Vier Schritte zu einer besseren Alters­versorgung

Schritt 1: Rat bei der Rentenkasse holen

Über­blick verschaffen. Erste Anlauf­stelle ist die gesetzliche Renten­versicherung. Die hilft einzuordnen, wie es wirk­lich um Ihre Versorgung steht. Gerade bei Frauen ist sie oft ein Flickenteppich: gesetzliche Anwart­schaften, mehrere kleine betriebliche Anwart­schaften, private Verträge. Hinzu können abge­leitete Ansprüche durch Partner oder Expartner kommen; gegebenenfalls Ansprüche aus dem Ausland. Also erst einmal alle aktuellen Renteninfos und Stand­mitteilungen raus­suchen.

Beratungs­termine vereinbaren. Vereinbaren Sie dann eine Kontenklärung für Ihr gesetzliches Renten­konto, um zu über­prüfen, ob alle rentenrecht­lichen Zeiten, etwa Kinder­erziehungs- oder Pflege­zeiten, korrekt gespeichert sind (Telefon 0 800/10 00 48 00 oder unter eservice-drv.de). Ist das geklärt, machen Sie einen Termin für eine Alters­vorsorgeberatung. Nehmen Sie alle Informationen zu Ihren gesetzlichen, betrieblichen und privaten Anwart­schaften mit. Ein Mitarbeiter analysiert sie, schätzt, wie hoch Ihre Rentenlücke insgesamt ist und gibt Rat, diese zu füllen.

Gezielt nach­fragen. Fragen Sie gezielt nach, wie Sie diese Lücke durch freiwil­lige Nach- oder Sonderzah­lungen verkleinern könnten. Solche Zahlungen sind in der derzeitigen Nied­rigzins­phase attraktiv. Fragen Sie auch, welche Raten günstig sind, um Steuer­vorteile voll zu nutzen. Achtung: Auch im Notfall kommen Sie an das einge­zahlte Geld nicht heran. Sie sehen es erst im Ruhe­stand als Rente wieder.

Schritt 2: Den Partner ins Boot holen

Vertrag mit dem Partner. Sie über­nehmen die Familien­arbeit und stecken im Beruf zurück? Erklären Sie Ihrem Partner die Konsequenzen für Ihre eigene Absicherung im Alter – vor allem bei einer Trennung. Zwar werden bei einer Scheidung die Renten­anwart­schaften der Ehezeit geteilt, wenn Sie nichts anderes in einem Ehevertrag vereinbart haben. Zukünftige Einbußen wegen Karriereknick, Auszeiten, Teil­zeit­arbeit, schlechterer Bezahlung tragen Sie aber allein. Legen Sie im Guten vertraglich einen Ausgleich fest, etwa indem Ihr Partner sich verpflichtet, auch nach einer Scheidung noch in eine private Renten­versicherung für Sie einzuzahlen. Noch wichtiger sind Vereinbarungen, wenn Sie nicht verheiratet sind.

Rat. Holen Sie sich dafür Rat bei Fach­anwälten für Familien­recht (anwaltauskunft.de). Fragen Sie vorher immer nach den Kosten.

Alters­vorsorgeunterhalt. Sie können auch noch während der Scheidung versuchen, vor Gericht einen Alters­vorsorgeunterhalt mit Ihrem besser verdienenden Ex auszuhandeln. Das klappt in guten Zeiten aber oft besser.

Schritt 3: Mit dem Arbeit­geber verhandeln

Weniger Teil­zeit arbeiten. Die beste Alters­vorsorge ist ein hohes Gehalt. Bevor Sie in Teil­zeit gehen, loten Sie aus, ob Ihr Betrieb Sie nicht anders dabei unterstützen kann, Familien- und Erwerbs­arbeit besser unter einen Hut zu bringen: flexible Arbeits­zeiten, mobiles Arbeiten, Home-Office. Wenn Sie in Teil­zeit gehen, achten Sie darauf, diese zu befristen, damit Sie später wieder aufstocken können. Das neue Brücken­teil­zeitgesetz macht das in vielen Fällen möglich (siehe Schritt 1).

Gehalts­erhöhungen fordern. Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer – oft auch für die gleiche Arbeit. Verkaufen Sie sich nicht unter Wert. Fragen Sie regel­mäßig nach Gehalts­erhöhungen. Die erhöhen auch Ihre Rente. Klappt es nicht, nehmen Sie es sport­lich – fragen Sie im nächsten Jahr wieder. Hat Ihr Betrieb mehr als 200 Mitarbeiter, haben Sie einen Anspruch zu erfahren, was Ihre vergleich­bar arbeitenden männ­lichen Kollegen verdienen.

Befördern lassen. Auch wenn Sie Teil­zeit arbeiten, signalisieren Sie Bereitschaft, Führungs­aufgaben zu über­nehmen. Sie könnten vorschlagen, sich den Chef­posten mit einer anderen Teil­zeit­beschäftigten zu teilen. Dieses Job-Share-Modell bei Führungs­kräften ist in anderen Ländern wie etwa Groß­britannien bereits weiter verbreitet als hier­zulande.

Schritt 4: Richtig sparen

Früh anfangen. Je länger Sie sparen, desto mehr können Sie auch mit kleinen Raten erreichen. Sparen Sie 100 Euro im Monat, können Sie bei einer durch­schnitt­lichen Wert­entwick­lung von jähr­lich 4 Prozent nach zehn Jahren mit rund 14 700 Euro rechnen; nach 30 Jahren mit rund 68 750 Euro.

Pantoffel-Sparen. Wenn Sie noch mehr als zehn Jahre bis zum Renten­beginn haben, könnte das von unseren Finanztest-Kollegen entwickelte Pantoffel-Sparen etwas für Sie sein: flexibel, bequem und vergleichs­weise rendite­stark. Sie teilen Ihre Sparrate auf und über­weisen eine Hälfte auf ein Tages­geld­konto bei Ihrer Bank. Mit der anderen Hälfte kaufen Sie über ein Wert­papierdepot bei Ihrer Bank einen börsen­gehandelten Indexfonds ETF auf den Aktien­index MSCI World. Diese welt­weit anlegenden ETF sind günstig und verteilen das Risiko gut. Infos zum Kaufen, richtigen Anpassen und Aussteigen finden Sie in unserem Special Pantoffel-Portfolio).

Riester-Sparen. Auch der lang­weilige Riester-Vertrag ist trotz aller Kritik oft eine gute Option. Für Frauen mit Kindern und nied­rigem Einkommen ist er aufgrund der Förderung nicht so leicht zu toppen. Mehr dazu in unserem Test Riester Fondspolicen.

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