung stehen.

Soll ich jetzt noch einen Riester-Vertrag abschließen?

Ein Riester-Vertrag ist sinn­voll, wenn Sie außer der gesetzlichen Rente keine monatlichen Einkünfte im Alter erwarten können. Die gesetzliche Rente allein wird nicht reichen, um den gewohnten Lebens­stan­dard zu halten. Da Sie nicht wissen, wie alt Sie werden, ist es wichtig, eine Absicherung zu haben, die lebens­lang Monat für Monat eine bestimmte Summe an Sie über­weist. Das garan­tiert die Riester-Rente. Tolle Renditen gibt es aktuell bei Riester-Verträgen meist nicht. Die nied­rigen Zinsen betreffen aber auch alle anderen sicheren Sparformen. Der Vorteil von Riester-Verträgen: Sie bieten wenigs­tens die staatlichen Zulagen und Steuererspar­nisse, die allein schon für eine gewisse Rendite sorgen. Wenn Sie die Förderung Jahr für Jahr ausschöpfen, steht einer erfolg­reichen Alters­vorsorge nichts im Weg.

Die Riester-Tests der Stiftung Warentest

Orientieren Sie sich an unserem großen Riester-Special. Es bietet eine umfang­reiche und kostenlose Über­sicht über die verschiedenen Riester-Formen und führt Sie zu allen aktuellen Tests von Riester-Angeboten, wie etwa Riester-Bauspar-Angeboten, Riester-Banksparplänen oder Riester-Fondsparpläne.

Soll ich warten, bis die Politik eine bessere private Vorsorge anbietet?

Es ist zwar damit zu rechnen, dass die Alters­vorsorge und damit die Riester-Rente Thema des Bundes­tags­wahl­kampfes 2017 werden. Ob danach aber tatsäch­lich neue Modelle beschlossen werden, ist offen. Die sogenannte „Deutsch­land­rente“ und andere diskutierte Varianten sind bislang nur Vorschläge. Sie müssten in einem Gesetz­gebungs­verfahren konkret umge­setzt werden. Das dauert. In der Zwischen­zeit verlieren Sie mehrere Jahre, in denen Sie mit der Riester-Rente für Ihre Alters­vorsorge hätten sparen können.

Lohnt sich Riester nicht nur für Besserverdienende?

Nein, das ist falsch. Ein Beispiel: Eine Frau mit drei kleinen Kindern, die in ihrem Teil­zeitjob 15 000 Euro im Jahr verdient, muss pro Jahr nur 60 Euro selbst in ihren Vertrag einzahlen. Dafür bekommt sie die volle Förderung von 1 054 Euro vom Staat – 154 Euro Grund­zulage für sich und je Kind 300 Euro. Minizinsen hin oder her: Diese Förderung sollte die Frau mitnehmen. Für Besserverdienende sind vor allem die Steuererspar­nisse attraktiv. Ein Allein­stehender, der im vergangenen Jahr 52 500 Euro verdient hat, konnte mit einem Riester-Vertrag bis zu 633 Euro Steuern sparen – zusätzlich zu seiner Zulage von 154 Euro. Wichtig ist jedoch: Einen Teil der Förderung holt sich der Staat später wieder. Einkünfte aus der Riester-Rente werden im Renten­alter voll besteuert. Die Sache lohnt sich in der Regel trotzdem, da der persönliche Steu­ersatz im Erwerbs­leben meist höher liegt als während des Ruhe­stands.

Welche Riester-Variante ist für mich am besten?

Viele Sparer denken bei „Riester-Rente“ auto­matisch an die klassische Riester-Renten­versicherung. Sie ist bequem und plan­bar: Weil die Verzinsung garan­tiert ist, steht bereits bei Vertrags­abschluss fest, welche Rente Sie später bekommen. Aber die Produkte sind meist teuer und lohnen sich aufgrund der hohen Kosten nur, wenn Sie durch­gängig einzahlen. Für junge Sparer sind Riester-Fonds­sparpläne interes­sant. Sparen mit Aktienfonds ermöglicht höhere Renditen. Eine lange Lauf­zeit ist allerdings empfehlens­wert, um zwischen­zeitliche Börsentiefs aussitzen zu können. Wer flexibel bleiben möchte und vielleicht später ohne Verluste das Produkt wechseln will, sollte sich einen güns­tigen Riester-Bank­sparplan aussuchen, auch wenn es aktuell nur sehr geringe Zinsen gibt. Für Sparer, die im Alter gern in den eigenen vier Wänden leben wollen, sind die verschiedenen Formen von Wohn-Riester interes­sant.

Tipp: Eine Über­sicht über die verschiedenen Riester-Formen und alle aktuellen Tests finden Sie im Riester-Special.

Gibt es Sparer, die nicht riestern sollten?

Wenn der Ruhe­stand naht und Sie immer wenig und unregelmäßig verdient haben, werden Sie eine sehr kleine Rente bekommen. Haben Sie keine weiteren Einkünfte, ist es möglich, dass Sie auf die Grund­sicherung im Alter angewiesen sind. Da die Riester-Rente aktuell auf die Grund­sicherung ange­rechnet wird, lohnt sich Riestern in diesem Fall nicht. Wenn Sie neben der gesetzlichen auf eine üppige Betriebs­rente oder Miet­einnahmen zählen können, müssen Sie sich nicht in das enge Riester-Konzept zwängen. Wer sich die Riester-Bürokratie spart, verzichtet allerdings auch auf die staatlichen Zulagen. Wer ohne Förderung lang­fristig Vermögen aufbauen will, sollte auf Fonds­sparpläne setzen. Tipps finden Sie im Test von ETF-Sparplänen (Finanztest 6/2016).

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