Altersvorsorge Special

Altersvorsorge. Irgendeine Sparanlage fürs Alter muss sein. An drei Beispielen zeigen wir, mit welcher Strategie wer wie viel Rente erreichen kann.

Wie soll man Geld fürs Alter zurücklegen? Was kommt dabei heraus? Die Antwort hängt davon ab, wann jemand anfängt zu sparen, wie viel er jeden Monat zurücklegt und ob er durchhält. Entscheidend ist auch, wann er in Rente geht und natürlich, wo er sein Geld anlegt.

Die Grundlage jeder Vorsorgerechnung sind immer die eigenen Finanzen und die Lebenspläne. Wir haben uns drei unterschiedliche Lebensläufe ausgedacht und für sie alle wichtigen Zahlen recherchiert. Die gesetzlichen Rentenansprüche unserer Modellfälle nach heutigen Werten und die Prognose für später haben wir mit einem speziellen Programm der Deutschen Rentenversicherung ausgerechnet.

Eines ist für alle drei Fälle gleich: Die staatlich geförderte Riester-Rente ist ein wichtiger Baustein ihrer Vorsorge.

Gesetzliche Rente reicht nicht

Den ersten unserer Modellsparer nennen wir Ronnie Fischer. Der Großhandelskaufmann aus Dresden ist 29 Jahre alt. Seit Dezember 2007 hat er einen guten Job im Vertrieb. Sein Gehalt wurde im Januar 2010 auf 1 900 Euro brutto im Monat erhöht.

Netto hat Fischer jetzt monatlich 1 302 Euro. Er bewohnt für 250 Euro warm ein 35-Quadratmeter-Einraumapartment nahe der Dresdner Innenstadt. Im Sommer will er mit seiner Freundin zusammen in ­eine größere Wohnung ziehen.

Wünsche hat Fischer viele: Auto, Laptop, Urlaubsreise. Spielraum hat er kaum, denn er muss auch Geld für später zurücklegen.

Den größten Anteil von Fischers Altersversorgung wird später wohl die gesetzliche Rente ausmachen, in die er seit zehn Jahren einzahlt – auch während einer kurzen Arbeitslosigkeit. Pluspunkte bringt ihm hier auch seine 13-monatige Zeit bei der Bundeswehr.

Verdient Fischer weiter wie bisher, kann er nach heutiger Rechnung mit mindestens 906 Euro Rente im Monat rechnen, nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben 795 Euro. Das dürfte ihm als Rentner allerdings kaum reichen. Was kann er machen?

Zulagen und Steuervorteile

Entscheidet sich Fischer für einen Riester-Vertrag, bekommt er bis zu 154 Euro Zulage im Jahr vom Staat dazu. Dafür muss er selbst 758 Euro einzahlen.

Gibt er den Riester-Beitrag in seiner Steuererklärung an, sichert er sich zusätzlich 90 Euro Steuervorteil. So bringt er eigentlich nur 668 im Jahr auf, im Monat etwa 56 Euro.

Nicht schlecht: Bei einem guten Anbieter kann er damit auf 330 Euro Rente brutto­
im Monat hoffen – nach Steuern 265 Euro.

Mit gesetzlicher und Riester-Rente zusammen kommt Fischer nach heutiger Rechnung damit auf über 80 Prozent seines derzeitigen Nettoeinkommens ohne seinen Riester-Beitrag – denn dieses Geld steht ihm ja nicht zur Verfügung.

Wir schätzen, dass einem Rentner etwa 80 Prozent seines vorherigen Nettogehalts reichen. Für Fischer sieht es gut aus.

Trotzdem wäre es besser, wenn der Dresdener noch mehr sparen würde. Denn seine gesetzliche Rente könnte zum Beispiel durch politische Einschnitte doch niedriger ausfallen. Vielleicht muss er auch aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Beruf aussteigen, oder er wird einmal länger arbeitslos. All das drückt die Rente.

Inflation nagt an der Riester-Rente

Vergessen sollte Fischer auch nicht den Wertverlust durch Inflation. Die gesetzliche Rente wird zwar an allgemeine Lohnsteigerungen angepasst, aber nicht vollständig.

Bei der Riester-Rente gibt es keine solche Erhöhung. Das führt automatisch zu einem Inflationsverlust. Mehr Rente kommt hier nur heraus, wenn es doch mehr Erträge gibt als erwartet, Fischer mehr einzahlt oder die staatliche Förderung ausgeweitet wird.

