Altersvorsorge Meldung

Selten haben uns so viele Fragen von Lesern zur Riester-Rente erreicht. Hier sind die Antworten. Unser Fazit: Für den Aufbau einer Zusatzrente eignet sich die geförderte Altersvorsorge gut.

Lohnt sich das überhaupt? Muss ich jetzt 100 Jahre alt werden, damit sich die Riester-Rente rechnet?

Verschiedene Medien haben berichtet, dass sich die Rente nicht lohne oder sogar ein Verlustgeschäft sei. Das hat für Verun­sicherung gesorgt. Mittlerweile erwägen manche Sparer, ihren Vertrag wieder zu kündigen oder nicht mehr einzuzahlen.

Auch Jeannette Rode ist skeptisch. Sie hat noch keinen Vertrag, hält aber die Unterlagen für eine Riester-Fondspolice in der Hand. Die hat ihr der Bankberater der Deutschen Bank inklusive CD-Rom „Im Klartext: Besser versichert“ mit nachhause gegeben.

Altersvorsorge Meldung

Kann ich die Riester-Rente auch im Ausland beziehen? Die Chancen stehen gut. Jeannette Rode (30, links) und ihre Schwester Yvonne (25) träumen von einem Lebensabend in Südfrankreich – vielleicht auch auf Mallorca.

Klar ist für die 30-Jährige nur, dass sie für ihre Altersvorsorge etwas tun muss. Denn ihre gesetzliche Rente wird nicht ausreichen, um ihren Lebensstandard im Alter zu sichern. Für eine Zusatzrente, die wirklich lebenslang fließt, hat sie wenige Möglichkeiten: einen Riester-Vertrag, eine private oder eine betriebliche Rentenversicherung.

Eines ist immer gleich: die Garantie für eine lebenslange Rente. Es liegt in der Natur der Sache, dass sich solche Verträge am meisten lohnen, wenn Kunden möglichst lange leben.

Rode hat keine Alternative, weil sie die lebenslange Leistung braucht. Seit etwa einem Jahr ist die Berlinerin nach Jahren der Selbstständigkeit als Fotoredakteurin angestellt und will nun sparen.

Erste Wahl ist für sie ein Riester-Vertrag. Hier hat Rode die Auswahl zwischen verschiedenen Anlageformen und bekommt neben hoher Sicherheit und Förderung vom Staat auch viel Gestaltungsmöglichkeiten.

Bei allen Riester-Verträgen ist garantiert, dass sämtliche Einzahlungen und Zulagen bei Rentenbeginn für die Auszahlung als Rente zur Verfügung stehen. Dies gilt unabhängig davon, ob Rode mit einem Bank- oder Fondssparplan, einer klassischen oder einer fondsgebundenen Rentenversicherung, riestert. Nur bei den Wohn-Riester-Verträgen ist das Geld im Eigenheim gebunden.

Geht die Berlinerin später in Elternzeit, kann sie mit einem Eigenbeitrag von 60 ­Euro im Jahr weiter die Förderung erhalten. Sie kann den Vertrag bei einem finanziellen Engpass auch aussetzen oder – falls sie mal mehr verdient – bis zu 2 100 Euro jährlich in den Vertrag fließen lassen. Diese Flexibilität ist gerade für junge Leute, die sich über 30 oder 40 Jahre lang binden, wichtig.

Sollte sie arbeitslos werden und Hartz IV bekommen, wird das angesparte Guthaben nicht auf das Schonvermögen angerechnet und es ist pfändungsfrei. Das bietet keine private Vorsorge.

Riester-Sparen lohnt sich

Die Riester-Verträge sind auch rentabler als vergleichbare Sparanlagen ohne Förde­rung. Denn der Staat mischt bei der Altersvorsorge kräftig mit.

Mehr als 5,3 Milliarden Euro Zulagen hat der Staat seit dem Jahr 2002 in die Förderung investiert. Pro Person werden jährlich zwar „nur“ 154 Euro gutgeschrieben, doch dadurch haben Sparer einen direkten Renditevorteil. Dass allein schon die Zulagen eine Verzinsung auf das eingezahlte Geld bringen, blieb in den Negativmeldungen über die Riester-Rente außer Acht.

Läuft der Vertrag gut, bekommt der Sparer außerdem nicht nur für seine Einzahlungen, sondern auch für die Zulagen Zinsen. Verzichtet die 30-jährige Jeanette Rode zum Beispiel auf die Zulagen von 5 698 Euro, die der Staat für 37 Beitragsjahre bis zum Rentenstart dazugibt, hat sie gleichzeitig die Zinsen verschenkt, die sie über die Jahrzehnte dafür bekommen hätte.

Es muss auch nicht bei nur einer Zulage im Jahr bleiben. Extrazulagen gibt es für Eltern mit kindergeldberechtigten Kindern. Für jedes Kind zahlt der Staat jährlich 185 Euro, für ab 2008 Geborene sogar 300 Euro dazu. Die Kinderzulagen werden automatisch dem Vertrag der Mutter zugeschrieben, sofern nichts anderes beantragt wird. Für Frauen mit Kindern ist deshalb die Förderung besonders attraktiv.

