Altersversorgung im öffentlichen Dienst Meldung

Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst sind im Alter unterschiedlich gut versorgt. Finanztest hat erstmals verglichen: Beamte bekommen bis zu 20 Prozent mehr.

Sie machen oft die gleiche Arbeit am selben Arbeitsplatz, zum Beispiel als Lehrer an einer Schule oder als Dozent an einer Universität – der eine als Beamter, der andere als Angestellter. Doch in der Altersvorsorge gibt es spürbare Unterschiede zwischen den 1,7 Millionen Beamten und den 3 Millionen Angestellten und Arbeitern des öffentlichen Dienstes.

Finanztest hat nachgerechnet: Nach Abzug von Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen können sich Ruhestandsbeamte über spürbar mehr Geld freuen als ihre Kollegen, die als Angestellte tätig waren.

Wir haben Beamtenpensionen und Renten von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes verglichen, die 1942 geboren wurden und am 1. Juli 2007 mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Im Gegensatz zu anderen Untersuchungen, beispielsweise des Bundes der Steuerzahler, die nur die Bruttobeträge von Pension und gesetzlicher Rente vergleichen, schauen wir erstmals auf das, was nach Abzug von Steuern sowie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen übrig bleibt. Nur ein solcher Vergleich ist sinnvoll, denn schließlich interessiert Pensionäre und Rentner gleichermaßen, was sie netto an Einkünften haben.

Bei Alleinstehenden ist der Abstand besonders groß: Alleinstehende Beamte, die mit einem Bruttoeinkommen von 2 500 Euro im Monat durchschnittlich verdienen, haben im Alter 20 Prozent mehr als ehemalige Angestellte. Deren Rente besteht aus der gesetzlichen Rente plus der zusätzlichen Altersversorgung für den öffentlichen Dienst. Wir sprechen deshalb von ihrer Gesamtrente.

Bei Alleinstehenden mit einem Einkommen von 4  000 Euro beträgt das Plus im Ruhestand für Beamte immerhin 16 Prozent (siehe Tabelle).

Verheiratete Pensionäre, die in ihrer aktiven Zeit durchschnittlich verdient haben, bekommen netto 6 Prozent mehr als Rentner. Hatten sie einen höheren Verdienst (4 105 Euro), sind es 16 Prozent mehr.

Nur von den Verheirateten mit niedrigem Verdienst (2 100 Euro) erhalten die Pensionäre etwas weniger als die Rentner: Die Pension liegt um 2 Prozent unter der Gesamtrente.

Der Grund: Ein verheirateter Pensionär zahlt für seine private Kranken- und Pflegeversicherung unabhängig vom Einkommen 320 Euro, ein alleinstehender 160 Euro. Der höhere Beitrag drückt die Nettopension von verheirateten Pensionären stärker und macht die Differenz zur Nettogesamtrente der Angestellten kleiner.

Besonders spürbar ist das für Pensionäre, die in ihrer aktiven Zeit wenig verdient haben. In unserem Musterbeispiel hat der Pensionär 34 Euro weniger als der Rentner. Dies ist der Ausnahmefall von der Regel „Nettopension schlägt Nettogesamtrente“.

Bei Beamten zählt letztes Gehalt

Altersversorgung im öffentlichen Dienst Meldung

Angestellte und verbeamtete Lehrer im Lehrerzimmer. Die gleiche Arbeit, aber große Unterschiede bei der Altersversorgung.

Beamte müssen keine Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zahlen. Ihre Pension ist abhängig vom zuletzt verdienten Bruttogehalt und von der Zahl der absolvierten Dienstjahre.

Pro Dienstjahr wird ein Pensionssatz von zurzeit knapp 1,85 Prozent angesetzt und dann mit der Gesamtzahl der Dienstjahre multipliziert. Für 40 Dienstjahre sind dies also 73,78 Prozent. Dies ist zugleich der höchstmögliche Satz. Auch ein Beamter, der beispielsweise 42 Dienstjahre erreicht hat, bekommt als Ruhegehalt 73,78 Prozent seines letzten Bruttoverdiensts vor dem Ruhestand.

Nach einer Beförderung müssen lediglich zwei Jahre vergangen sein, damit das höhere Gehalt als Berechnungsgrundlage für die Pension gilt. Dies entschied im März das Bundesverfassungsgericht (Az. 2 BvL 11/04). Die bisher geltende Wartezeit von drei Jahren sei grundgesetzwidrig.

Mit Ausnahme eines Versorgungsfreibetrags werden Pensionen voll versteuert. Für Neupensionäre, die wie unsere Modellruheständler im Jahr 2007 aufhören zu arbeiten, beträgt dieser Freibetrag 299 Euro im Monat.

Die meisten Rentner hingegen zahlen für ihre gesetzliche Rente und auch für die Zusatzversorgung für den öffentlichen Dienst keine Steuern, sofern sie keine anderen Einkünfte haben.

Die Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung, die Pensionäre zahlen, sind meist höher als die der Rentner zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Dennoch haben die Pensionäre netto mehr in der Tasche als die Rentner.

Rente schrumpft weiter

Die Differenz zwischen Pensionen und Renten wird voraussichtlich auch künftig nicht kleiner. Denn:

  • Jeder neue Rentenjahrgang muss mehr von seiner Rente versteuern. Zwar wird auch bei den Beamten der Versorgungsfreibetrag abgebaut, doch nicht in dem Tempo, wie der steuerfreie Teil der Renten zurückgeht. Ab 2040 werden gesetzliche Renten und Pensionen völlig gleich besteuert. Drücken die Steuern jetzt vor allem die Pensionäre, werden sie dann Pensionäre und Rentner gleichermaßen belasten.
  • Die Zusatzrente für den öffentlichen Dienst schrumpft. Die Jahrgänge ab 1947 können längst nicht mehr mit einer so guten Zusatzversorgung rechnen wie unser Musterjahrgang 1942. Der Grund ist die seit Anfang des Jahres 2002 wirksame Reform der Betriebsrenten für die Angestellten im öffentlichen Dienst (siehe Öffentlicher Dienst: Hoffen auf das Rentenurteil).
  • Das Niveau der gesetzlichen Rente wird weiter sinken. Derzeit beträgt das Rentenniveau – also die unversteuerte Rente, von der aber die Sozialabgaben abgezogen wurden – rund 53 Prozent des Durchschnittseinkommens vor Steuern. 2020 wird es voraussichtlich nur noch knapp über 46 Prozent liegen.

Zwar sollen die Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung „wirkungsgleich“ auf die Altersversorgung der Beamten übertragen werden, so die Bundesregierung. Doch nicht immer passiert das.

So wird ein Studium seit 2005 bei der Berechnung der gesetzlichen Rente nur noch eingeschränkt anerkannt. Bis dahin wurden drei Jahre Studium so gewertet, dass die Rente um bis zu 59 Euro im Monat erhöht wurde. Dieser Betrag wird seit 2005 stufenweise verringert und für alle, die ab 2009 in Rente gehen, fällt er ganz weg.

Für die Beamten gibt es jedoch weiterhin einen Hochschulbonus. Bei der Berechnung ihrer Pension werden zurzeit noch drei Jahre Studienzeit berücksichtigt. Erst bei Beamten, die ab 2012 in den Ruhestand gehen, wird weniger angerechnet. Ein bisschen weniger: Zwei Jahre und 125 Tage Hochschulbonus werden auch dann weiterhin berücksichtigt.

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