Fonds für junge Leute

Der junge Kaufmann will darauf nicht warten. Er spart lieber selbst mehr. Ein Fondssparplan mit 50 oder 75 Euro monatlich eignet sich. Das Geld steckt er in ein oder zwei gute internationale Aktienfonds. Damit bleibt er flexibel. Die Raten kann er jederzeit ändern oder stoppen.

Sollte Fischer an ein Eigenheim denken, investiert er besser in einen konservativen Banksparplan oder er kauft Rentenfondsanteile. Ein Sparziel in nicht allzu weiter Ferne und mögliche Kursstürze von Aktienfonds passen nicht zusammen.

Frau mit Kind

Auch für die 35-jährige Sandra Schäfer bietet sich eine Riester-Rente an, schon weil ihr wegen ihrer kleinen Tochter eine Extrazulage zusteht. Die ledige Mutter aus Krefeld lebt mit dem Vater ihres Kindes zusammen. Wie unterstellen unserer Modellsparerin, dass sie nach dem Abitur und einer Zeit als Au Pair im Ausland eine Ausbildung zur Chemielaborantin gemacht und dann mehrere Jahre lang voll gearbeitet hat.

Nach der Geburt ihrer Tochter 2005 ­unterbrach sie ihren Job für drei Jahre Erziehungszeit und stieg dann mit einer 50-Prozent-Stelle wieder ein. Zum Januar 2010 hat Schäfer diese auf 75 Prozent erhöht.

Damit verdient sie jetzt 1 600 Euro brutto monatlich, 1 134 Euro netto. Hinzu kommen 184 Euro Kindergeld. Wenn Schäfers Tochter etwas größer ist, will die Krefelderin wieder eine volle Stelle übernehmen.

Erziehungszeit und Kinderzulage

An gesetzlicher Rente kann Schäfer mit den Pluspunkten für die Erziehungszeit derzeit 847 Euro Rente brutto ab 67 erwarten. Netto bleiben nach heutiger Rechnung 751 Euro – zu wenig für sie. Eine Riester-Rente würde ihre Aussichten sehr verbessern.

Um die Förderung voll auszunutzen, müsste Sandra Schäfer für das Jahr 2010 selbst nur 141 Euro einzahlen. Maßgeblich für die Höhe des Mindesteigenanteils ist das Bruttoeinkommen des Vorjahres. Da hat Schäfer noch halbtags gearbeitet, also weniger verdient. Deshalb reicht der geringe Beitrag, um die vollen Zulagen (154 Euro Grundzulage, 185 Euro Kinderzulage) einzustreichen.

Schäfer denkt vorausschauend und will von Anfang an für ihren Riester-Vertrag einen Beitrag auf Basis ihrer 75-Prozent-Stelle aufbringen, damit mehr Rente entsteht. Sie zahlt für 2010 insgesamt 429 Euro ein, im Monat 36 Euro. Einen zusätzlichen Steuervorteil hat sie nicht.

Bei einem guten Anbieter kann die junge Frau damit auf eine Brutto-Riester-Rente von 196 Euro hoffen. Netto hätte sie nach heutiger Rechnung 164 Euro zusätzlich.

Nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben käme sie später auf 915 Euro Gesamtrente aus gesetzlicher und Riester-Rente. Das wären etwas mehr als 80 Prozent ihres heutigen Nettogehalts – gerade genug.

Zusätzliche Betriebsrente

Doch Schäfer hat Aussicht auf mehr, denn ihr Arbeitgeber gewährt ihr eine Betriebsrente. Zwar ist dabei noch nicht viel zu­sammengekommen, denn während ihrer ­Er­ziehungszeit entfielen die Beiträge. Inzwischen fließen sie aber wieder.

Bleibt Schäfer in den nächsten Jahrzehnten berufstätig und verdient vielleicht sogar mehr als heute, wird ihr die Firmenrente im Alter Luft verschaffen.

Diese Rente wird geringer sein als die ihrer Kollegen, die genauso viel verdienen wie sie: Bei Betriebsrenten wird anders als bei gesetzlicher und Riester-Rente häufig nach Geschlecht unterschieden. Frauen bekommen wegen ihrer längeren Lebenserwartung von privaten Anbietern normalerweise eine niedrigere Rente als Männer.

