Altersvorsorge Meldung

Der Rohbau des Hotelturms...

Hunderttausende Bürger investieren mit ­Sparplänen in Firmenbeteiligungen, um fürs Alter vorzusorgen. Die Euro-Gruppe schädigte nun 40 000 Kleinanleger.

Wirtschaftlich nachhaltige Erfolge, at­traktive Zinsen und Steuerersparnis­­se versprach die Euro-Gruppe aus Würzburg Anlegern. Rund 40 000 Menschen glaubten ihr. Jetzt sind ihre Einzahlungen in knapp dreistelliger Millionenhöhe fast völlig verloren.

Die meisten Opfer sind Kleinanleger, die wollten, dass die Firmen der Euro-Gruppe ihr Geld durch Investitionen in Immobilien mehren. Ihnen haben Vermittler die Beteiligungen mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren meist in Form von Sparplänen verkauft. Sie zahlten Monat für Monat ein, oft für die Altersvorsorge.

Mit dem Sparplan gingen Anleger eine Beteiligung als atypisch stille Gesellschafter ein. Sie wurden Mitunternehmer und waren damit am Gewinn und Verlust des Unternehmens beteiligt.

Bricht das Unternehmen wie jetzt die Euro-Gruppe zusammen, haften Anleger für Verluste bis zu der Summe, die sie im Laufe der Jahre einzahlen sollten. Kommt es ganz schlimm, müssen sie also die noch ausstehenden Raten zahlen, um die Schulden ihrer Anlagefirma zu tilgen.

Insolvenzverfahren dauert Jahre

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und das Euro-Center in Würzburg dienten der Euro-Gruppe in der Anlegerwerbung als Vorzeigeimmobilien.

Genau diese Haftungssituation ist jetzt für Anleger eingetreten. „Panik ist jedoch nicht angebracht“, sagt Insolvenzverwalter Bruno Fraas, der derzeit die Vermögenslage der Euro-Gruppe prüft.

Zwar könne er Nachschüsse nicht ausschließen. Er sei jedoch optimistisch, dass durch den Verkauf der mit dem Anlegergeld bezahlten Immobilien genügend Geld zusammenkomme, um die Forderungen der Hauptgläubiger abzudecken.

Die Hauptgläubiger sind vor allem Handwerker, die das Unternehmen nicht bezahlt habe, erklärte Fraas.

Wenn alle Hauptgläubiger befriedigt seien und noch Geld übrig bleibe, werde es an die geschädigten Anleger ausgezahlt. Damit sei aber frühestens in zwei bis drei ­Jahren zu rechnen. So lange wird das Insolvenzverfahren dauern.

Verluste sind sicher

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Franz Klaffenböck, Kopf der ­Euro-Gruppe, ist nur noch vor dem Firmensitz zu sehen. ­Drinnen hat er jetzt Hausverbot.

Sehr wahrscheinlich ist es allerdings nicht, dass Anleger noch etwas von ihrem Geld wiedersehen. „Dass es Verluste gibt, ist ­sicher“, erklärt Bruno Fraas. Denn die Euro-Gruppe habe zuletzt nicht einmal mehr offene Rechnungen bezahlen können.

Finanztest hatte die Beteiligungen ­bereits im Jahr 2000 (siehe Unternehmensbeteiligungen) als „gefährliche Investition“ mit „frag­wür­digen Gewinnversprechen“ bezeichnet. ­Dubios erschien uns auch die Gründung immer neuer Firmen, die alle mit Investitionen in dieselben Immobilien warben.

Anwältin Nicole Neubauer aus München erklärte, eine Firma der Euro-Gruppe, die Goj AG, habe das Anlegergeld zum Beispiel nicht in Immobilien investiert, sondern an andere Gesellschaften der ­Euro-Gruppe weitergeschoben. Das Kammergericht Berlin hatte die Goj AG noch im November 2005 zu Schadenersatz verurteilt (Az. 2 U 157/03, rechtskräftig).

Rettungsversuche schlugen fehl

Am 16. November 2005 meldete die AVB Allgemeine Anlagenvermittlungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH Insolvenz an. Dieser Finanzvertrieb der Euro-Gruppe, der die Beteiligungsverträge verkauft hatte, war lange Zeit von Jürgen Spilker geführt worden. Dieser stand gleichzeitig auch vielen Beteiligungsgesellschaften der Euro-Gruppe vor.

Spilker sowie der gerichtsbekannte Franz Klaffenböck hatten bis ­zuletzt ­versucht, die Finanzmisere der Euro-Gruppe zu verschleiern. Klaffenböck arbeitete wegen seiner früheren Pleite mit der Würzburger Aktiengesellschaft (WAG) aber nur im Hintergrund.