Hintergrund für diese Regelung ist die schlechte Altersversorgung von Frauen: Sie sind in Zukunft in besonders hohem Maße von Altersarmut betroffen.

Mit 77 Jahren in der Gewinnzone

Jeannette Rode liegt völlig richtig damit, sich schon früh um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Viele denken aber erst um den 40. Geburtstag herum an die Rente.

Finanztest hat deshalb durchgerechnet, wann ein Riester-Vertrag für einen 40-Jährigen Single in die schwarzen Zahlen kommt. Er schließt in diesem Jahr eine klassische Riester-Rentenversicherung bei der Alten Leipziger ab, einem „guten“ Versicherer aus unserem aktuellen Test.

Als Bruttoverdienst haben wir 30 000 Euro angesetzt. Ab dem Jahr 2009 zahlt der Sparer jährlich 1 046 Euro Eigenbeitrag ein und der Staat überweist die Zulage von 154 Euro. Insgesamt 1 200 Euro fließen 27 Jahre lang bis zum Rentenbeginn in den Vertrag.

Im 10. Jahr nach dem Beginn der Rente kommt der Sparer ins Plus, wenn er von der Alten Leipziger die aktuell ausgewiesene Rente erhält. Dann ist er im 77. Lebensjahr. Ab dann bekommt er mehr Geld aus dem Vertrag, als er selbst eingezahlt hat.

Im 14. Jahr, also im 81. Lebensjahr, hat er eine Rendite von 2 Prozent erreicht. Eine höhere Rendite von 4 Prozent ist jedoch erst ab dem 90. Lebensjahr möglich.

Steuervorteile und -nachteile

Die Steuervorteile der Riester-Rente haben wir in unserer Rechnung genauso außen vor gelassen wie die Steuerpflicht im Alter. Riester-Sparer profitieren in der Einzahlungsphase davon, dass sie ihre eingezahlten Beiträge jährlich von der Steuer absetzen können.

Nehmen wir an, der 40-jährige Sparer mit 30 000 Euro Bruttolohn hätte schon in den Jahren 2007 und 2008 den Höchstbetrag von 1 946 (2 100 minus 154 Euro Zulage) jährlich eingezahlt. Dann hätte er vom Finanzamt 473 Euro Steuervorteil bekommen, plus die Zulage von 154 Euro.

Im Alter wendet sich das Blatt. Die Rente ist voll steuerpflichtig. Je höher das Einkommen und damit der Steuersatz im ­Alter, um so mehr wird der Vorteil aus der Einzahlungsphase aufgefressen. Die Förderung in der Einzahlphase ist aber so hoch, dass die Rechnung für die meisten trotzdem aufgeht.

Streit um die Lebenserwartung

Wenn es um Riester geht, stehen auch die Versicherer regelmäßig in der Kritik. Ihnen wird vorgeworfen, die Lebenserwartung ihrer Kunden zu hoch anzusetzen und deshalb zu geringe Renten auszuzahlen.

Um eine lebenslange Rente gewährleisten zu können, müssen alle Anbieter von Riester-Verträgen ab dem 85. Geburtstag die Auszahlung über ein Versicherungsunternehmen gewährleisten, so schreibt es das Gesetz vor. Denn nur Versicherungsunternehmen können aufgrund ihrer gesetzlichen Anlagevorschriften für die lebenslange Zahlung garantieren. Auch ein Banksparplan mündet deshalb irgendwann in eine Rentenversicherung.

Die lebenslange Garantie kalkulieren die Versicherer für alle ihre Kunden, die sogenannte Versichertengemeinschaft. Bei Vertragsschluss wird keine individuelle Gesundheitsprüfung vorgenommen, sondern anhand einer Sterbetafel eine Todeswahrscheinlichkeit festgelegt.

Zurzeit kalkulieren Rentenversicherer bei Neuabschluss damit, dass eine 40-Jährige 96 Jahre alt und ein 40-jähriger Mann 92 Jahre alt wird. Für Riester verwenden sie Mischkalkulationen, da in den Unisextarifen Frauen und Männer gleich behandelt werden.

Die Annahmen der Versicherer liegen extrem weit über den Zahlen, die das Statistische Bundesamt regelmäßig veröffentlicht. Demnach liegt die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland für 40-jährige Frauen bei 83 und für 40-jährige Männer bei 78 Jahren.

Prognosen über die Lebenserwartung sind immer ungenau. Im Rückblick ist allerdings erkennbar, dass die Lebenserwartung in Deutschland stetig steigt. Die erste staatliche Sterbestatistik von 1871/1881 weist für 40-jährige Frauen eine Lebenserwartung von 66 Jahren und für Männer von 65 Jahren aus.

