Altersvorsorge Meldung

Riester-Sparer sollten streng auswählen, bevor sie sich entscheiden. Sie brauchen ein kostengünstiges, renditestarkes Produkt, das zu ihnen passt.

Wer ein bisschen Geld hat, könnte mit seiner Riester-Vorsorge loslegen, denn jetzt gibt es förderfähige Angebote ­ bislang rund 3.500. Finanztest empfiehlt dennoch zu warten, bis klar ist, was diese zertifizierten Produkte taugen. Zur Eile besteht auch gar kein Grund. Um die Förderung aus Zulagen und Steuerfreiheit der Beiträge für das laufende Jahr zu bekommen, reicht es, im Herbst 2002 einen Vertrag zu unterschreiben und den Eigenanteil zu zahlen. Die Förderung für 2002 wird sowieso erst rückwirkend 2003 gezahlt. Für die Jahresrate sollte man aber jetzt schon Geld zurücklegen.

Finanztest wird die Angebote in den nächsten Monaten nach Kosten- und Renditegesichtspunkten untersuchen. Aber auf viele Fragen gibt es schon jetzt eine Antwort.

1. Was ist eine Riester-Rente?

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Das ist ein staatlich geförderter Altersvorsorgevertrag. Er kann eine private Rentenversicherung, ein Fonds- oder ein Banksparplan sein. Alle müssen dem Sparer frühestens ab 60 Jahren eine lebenslange Rente garantieren.

Der Staat spart mit, indem er dem Vertragsnehmer eine jährliche Zulage von anfangs bis zu 38 Euro im Jahr gewährt, für jedes Kind zusätzlich bis zu 46 Euro. Bis 2008 erhöhen sich diese Zulagen bis auf 154 und 185 Euro. Die eigenen Beiträge können die Sparer in ihrer Steuererklärung angeben.

Volle Zulagen gibt es nur, wenn der Sparer seinen vollen Eigenanteil erbringt. 2002 sind das 1 Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Bruttoeinkommens minus der ihm zustehenden Zulage, bis 2008 dann 4 Prozent. Wer 30.000 Euro verdient und ein Kind hat, muss 2002 also 216 Euro einzahlen, um eine Zulage von 84 Euro zu erhalten. Bei Geringverdienern mit einem Kind (Jahreseinkommen unter 12.200 Euro) reichen 38 Euro Einzahlung.

2. Wer braucht eine Riester-Rente?

Alle, die von den mit der Rentenreform beschlossenen Kürzungen in der gesetzlichen Rentenversicherung betroffen sind. Das sind alle Arbeitnehmer einschließlich der Angestellten im öffentlichen Dienst und aller Selbstständigen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Auch die Beamten sind inzwischen förderberechtigt, denn auch ihre Pensionen sinken.

Besonders spürbar werden die Kürzungen für Jahrgänge, die ab 2011 oder später in Rente gehen. Je jünger ein Rentenversicherter oder Beamter ist, desto wichtiger ist es für ihn, die gesetzliche Altersvorsorge durch eine private zu unterstützen. Aber die Riester-Rente allein reicht als private Vorsorge nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Wer kann, sollte zusätzlich sparen.

3. Lohnt sich die Riester-Rente?

Je mehr Förderung ein Sparer erhält, desto mehr lohnt sie sich. Deshalb ist sie gerade für Mütter und Väter interessant, die für ihre Kinder noch lange Kindergeld beziehen. Denn ebenso lange haben sie Anspruch auf die Kinderzulagen. Pro Kind gibt es nur eine Zulage, entweder für die Mutter oder den Vater.

So genannte Besserverdienende profitieren deutlich vom Steuerspareffekt der Riester-Rente. Doch nur wer diese rückerstattete Steuerersparnis auch in seine private Altersvorsorge investiert, kann sich damit eine Zusatzversorgung aufbauen, die seine "Riester-Rentenlücke" schließt.

4. Wer bietet eine Riester-Rente an?

Viele Lebensversicherer, Banken, Sparkassen und auch einige Fondsgesellschaften. In allen Bereichen gibt es Produkte, die bei der Kapitalanlage auf Nachhaltigkeit und ethische Grundsätze einer Investition achten. Die Palette könnte sich bis zum Sommer noch erweitern. Besonders bei den Fondsgesellschaften ist zu erwarten, dass noch mehr Anbieter nachziehen.

5. Wie funktioniert eine Riester-Rentenversicherung?

Staatliche Zuschüsse gibt es für Rentenversicherungen nur, wenn sie den Riester-Regeln folgen. So darf keine einmalige Kapitalzahlung statt des Rentenbezugs möglich sein. Der Rentenbeginn, der nicht wegen Erwerbsunfähigkeit einsetzen soll, ist frühestens ab 60 zulässig.

Riester-Renten sind in der Entnahmephase voll steuerpflichtig. Auch das unterscheidet sie von Renten aus gewöhnlichen privaten Rentenversicherungen. Bei diesen müssen die Empfänger meist nur den so genannten Ertragsanteil versteuern, dessen Höhe vom Renteneintrittsalter abhängt. Beginnt eine solche Rente mit 65 Jahren, beläuft sich der Ertragsanteil beispielsweise auf 27 Prozent. Steuerpflichtig sind von einer herkömmlichen Rente von 1.000 Euro also nur 270 Euro.

6. Was ist eine Riester- Fondspolice?

Bei fondsgebundenen Rentenversicherungen investiert der Versicherer den Sparanteil des Beitrags in Investmentfonds. Eine Garantie ist bei Fondspolicen nicht üblich, bei Riester gibt es sie: Mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive Zulagen müssen bei Rentenbeginn zur Verfügung stehen. Riester-Fondsrenten werden voll versteuert, normale Fondsrenten nur mit ihrem meist kleinen Ertragsanteil.

