Rentenlücke bestimmen

Wer bereits weiß, wie hoch die gesetzliche Rente einmal sein wird, kann sich um den zweiten Schritt kümmern: Der spätere Geldbedarf muss ungefähr ermittelt werden. Dieser ist zwar – genauso wie die gesetzliche Rente – mit zunehmendem Alter besser einzuschätzen. Doch es gibt bestimmte Eckpunkte, auf die alle achten sollten.

Kassensturz

Neben der gesetzlichen Rente gibt es weitere Einnahmequellen, die das Einkommen im Alter erhöhen können. Dazu gehören: Betriebsrenten, Erträge aus Vermietung, Versicherungen oder Vermögen sowie mögliche Erbschaften.

Geldbedarf

Nun ist es wichtig, den Geldbedarf im Alter möglichst genau zu bestimmen. Dazu müssen Verbraucher ihre Konsumwünsche, mögliche zusätzliche Ausgaben oder solche, die wegfallen, auflisten. Kredite oder Hypotheken, die finanziell belasten, müssen ebenfalls eingeplant werden. Auch die Inflationsrate sollten Verbraucher im Hinblick auf vorhandene Geldanlagen in die Berechnung einplanen:

Der Geldbeutel wird entlastet, wenn...

  • Sie Kredite abgezahlt haben – zum Beispiel für eine Eigentumswohnung
  • eine kleinere Wohnung ausreicht, weil Ihre Kinder aus dem Haus sind.
  • Ihre Kinder die Berufs- oder Hochschulausbildung abgeschlossen haben und finanziell auf eigenen Füßen stehen.
  • Sie den Zweitwagen abschaffen können oder überhaupt kein Auto mehr benötigen.
  • Ausgaben für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder Ausgaben für Arbeitskleidung entfallen.
  • bestimmte Versicherungen nicht mehr notwendig sind – etwa eine Risikolebensversicherung.
  • Sie gesetzlich krankenversichert sind und der Krankenkassenbeitrag niedriger wird, weil auch das beitragspflichtige Einkommen (Rente) geringer als früher ist.
  • Sie Geld oder Immobilien erben, langfristige Kapitalanlagen frei werden oder die Leistung aus Lebens- oder Rentenversicherungen fällig wird.

Zusätzlicher Geldbedarf entsteht, wenn...

  • Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus alten- oder behindertengerecht umbauen oder Sie in eine entsprechende Wohnung umziehen müssen.
  • Sie eine Haushaltshilfe oder professionelle Pflegekräfte benötigen. Denn die Leistungen der Pflegeversicherung decken nur einen Teil der dafür anfallenden Kosten.
  • Sie mehr Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen als Ihre Krankenversicherung bezahlt – etwa für Medikamente, Physiotherapie, zusätzliche Untersuchungen
  • Sie Handwerker für Arbeiten benötigen, die Sie in jüngeren Jahren selbst erledigen konnten.
  • Sie Ihre Enkelkinder finanziell unterstützen wollen oder müssen.
  • Sie im Alter mehr Reisen unternehmen wollen – vor allem Fernreisen.
  • Sie zu Beginn des Ruhestands eine teure Anschaffung machen oder verstärkt teuren Hobbys nachgehen wollen.

Rentenlücke bestimmen

Unterm Strich gehen die Experten von Finanztest davon aus, dass Rentner weniger Geld benötigen als noch im Arbeitsleben. Konkret: Im Alter sollten 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung stehen. Mit der gesetzlichen Rente allein ist dieser Betrag aber nicht zu erreichen. Es entsteht eine Rentenlücke, also die Differenz zwischen dem Betrag, der im Alter zur Verfügung stehen sollte und der gesetzlichen Nettorente, auf die individuell Anspruch besteht.
Tipp: Finanztest hat einen kostenlosen Rechner Rentenlücke entwickelt, mit dem Sie Ihre Rentenlücke selbst ausrechnen können.

Abhängig vom Alter und Familienstand

Wie groß die Rentenlücke ist, hängt vor allem vom Alter und Familienstand ab. Bei Jüngeren Menschen oder Verheirateten ist sie größer als bei Älteren oder Alleinstehenden. Die Verringerung des Rentenniveaus wirkt sich vor allem auf jüngere Menschen aus. Und auch die Rentensteuer trifft diese Gruppe besonders. Wer ab 1960 geboren wurde, muss für einen Teil seiner gesetzlichen Rente doppelt Steuern zahlen. Einmal bei der Einzahlung der Beiträge und einmal bei der Rentenauszahlung. Beispiel: Alle ab 1973 Geborenen müssen ihre Rente ab 2040 zu 100 Prozent versteuern. Die eingezahlten Beiträge sind aber erst ab 2025 steuerfrei.
Tipp: Finanztest hat für unterschiedliche Jahrgänge, Gehälter und Familienstände ausgerechnet, wie hoch die Rentenlücke tatsächlich ist. Die Ergebnisse finden Sie in der Tabelle Rentenlücke im Detail.

Privat vorsorgen

Um die Rentenlücke zu verringern muss jeder privat vorsorgen.

  • Fast schon ein Muss für alle, die sie bekommen: die Riester-Rente. Durch die staatliche Förderung kommen Vorsorgesparer auf ansehnliche Renditen.
  • Allein mit einem Riester-Vetrag lässt sich die Rentenlücke nicht schließen, sondern nur verkleinern. Das gilt selbst dann, wenn jemand den Höchstbetrag auf sein Riester-Konto einzahlt und so die maximale staatliche Förderung erhält. Mit einer betrieblichen Altersvorsorge können Vorsorgesparer die Lücke weiter reduzieren.
  • Doch selbst mit Riester-Rente und betrieblicher Altersvorsorge lässt sich die Rentenlücke nicht vollständig schließen. Daher gilt: Wer mag, kann zusätzlich noch Geld investieren - zum Beispiel in eine private Rentenversicherung.
  • Für alle, die keinen Riester-Vertrag abschließen dürfen, gibt es eine Alternative: die Rürup-Rente. Vor allem Selbstständige und Freiberufler können so steuerbegünstigt Geld für das Alter ansparen.
    Tipp: Diese und weitere Möglichkeiten erklärt Ihnen das Special Altersvorsorge auf den folgenden Seiten. Eine Übersicht bietet die Tabelle Anlageformen auf einen Blick.

Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Unabhängig von der Rentenplanung sollten Verbraucher unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen. Die beste Rentenkalkulation wird hinfällig, wenn Betroffene aus gesundheitlichen Gründen schon ab Mitte 40 ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Auch für mögliche Schicksalsschläge wie Tod oder Unfall eines Familienmitglieds sollten Verbraucher vorsorgen – zum Beispiel mit einer Risikolebensversicherung.

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