Altersvorsorge Meldung

Bankkaufmann Michael Lange, 37, bisher ledig und kinderlos, spart viel und setzt bei seiner Altersvorsorge wenig auf die gesetzliche Rente. 1994 hat er eine Direktversicherung über seinen Arbeitgeber abgeschlossen, die er seit einem Jobwechsel privat fortführt. Seit 1997 zahlt er auch Beiträge für eine private Rente. Außerdem investiert er Teile seines ­Gehalts für eine betriebliche Altersvorsorge, zu der auch sein Arbeitgeber etwas beiträgt.

Ohne Zusatzrente wird kaum einer seinen Lebensstandard im Alter halten können. Die Schwerpunkte der Altersvor­sorge können aber ganz unterschiedlich sein.

Ums Sparen fürs Alter kommt keiner herum. Selbst wer über viele Jahre einen sicheren Arbeitsplatz hat, wird wohl keine üppige gesetzliche Rente bekommen. Zu stark belasten die schon seit langem sehr hohe Arbeitslosigkeit und die alternde Gesellschaft das staatliche Rentensystem. Die Rentner von heute trifft das noch wenig, die in der Zukunft ­umso mehr.

Einen Ruhestand in finanzieller Not kann der Einzelne dennoch verhindern. Dafür muss er aber beizeiten anfangen, Geld für sein Alter zurückzulegen. Beizeiten heißt, schon in den Zwanzigern, am besten ab dem Berufseinstieg.

Am besten 10 Prozent sparen

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Herta Goergen, 56, hat seit ihrem 14. Lebensjahr voll gearbeitet. Doch jetzt sorgt sie sich um ihre Rente. Die Mutter eines Sohnes wird nach 42 Berufsjahren arbeitslos. Ihren Job als Einkaufssachbearbeiterin verliert sie betriebsbedingt, und sie hat wenig Hoffnung, ­wieder Arbeit zu finden. Ihre gesetzliche Rente und ihre Betriebsrente werden dadurch stark sinken. Zum Glück lebt sie mit ihrem Mann in einer abgezahlten Eigentumswohnung.

Sparen heißt kontinuierlich etwas beiseite legen, doch wie viel? Nach einer Faustregel ist eine Summe zwischen 6 und 10 Prozent des Bruttoeinkommens empfehlenswert. Wer monatlich 2 500 Euro verdient, müsste zwischen 150 und 250 Euro im Monat zurücklegen.

Die Regel gibt aber nur eine grobe Richtung an. Wie viel einer sparen sollte, hängt von vielem ab. Einer der wichtigsten Aspekte ist das Einstiegsalter, wie die Tabelle „Was das Sparen bringt“zeigt.

Selbst wenn junge Leute nur wenig abzweigen können, kann ihnen das für später viel bringen. Der Zinseszinseffekt macht über viele Jahre auch aus kleinen Raten ein ansehnliches Vermögen.

Universitätsabsolventen gehen meist spät in den Beruf. Doch eine lange Ausbildung bringt ihrem gesetzlichen Rentenkonto heute keinen Pluspunkt mehr. Wenn sie dann arbeiten, verdienen ­Akademiker häufig nicht schlecht. Eine knappe Versorgung im Alter macht ­ihnen umso mehr zu schaffen. Verdienen Studenten durch Jobs zum Beispiel während der Semesterferien gut, sollten sie deshalb davon einen Teil schon für ihre Rente anlegen.

Wer erst mit 30 oder 40 Jahren mit der Zusatzvorsorge beginnt, muss tiefer in die Tasche greifen. Weil seine Zeit bis zur Rente kürzer ist, profitiert er weniger vom Zinseszinseffekt. Das kann er durch höhere Sparraten ausgleichen.

Berufsunfähigkeit absichern

Ohne Arbeitskraft und Einkommen ist eine Zusatzvorsorge aber nicht möglich. Für Berufseinsteiger und für Studenten gilt deshalb: Der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist unerlässlich. Sie zahlt eine Rente bis zum Ruhestand, wenn der Versicherte wegen seiner schlechten Gesundheit nicht mehr arbeiten kann.

Ältere sollten schon eine solche Versicherung haben, weil es mit den ersten Gesundheitsproblemen schwieriger wird, guten Schutz zu bekommen. Einen ­laufenden Vertrag können sie ohne ­Gesundheitsprüfung ausbauen, wenn er ­eine Nachversicherungsgarantie enthält (siehe Test Berufsunfähigkeits-Versicherung).

Familienzuwachs reißt Lücken

Werden Paare Eltern, sinkt ihr verfügbares Einkommen, weil ein Elternteil wegen Kinderbetreuung meist vorübergehend ganz oder teilweise aus dem Beruf aussteigt. Das gefährdet vor allem die Zusatzvorsorge der Mutter.