Um wieder flüssig zu werden, versuchten Spilker und Co. dann, den Rohbau des 17-stöckigen Würzburger Hotelturms in der Schweinfurter Straße zu verkaufen. Er gehört der Ibeka, einer der Firmen aus der Euro-Gruppe.

Doch der Verkauf schlug fehl. Zwar hatte sich ein Käufer für den Turm gefunden, der zahlte aber nicht. Daraufhin drohte mindestens ein Gläubiger der Ibeka mit der Zwangsvollstreckung.

Schließlich gab das Amtsgericht Würzburg am 9. Dezember 2005 dem vorläufigen Insolvenzantrag eines Ibeka-Mitarbeiters statt. Er hatte den Antrag gestellt, nachdem ihm die Gesellschaft kein Gehalt mehr zahlte.

Danach ging alles ganz schnell. Da die Unternehmen allesamt eng miteinander verflochten sind, zog der Zusammenbruch der Ibeka AG zwangsläufig die Pleiten aller anderen Firmen nach sich.

Schon am 13. Dezember 2005 ging beim Amtsgericht Würzburg ein Eigenantrag auf Insolvenz für alle 15 Beteiligungsgesellschaften der Euro-Gruppe ein: für die Firmen Goj, Lenz, Euro-Pool, Schober, Schuster-Schreiber, Knothe, Pierenz und Bialek sowie deren Folgegesellschaften.

Die Rechtsanwälte Bruno Fraas und Frank Hanselmann von der Kanzlei Bruno Fraas & Kollegen in Würzburg wurden als Insolvenzverwalter eingesetzt. Sie müssen nun versuchen, den Hotelturm, das als ­Geschäftssitz genutzte Euro-Center, ein Büro- und Ärztezentrum in Würzburg sowie einige Eigentumswohnungen in Delmenhorst und kleinere Ferienimmobilien im Bayerischen Wald zu verkaufen.

Was Anleger tun können

Anleger der Euro-Gruppe sollten umgehend Schadenersatzansprüche gegen die Vermittler der AVB prüfen, wenn sie falsch beraten wurden (siehe „Unser Rat“). Das war häufig der Fall. Finanztest hat wiederholt vor den dubiosen Verkaufsmethoden gewarnt. So drehten haupt- und ne­benberufliche Vermittler Kunden die langjährigen Beteiligungsverträge oft mit falschen Versprechen an. Sie lockten Anleger beispielsweise mit einer festen Verzinsung.

Solche Garantien sind jedoch für eine Unternehmensbeteiligung nicht möglich, weil kein Unternehmen seinen wirtschaftlichen Erfolg vorhersehen kann.

Besonders übel spielten die Vermittler Kunden mit, die Kapitallebensversicherun­gen oder Bauspar­verträge besaßen. Sie überredeten diese, ­ihre Verträge zugunsten der angeblich lukrativen Beteiligungen zu kündigen. Dazu jubelten sie den Kunden eine Vollmacht unter, mit der diese einen Rechtsanwalt ermächtigten, Lebensversicherungen, Bausparverträge und Wertpapiere vorzeitig aufzulösen.

Der Rechtsanwalt kündigte dann die Verträge, um das frei werdende Geld als Anzahlung für einen Sparplan zu verwenden. Die Berater der Euro-Gruppe verschwiegen jedoch, dass die vorzeitige Kündigung von Lebensversicherungs- oder Bausparverträgen meist mit empfind­lichen Verlusten verbunden ist.

Keine Risikohinweise

Über die viel höheren Risiken, die eine Unternehmensbeteiligung mit sich bringt, informierten sie die Kunden oft nicht. Stattdessen erklärten die Berater, dass die Euro-Gruppe mit dem Geld vieler Kleinanleger diesen Anlagepotenziale erschließe, die sonst nur institutionellen Großinvestoren vorbehalten seien.

Die Experten der Euro-Gruppe würden mit ihrem „Know-how“ zunächst attrak­tive Projekte aufspüren, bei denen sich eine Beteiligung rentiere. Damit böten sie ­Anlegern „auf lange Sicht die sicherste Rendite und Wertsteigerung“.

Von der Planung bis zur Vermietung bleibt bei den Investments der Euro-Gruppe nichts dem Zufall überlassen, heißt es selbst nach dem Zusammenbruch des Unternehmens noch auf seiner Internetseite. Auch die Pleite war kein Zufall.

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