Altersvorsorge geht alle an, die Wege dorthin können sich aber unterscheiden. Wie es sich am besten spart, hängt vom Einzelnen ab. Nur ­anfangen muss jeder irgendwann.

Oliver und Simone Beck* kennen sich seit 17 Jahren aus ihrer Schulzeit in der Eifel. Heute sind beide Mitte 30, verheiratet, haben zwei kleine Söhne und gerade mit viel Eigenarbeit ein hochwertiges Haus gebaut. Großverdiener sind sie nicht, aber sie sparen schon lange. Simone: „Wir haben immer so viel wie möglich zurückgelegt.“ Und das von jedem Job, auch in der Studienzeit.

So zielstrebig in Sachen Geldvermehrung sind wenige. Normalsparer oder Spätzünder müssen trotzdem nicht irgendwann arm dran sein. Ob es mit einem Eigenheim noch klappt, ist zwar nicht sicher. Wohnen lässt es sich jedoch auch zur Miete, im Alter oft besser als im eigenen Haus. Hauptsache, das monatliche Geld reicht dann, um die Lebenshaltungskosten zu decken – und vielleicht für ein wenig mehr.

Um gut dorthin zu gelangen, empfiehlt sich gelegentlich ein Kassensturz. Einnahmen und Ausgaben sollten verglichen, die Höhe des Vermögens, Sparverträge, mög­liche Rentenansprüche und geplante Investitionen wie Haus- oder Autokauf berücksichtigt werden. Wichtig ist, auch die Notfallvorsorge (Berufsunfähigkeits- und Todesfallabsicherung) zu überprüfen, mit der man sich, Partner oder Kinder finanziell für Lebenskrisen wappnet.

Unterlagen sichten

Altersvorsorge Meldung

Jeder Haushalt besaß im Jahr 2003 im Schnitt 40 300 Euro an Geldvermögen. Beim Sparen setzen viele Menschen noch auf das schlecht verzinste Sparbuch. Dass sie hier Erspartes manchmal anzapfen, zeigt sich beim Vermögen.

Jeder Haushalt besaß im Jahr 2003 im Schnitt 40 300 Euro an Geldvermögen. Beim Sparen setzen viele Menschen noch auf das schlecht verzinste Sparbuch. Dass sie hier Erspartes manchmal anzapfen, zeigt sich beim Vermögen.

Konto- und Depotauszüge sowie Standmitteilungen zum Vertrag mit dem Lebensversicherer sind beim Check hilfreich, ebenso jährliche Mitteilungen über die Höhe eines Betriebsrentenanspruchs und einer Riester-Rente. Wichtig ist zusätzlich die aktuelle Information über den Stand des gesetzlichen Rentenanspruchs. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt diese Information inzwischen regelmäßig.

Natürlich sind Prognosen immer unsicher. Dennoch lässt sich mithilfe solcher Unterlagen wohl Pi mal Daumen Bilanz ziehen, was an Vermögen vorhanden ist und wie es wächst.

Wer erst wenig privat vorsorgt, sollte sofort anfangen, Kapital aufzubauen. Verfügt jemand schon über einiges Geld, sollte er auf eine dem Alter angemessene Mischung aus sicheren und chancenreicheren Anlagen achten. Ausreichend Flexibilität gehört dazu, damit bei unerwartetem Bedarf genügend Scheine ohne Verlust entnommen werden können. Alles in langfristige Versicherungen oder Sparanlagen mit fester Laufzeit zu stecken, wäre falsch.

Die Zeit nutzen

Der Zinseszinseffekt, die Verzinsung des Zinses auf Spargeld, ist der größte Trumpf der Früheinsteiger. Er macht für sie auch aus kleinen Raten über Jahre ein ansehn­liches Vermögen. Junge Leute sollten das nutzen. Spart jemand erst ab 40 oder beginnt erst jenseits der 50 Jahre, muss er tiefer in die Tasche greifen, weil seine Zeit bis zur Rente kürzer ist.

Auch bei der Auswahl der Produkte spielt das Alter eine Rolle, denn junge Leute brauchen einerseits mehr Flexibilität, andererseits können sie auch mehr Risiken eingehen. Sie können stärker auf Aktienfonds setzen. Ältere Sparer sollten kon­servativer anlegen, solange sie noch ihre Grundversorgung im Alter sichern. Beim Geld für späteren Luxus können aber auch sie auf Börseninvestments setzen.

Riester-Rente

Es gibt eine Zusatzvorsorge, die für jeden passt, der sie bekommt: den Riester-Vertrag. Gesetzlich Rentenversicherte und Beamte sollten ihn abschließen, egal wie alt sie sind.

Ein Verlust ist bei Riester-Verträgen nicht möglich. Durch die staatliche Förderung machen Sparer sogar dann Gewinn, wenn die Anlage keine Erträge erwirtschaftet. Mindestens die Einzahlungen und die staatlichen Zulagen sind für die Auszahlung garantiert.

Riester-Sparen ist mit Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparplänen möglich. Die Förderung ist überall gleich.

Der Riester-Vertrag hilft, die jüngst gerissenen Lücken in der gesetzlichen Rente auszugleichen. Weil Sparer den Beitrag senken, erhöhen oder aussetzen können, passt sich der Vertrag dem Wechsel des ­Lebensalltags an. Das Spargeld ist „hartz-­sicher“. Es muss nicht verbraucht werden, damit Arbeitslosengeld II fließt.