Auch deshalb legt die Krefelderin weiteres Geld zurück. Dabei hat sie aber auch die Tochter und deren Ausbildung im Blick.

Schäfer investiert monatlich abwechselnd 100 Euro in gute internationale Aktienfonds und in einen vergleichsweise gut verzinsten Banksparplan.

Mit dem Banksparplan will sie sich eine Reserve für unerwartete Ausgaben schaffen. Die Fondsanteile sollen ihr langfristig eine gute Rendite bringen.

Große Lücke beim Gutverdiener

Thomas Lange aus Freiburg im Breisgau ist unser dritter Fall: 36 Jahre alt, Informatiker, verheiratet, zwei Kinder im Alter von zwei und vier Jahren. Seine Frau Katrin ist Zahntechnikerin. Sie arbeitet zurzeit nicht.

Im Vergleich zu Sandra Schäfer und Ronnie Fischer verdient Lange viel: 4 600 Euro brutto im Monat, netto 3 069 Euro.

Nach heutiger Rechnung kann Lange mit 67 Jahren 1 446 Euro netto gesetzliche Rente erwarten, rund 47 Prozent seines jetzigen Nettoeinkommens – weniger als die Hälfte.

Seine Rente dürfte zwar etwas höher ausfallen, wenn er in den nächsten Jahren mehr verdient.

Da sein Nettoeinkommen mitwüchse, bliebe die Lücke zwischen dem während der Berufstätigkeit verfügbaren Einkommen und dem Ruhegehalt aber bestehen. Vielleicht wird sie sogar größer.

Selbst mit Riester-Rente zu wenig

Mit einer guten Riester-Rente könnte Lange sein Alterseinkommen um 383 Euro netto im Monat aufstocken. Steuervorteil und Zulage eingerechnet kostet ihn das 1 943 Euro im Jahr, im Monat rund 162 Euro.

Lange käme so auf etwa 63 Prozent seines Nettos, das er nach Abzug der Ausgaben für den Riester-Vertrag jetzt hat. Zu wenig. Er sollte mit seiner Firma über einen Zuschuss zu einer Betriebsrente verhandeln.

Doch wie viel Altersvorsorge kann sich der Familienvater Thomas Lange eigentlich leisten? Mit Kindergeld verfügen die Langes derzeit über 3 438 Euro netto im Monat, minus der 162 Euro für Langes Riester-Beitrag sind es 3 276 Euro.

Glück hat die Familie mit ihrer Mietwohnung in Kirchhofen, rund zehn Kilometer südwestlich von Freiburg. Fünf Zimmer auf 145 Quadratmetern für 1 220 Euro Warmmiete. Das gibt es in dieser Region selten.

Dennoch: Die finanziellen Möglichkeiten sind trotz Langes vergleichsweise hohen Einkommens nicht groß. Nach Abzug der Wohnkosten mit Telefon und Strom bleiben rund 1 956 Euro.

Das Ehepaar hat zwei Autos, denn die ­Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist nicht gut genug. Die beiden Fahrzeuge verschlingen mindestens 400 Euro im ­Monat, bleiben 1 556 Euro.

Der Halbtags-Kindergartenplatz für die Vierjährige kostet 120 Euro im Monat, bleiben 1 436 Euro oder rund 330 Euro pro ­Woche für alles, was so anfällt.

Ehefrau mit eigenem Vertrag

Kommt auch der Kleine in den Kindergarten, wird es teurer. Erst im Schulalter sinken die Betreuungskosten für Kinder. Und dann ginge es statt mit zwei Autos für die Eltern vielleicht auch mit nur noch einem Wagen und Fahrrädern für alle.

Bis dahin macht Lange viel richtig, wenn er selbst „riestert“ und auch seine Frau mit einem Mindestbeitrag von 60 Euro im Jahr. Während der dreijährigen Erziehungszeit hat sie Anspruch auf die Förderung. In ihren Vertrag fließen zusätzlich immerhin 639 Euro Zulagen für sie und die Kinder.

Damit geht auch Katrin einen wichtigen Schritt, um ihre eigene Altersvorsorge zu verbessern. Und für später wäre es gut, wenn sie, wie geplant, ab dem dritten ­Geburtstag ihres Sohnes in ihren Beruf zurückkehrt.

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