Die Versicherer begründen ihre Rechnung mit Risikopuffern. Sie müssten schließlich für die Absicherung von lebenslangen Renten vorsichtig kalkulieren. Sterben Versicherte doch früher als angenommen, profitieren die länger lebenden Versicherten und der Versicherer davon, auch wenn dies makaber klingen mag. Die Versicherer müssen ihre Kunden jährlich zu 75 Prozent an den Risikoüberschüssen beteiligen, wenn ihre Versicherten im Durchschnitt früher sterben als kalkuliert.

Vertrauen in eine sichere Vorsorge

Trotz aller Diskussionen: Das Vertrauen in die Zusatzrente ist in Deutschland hoch. Mittlerweile sparen über zwölf Millionen Personen mit einem Riester-Vertrag.

Anfang 2009 zählte das Ministerium für Arbeit und Soziales rund neun Millionen Versicherungsverträge, 570 000 Banksparpläne und 2,4 Millionen Fondssparpläne. Allein zwischen Januar und März schlossen 275 000 neu die Zusatzrente ab.

All diese Verträge sind strengen Regeln unterworfen. Das Angesparte soll auf jeden Fall erst im Alter als Zusatzrente zur Verfügung stehen. Bei vorzeitiger Kündigung müssen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden. Doch es gibt Ausnahmen von den Regeln.

Jeannette Rode kann sich zum Beispiel zu Rentenbeginn maximal 30 Prozent des Kapitals auf einmal auszahlen lassen, ohne die Förderung zu verlieren. Aus dem garantierten Guthaben ihrer Riester-Fondspolice könnte sie rund 23 310 Euro entnehmen. Nach Abzug des Drittels wird die Rente neu berechnet und verringert sich entsprechend. Die Teilauszahlung ist bei allen Riester-Verträgen möglich.

Rente auf einen Schlag

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Ute Warmbold (53) spart mit einem Mini-Riester-Vertrag. Sie zahlt 60 Euro im Jahr ein, obwohl sie von Hartz IV lebt. „Die Förderung will ich nicht verschenken.“ Weil ihr Guthaben nur gering sein wird, bekommt sie es später ausnahmeweise auf einen Schlag.

Läuft der Vertrag schlecht oder haben Sparer so wenig eingezahlt, dass es am Ende nur für eine Minirente reicht, darf der Versicherer das Vertragsvermögen auf einen Schlag auszahlen. Die Förderung geht in diesem Fall nicht verloren. Die sogenannte Geringfügigkeitsgrenze wird jährlich neu nach den Vorschriften des Sozialgesetzbuchs ermittelt. Im Jahr 2009 liegt die Grenze bei 25,20 Euro Monatsrente.

Ute Warmbold erwartet eine garantierte Rente von rund 12 Euro. Als die 53-Jährige bei der Hamburg-Mannheimer vor einem Jahr die Kaiserrente abschloss, bezog die früher selbstständige Architektin schon Hartz IV. Sie zahlt 60 Euro im Jahr ein. „Die Rente ist natürlich ein Witz. Doch zu Rentenbeginn sind mit Zulagen insgesamt über 3 200 Euro in den Vertrag geflossen. Das Geld möchte ich mir dann auszahlen lassen.“

Grundsicherung

Ob Ute Warmbold von der staatlichen Grundsicherung leben wird, wenn sie in zwölf Jahren in Altersrente geht, steht noch nicht fest. Dann würde ihre Riester-Rente angerechnet und sie hätte nichts davon. Doch davon wollte sich die Berlinerin nicht beirren lassen. „Wer weiß schon, ob sich die Gesetze nicht noch ändern“, sagt sie.

Die 60 Euro im Jahr, die Ute Warmbold aus eigener Tasche einzahlt, um die Zulage von 154 Euro jährlich zu erhalten, sind ihr das Risiko wert. Ihr Guthaben könnte sie noch minimal aufpeppen, wenn sie den Sockelbetrag von 60 Euro tatsächlich jährlich zahlte und nicht wie bisher monatlich 5 Euro. Der Versicherer kassiert 5 Prozent Ratenzuschlag dafür, dass er die Beiträge monatlich verbucht.

Mit Riester ins Ausland

An einer Stelle wird die nächste Bundesregierung die Riester-Rente womöglich nachbessern müssen. Die Europäische Kommission hat Deutschland verklagt, weil die Auszahlung der Riester-Rente auf das Inland beschränkt ist. Das verstoße gegen das EU-Gemeinschaftsrecht. Noch im Herbst 2009 wird mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) gerechnet.

Wer nach der bisherigen Regelung mit der Riester-Rente ins Ausland geht, muss die Förderung zurückzahlen.

Der Anbieter zweigt von jeder Rentenzahlung 15 Prozent für die Zulagenstelle ab, bis alles zurückgezahlt ist. Die Zinserträge aus der Sparphase werden nicht angetastet und der Auslandsrentner muss für seine Riester-Einnahmen in Deutschland keine Steuern zahlen.

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