Eine Mutter (oder ein Vater) profitiert anfangs zwar davon, dass die gesetzliche Rentenversicherung Kindererziehungszeiten berücksichtigt. Doch ihre betriebliche Altersvorsorge ruht.

Mit Kindern werden zudem oft Wohnung oder Auto zu klein. Der Umzug oder ein neues Auto ist teuer. Für zusätzliche private Altersvorsorge bleibt wenig bis gar nichts.

Mütter, die wegen ihrer Kinder viele Jahre aus dem Beruf gehen, können solche Lücken bei ihrer Rente später kaum noch aufholen. Wenn irgendwie möglich, sollte auch in dieser Lebensphase eine zusätzliche Altersvorsorge nicht völlig ruhen.

Regelmäßig Kassensturz

Am besten zieht jeder gelegentlich Bilanz und prüft, wie es um seine Altersvorsorge steht.

Zwanzigjährige Berufseinsteiger sind mit einem Kassensturz schnell fertig: Sind sie nicht von Hause aus vermö­gend, dann müssen sie in den kommenden Jahrzehnten ­Vermögen bilden, auf das sie im Alter zurückgreifen ­können. Wie viel sie in ihrem Leben verdienen werden und welche finanziellen Verpflichtungen sie einmal belasten, wissen sie noch nicht.

Im Laufe der Jahre ändern sich die Lebensumstände. Der erste Job, eine Tätigkeit im Ausland, Partnerschaft, Kinder, eine Hausfinanzierung, vielleicht eine Erbschaft, vielleicht aber auch Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit.

Wichtig ist es, in guten Zeiten alle Sparanstrengungen im Auge zu behalten. Wie viel stecke ich in welche Geldanlage? Sind risikoreiche Geldanlagen, die höhere Chancen versprechen, und sichere Anlagen angemessen gemischt?

Was kann ich angesichts der derzeitigen Ertragskrise noch von meiner privaten Lebensversicherung erwarten? Welche Zusatzrente bringt mir die betrieb­liche Altersvorsorge? Was wird meine Riester-Rente einmal abwerfen?

Werde ich bis zur Rente meine Immobilie abzahlen können oder welche Mietbelastung muss ich im Alter einkalkulieren? Wen muss ich mit meinem ­Alterseinkommen zusätzlich versorgen?

Es können auch einmal schlechte Zeiten kommen. Längere Krankheit oder Arbeitslosigkeit bedroht dann vielleicht die Sparanstrengungen fürs Alter. Arbeitslosenhilfe, die dem Arbeitslosengeld folgt, wird nur ausgezahlt, wenn der Betroffene seine finanziellen Reserven weitgehend aufgebraucht hat.

Eine selbst genutzte Immobilie müsste ein Arbeitsloser nicht verkaufen, um sein Anrecht auf Arbeitslosenhilfe zu bewahren. Eine betriebliche Altersvorsorge kann der Betroffene normalerweise sowieso nicht auflösen, sodass das ­Arbeitsamt trotz einer solchen Vorsorge zahlen muss. Und eine Riester-Rente muss er grundsätzlich nicht auflösen.

Riester-Rente lohnt sich

Die Riester-Rente sollte für gesetzlich Rentenversicherte die erste Wahl für ­ihre Zusatzvorsorge sein. Ihr Ruf ist zu unrecht schlecht. Die Riester-Rente ist derzeit die attraktivste sichere Geldan­lage. Die Sparer bekommen eine Förderung aus staatlicher Zulage und Steuerbefreiung. Ihre Einzahlungen bleiben garantiert erhalten.

Riester-Sparen ist mit Rentenversicherungen, Fonds und Banksparplänen möglich. Die Förderung ist überall gleich. Für Gutverdiener lohnen sich vor allem die Steuervorteile. Wer wenig verdient, profitiert mehr von den staatlichen Zulagen. Im Jahr 2004 bekommt er für sich 76 Euro und für jedes seiner Kinder 92 Euro. Familien mit vielen Kindern haben davon am meisten.

Eine Riester-Rente allein macht aus einer mickrigen gesetzlichen Rente aber noch kein attraktives Ruhegehalt, zumal im Jahr 2004 maximal 1 050 Euro Jahresbeitrag gefördert werden. Geldsorgen im Alter lassen sich nur vermeiden, wenn man mehr macht.

Oft sind betriebliche Angebote als nächster Baustein attraktiver als eine rein private zusätzliche Vorsorge, weil sie steuerlich gefördert werden. In diesem Jahr können Arbeitnehmer Beiträge bis zu 2 472 Euro steuerfrei einzahlen. Gibt der Arbeitgeber etwas dazu, ist eine betriebliche Altersvorsorge auf jeden Fall zu empfehlen.

Lebensversicherung beliebt

Wenn die Deutschen privat vorsorgen, machen sie das gern mit Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherungen. Nicht einmal die Ertragskrise der Branche scheint die Kunden zu verschrecken, obwohl das berechtigt wäre. ­Waren früher Renditen von 7 Prozent gängig, gibt es zurzeit oft kaum mehr als den Garantiezins, der für Neuverträge ab 2004 bei 2,75 Prozent liegt. Auch vor dem Zugriff des ­Arbeitsamts ist eine Lebensversicherung keinesfalls sicher.