Die Beiträge für Riester-Verträge kann der Sparer über die Steuererklärung nachträglich steuerfrei stellen. Das bringt ihm eine Steuererstattung. Zudem gibt es staatliche Zulagen. Im Jahr 2006 kann ein Riester-Sparer für sich bis zu 114 Euro und für jedes Kind, für das er Kindergeld erhält, bis zu 138 Euro bekommen.

Für Gutverdiener lohnen sich Verträge mit Riester-Förderung vor allem durch die Steuervorteile. Wer weniger verdient, profitiert mehr von den staatlichen Zulagen. Maximal werden in Riester-Verträgen derzeit 1 575 Euro Beitrag gefördert. Ab 2008 steigt der Höchstbetrag auf 2 100 Euro. Ein Riester-Vertrag allein dürfte vielen deshalb nicht reichen.

Betriebliche Vorsorge

Der Staat hilft auch bei der ebenfalls „hartz-sicheren“ betrieblichen Altersvorsorge: 2006 können Arbeitnehmer Beiträge bis zu 2 520 Euro steuerfrei und bis 2008 auch sozialabgabenfrei einzahlen.

Je nach Steuer- und Beitragssatz zahlt mancher dadurch nur die Hälfte des Sparbeitrags selbst oder sogar weniger. Den Rest bekommt er vom Staat dazu.

Wer keine vor 2005 begonnene Direktversicherung mit Pauschalsteuer bespart, darf weitere 1 800 Euro steuerfrei ansparen, auf die er aber Sozialabgaben zahlen muss.

Betriebsrenten gibt es über fünf Wege: Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung, Unterstützungskasse und Direktzusage. Der Arbeitgeber entscheidet für sein Unternehmen. Größere Firmen bieten häufig mehrere Varianten an.

Das betriebliche Sparen hat aber auch Nachteile: Diese Rente ist wie bei Riester-Verträgen voll steuerpflichtig. Zusätzlich sind hier Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig. Nur privat krankenversicherte Rentner bleiben verschont.

Gesetzlich Versicherte müssen ab dem Jahr 2009 in der Anspar- und Auszahlungsphase Sozialabgaben abführen. Die Doppelbelastung umgeht nur, wer über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, weil er gut verdient.

Manchmal spricht auch die berufliche Planung gegen den Einstieg in eine ­betriebliche Altersversorgung. Ist der Arbeitsplatz nicht sicher, plant der Arbeitnehmer einen Jobwechsel oder will er sich selbstständig machen, unterbricht er das Sparen. Trotz jüngst verbesserter Mitnahmemöglichkeiten führt das fast zwangsläufig zu Einbußen bei der späteren Rente.

Ist der Arbeitsplatz aber einigermaßen sicher und gibt der Chef etwas dazu, ist die Betriebsrente aber eine gute Wahl.

Rürup-Rente

Noch wenig verbreitet ist die jüngste Form der geförderten Altersvorsorge: die Rürup-Rente. Sie soll als Pendant zur Betriebsrente vor allem Selbstständigen die Möglichkeit geben, steuerbegünstigt fürs Alter zu sparen. Bisher gibt es sie nur bei Lebensversicherern unter dem Namen Basis-Rente.

Vielen bringt die Rürup-Rente aber keinen zusätzlichen Steuervorteil, da sie den Spielraum bereits mit anderen Vorsorgeaufwendungen ausgeschöpft haben.

Diese Steuerfalle, die der Erfinder dieser Vorsorge Bert Rürup selbst „gesetzestechnische Panne“ genannt hat, soll nun rückwirkend zum 1. Januar 2006 beseitigt ­werden (siehe Steueränderungen). In Zukunft sollen­ auch ­Investmentgesellschaften und Banken ­Rürup-Renten anbieten können. ­Passen kann die Anlage schon jetzt bei zu erwartender längerer Arbeitslosigkeit. Denn hier lassen sich kurzfristig größere Summen für die Altersversorgung retten, ohne dass der Hartz-IV-Anspruch verfällt.

Sparen pur

Alle anderen Sparprodukte sind rein privater Natur. Sie werden nicht gefördert.

Junge Leute sollten die Renditechancen eines Aktienfondssparplans nutzen. Diesen können sie ruhenlassen, wenn ihnen das Geld ausgeht. Läuft das Leben in festeren Bahnen, könnte eine betriebliche und eine kleine private Rentenversicherung dazukommen.

Eine private Rentenversicherung bringt Sicherheit im Alter bei geringer Steuerlast. Das ist für jüngere Leute wichtig. Sie müssen die gesetzliche Rente später weitge­hend oder vollständig versteuern. Sie sollten aber nicht früh all ihr Geld in solche Verträge stecken. Dafür ist die sichere Rendite zu schmal, die Flexibilität zu gering.

Um fürs Alter zu sparen, bieten sich jedem viele Wege, wenn er das Geld dafür erübrigen kann. Den Riester-Vertrag zuerst zu nehmen, gilt immer, dann die Betriebsrente, für viele. Wir haben uns drei Fälle überlegt, an denen wir beispielhaft zeigen, wie es weitergehen kann.

*Namen von der Redaktion geändert.

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