7. Und ein Riester-Banksparplan?

Die Bandbreite der Riester-Banksparpläne ist ähnlich groß wie die üblicher Banksparpläne. Es gibt vor allem viele Varianten der Verzinsung. Die steuerliche Behandlung ist anders, denn in der Ansparphase sind Zinserträge mit Riester im Gegensatz zu üblichen Banksparplänen steuerfrei. Das ist für Sparer interessant, die ihre Sparerfreibeträge von 1.601 Euro pro Person und Jahr ausgeschöpft haben.

Abschlusskosten fallen bei Banksparplänen normalerweise nicht an, auch nicht bei Riester-Varianten. Die Bank oder die Sparkasse verdient indirekt über die Zinsgestaltung. Außerdem können jährliche Verwaltungskosten berechnet werden. Wichtig sind die Ausstiegskosten, wenn ein Sparer später zu einem anderen Riester-Produkt wechseln will. Nach beiden Punkten sollten Interessierte fragen.

Welche Rendite die Bankvarianten abwerfen, ist schwer prognostizierbar, wenn die Zinsen variabel sind. Dann kann das Institut sie jederzeit verändern, also auch senken. Interessierte sollten eine Variante wählen, bei der sich die Verzinsung zumindest verbindlich an einem Marktzins orientiert.

Das Plus von Banksparplänen ist, dass die Einlage auf jeden Fall erhalten bleibt. Es geht also immer aufwärts, wenn auch meist in kleinen Schritten. Für ältere Riester-Sparer kann diese Sicherheit, gepaart mit dem kostenlosen Abschluss, einen Banksparplan für die Riester-Rente zur besten Wahl vor Versicherungsprodukten und Fondssparplänen machen. Interessant kann diese Anlage auch für jüngere Leute sein, die an die später mögliche Kapitalentnahme für eine Immobilienfinanzierung denken.

8. Was ist ein Riester- Fondssparplan?

Fondsgesellschaften tun sich mit der Kreation förderfähiger Produkte schwerer als Versicherungen. Das liegt zum Teil daran, dass man bei Fonds, insbesondere bei Aktienfonds, im Voraus nie weiß, was am Ende heraus kommt. Trotzdem müssen auch Fondsgesellschaften bei Riester-Sparplänen dafür Sorge tragen, dass das eingezahlte Geld erhalten bleibt. Dafür haben sie verschiedene glaubhafte Konzepte entwickelt. Deshalb verlangt das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen zur Sicherung des Kundengeldes von den Investmentgesellschaften Rückstellungen nur noch, wenn sich die Märkte während der Ansparzeit derart schlecht entwickeln, dass die Garantie nicht wie vorgesehen funktionieren kann. In der Praxis unterscheiden sich Riester-Fondssparpläne damit kaum noch von normalen Fondssparplänen.

Für die Auszahlung, die voll steuerpflichtig ist, wird das angesparte Fondsguthaben aufgeteilt. Ein kleiner Teil fließt in eine Rentenversicherung, die das so genannte Langlebigkeitsrisiko absichert und mit den Zahlungen beginnt, falls der Anleger 85 Jahre alt werden sollte. Der weitaus größere Rest geht an einen Auszahlplan, der in wertbeständige Anlagen investiert, bis der Rentner 85 Jahre alt wird. 20 Prozent des Kapitals können bei Rentenbeginn auf einen Schlag ausgezahlt werden.

9. Was passiert, wenn ein Sparer stirbt?

Der Vertragspartner des Verstorbenen muss das vorhandene Kapital bei Fonds- und Rentensparplänen und bei Rentenversicherungen, sofern vereinbart, an die Erben auszahlen. Vorher zieht er das Geld für seine Mühen ab. Abgezogen wird auch der Teil des Beitrags, der in den Risikotopf floss, aus dem ungewöhnlich lange Renten bezahlt werden.

Die Erben müssen aus der verbleibenden Summe die staatliche Förderung aus Zulagen und Steuerermäßigung zurückerstatten. Wie hoch die Steuervergünstigungen im Einzelnen waren, stellt das Finanzamt fest. Steht das Riester-Konto eines Verstorbenen dann im Minus, müssen die Erben dies nicht ausgleichen.

Steuerunschädlich kann das Vermögen auf einen Riester-Vertrag des hinterbliebenen Ehepartners übertragen werden. Möglich ist eine Auszahlung auch als sofortige Rente für Witwe, Witwer und Waisen, ohne dass Steuern fällig werden. Waisenrenten dürfen aus vererbtem Riester-Kapital nur so lange ausgezahlt werden, wie für den Empfänger Kindergeld gezahlt wird. In welchem Umfang Kinder oder Ehepartner im Todesfall bedacht werden, muss ein Riester-Sparer bei Vertragsbeginn festlegen.

10. Funktioniert die Riester-Rente nur in Deutschland?

Wer einen zertifizierten Vertrag abgeschlossen hat, kann die Beiträge von überall in der Welt aus zahlen, sofern er förderberechtigt ist, weil er zum Beispiel für ein deutsches Unternehmen im Ausland arbeitet.

Geht ein Riester-Sparer in Rente, muss er seine Riester-Rente aber in Deutschland beziehen. Er darf seinen steuerlichen Wohnsitz also nicht ins Ausland verlegen. Ansonsten muss er die Zulagen und Steuervorteile ratenweise zurückzahlen.

Ob diese Einschränkung zulässig ist, wird von der Europäischen Union überprüft werden. Vorübergehende Auslandsaufenthalte sind aber kein Problem.

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