Lebensversicherungen werden steuerlich begünstigt. Kunden können die Beiträge absetzen. Die Auszahlung ist steuerfrei, wenn der Vertrag zwölf Jahre lief und der Kunde mindestens fünf Jahre eingezahlt hat.

Lässt sich der Versicherte das Geld als Rente auszahlen, ist nur der Ertragsanteil steuerpflichtig, bei Rentenbeginn mit 65 Jahren sind das 27 Prozent. Meist bleibt die Rente aber steuerfrei, weil Rentner hohe Freibeträge haben.

Ab 2005 könnte der Steuervorteil zumindest für Kapitallebensversicherungen wegfallen. Vielleicht wird er auch nur verändert. Dieser Vorteil wird ohnehin überschätzt. Steuerfreiheit hat der „Normalsparer“ bei vielen Geldanlagen.

Für Alleinstehende gilt seit 2004 ein Sparerfreibetrag von 1 421 Euro, für zusammenveranlagte Ehepaare von 2 842 Euro. Ein Ehepaar kann in ein voll steuerpflichtiges Wertpapier mit 5 Prozent Zinsen 56 840 Euro steuerfrei anlegen.

Zudem ist eine Lebensversicherung im Vergleich zu manch anderer Geldanlage völlig unflexibel. Ein vorzeitiger Ausstieg aus einem laufenden Vertrag bringt dem Kunden erhebliche Verluste.

Flexibel mit Investmentfonds

Es gibt viele Alternativen zur Lebensversicherung als private Geldanlage. Mit Fondssparplänen ist ein Sparer zum Beispiel sehr flexibel. Er kann einen oder mehrere Fonds besparen, am besten monatlich. Er kann seine Sparraten jederzeit stoppen, senken oder erhöhen und kann immer an sein Geld heran.

Fondsanlagen bieten selten Garantien. Doch auf lange Sicht sind gute Renditen drin. Junge Leute sollten auf internationale Aktienfonds setzen, ältere mehr auf gemischte Fonds, die in Aktien und Zinspapiere investieren oder auf reine Rentenfonds.

Wer in Aktienfonds investiert, muss auf Dividenden Steuern zahlen. Bei Rentenfonds fallen Steuern auf Zinsen an, wenn sie den Freibetrag übersteigen.

Finanztest beobachtet den riesigen Fondsmarkt ständig, um Interessenten einen Überblick zu ermöglichen (siehe „Fonds im Dauertest“).

Auch Immobilien bergen Risiken

Wesentlich mehr Geld als in andere ­Anlagen stecken viele am liebsten in ein ­eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung. Sie müssen dann mit ihren Einkünften haushalten, um über viele Jahre Zinsen und Tilgung aufzubringen.

Das zahlt sich offenbar aus. Hausbesitzer sind im Durchschnitt im Alter wohlhabender als Mieter. Oft sparen sie zusätzlich auf anderen Wegen fürs Alter.

Doch nicht alle halten durch und ­machen ein gutes Geschäft. Bringt der Käufer zu wenig Eigenkapital mit, können ihn die Kreditraten überfordern, besonders wenn er seinen Arbeitsplatz verliert. Vielleicht hat er sein Haus auch zu teuer gekauft. Dann wäre ein späterer Verkauf verlustreich. Oder unvorher­gesehene Sanierungskosten lassen das ­finanzielle Gleichgewicht einer Familie wanken.

Die Tatsache, dass eine Immobilie nun einmal immobil ist, kann ein Nachteil sein. Muss der Besitzer aus beruf­lichen Gründen umziehen, kann er sein Haus nicht mitnehmen. Auch im Scheidungsfall ist eine Aufteilung der in Stein gegossenen Altersvorsorge schwierig.

Im Alter ist das Eigenheim zwar meist abbezahlt, aber für ein Rentnerehepaar allein oft zu groß. Betriebskosten fallen immer noch an, zusätzlich vielleicht schon hohe Instandsetzungskosten.

Finger weg von dubiosen Anlagen

Vor- und Nachteile haben alle Geldanlagen. Ein Renditevergleich auf lange Sicht ist schwierig. Wie viel irgendwann herauskommt, ist auch von persön­lichen Lebensumständen des Sparers bestimmt. Unterbricht er sein Sparen oder muss er eine Anlage auflösen, weil er Geld benötigt, hängt das Endergebnis stark davon ab, wie viel Einbußen er ­dadurch hinnehmen muss.

Ältere Sparer brauchen vor allem ­sichere Geldanlagen für die Rente. Von dubiosen Angeboten mit schillernden Versprechen und hohen Risiken sollten aber alle die Finger lassen.

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