Altersversorgung für Paare Special

Leben zwei zusammen, sollte es auch allein gehen, wenn einer von beiden stirbt. Es empfiehlt sich, rechtzeitig abzuklopfen, ob jeder für sich finanziell über die Runden käme.

Jahrzehnte gemeinsam, aber auch einmal getrennt rechnen – spätestens mit Anfang 50 sollten Paare die Altersversorgung für jeden Partner einzeln abklären. Dann ist noch Zeit, etwas zu verbessern.

Um die Rechnung durchzuspielen, haben wir uns ein Musterpaar ausgedacht: Ursula Weihe ist 54, Peter Weihe 57 Jahre alt. Das Paar lebt in Hannover. Beide sind heute berufstätig, verdienen recht gut.

Mit Kapitaleinkünften und nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben stehen dem Paar netto 3 654 Euro im Monat zur Verfügung. Das reicht bequem. Doch die Eheleute fragen sich, ob sie auch als Rentner finanziell gut klarkommen werden.

Ihre Wohnung kostet heute 753 Euro warm. Dazu kommen 60 Euro für Strom, 50 Euro fürs Telefon, 30 Euro fürs Handy und 300 Euro für Auto, Versicherungen, Tageszeitung, Sportverein, Bücherclub – die Fixkosten der Weihes belaufen sich auf rund 1 200 Euro im Monat.

Derzeit erzielt Ingenieur Peter Weihe als Angestellter eines Statikbüros ein Bruttoeinkommen von rund 4 500 Euro monatlich. Sonderzahlungen erhält er keine.

Sein gesetzlicher Rentenanspruch kann sich trotz einer kurzen Arbeitslosigkeit sehen lassen. In seiner jüngsten Renteninformation stehen 1 800 Euro. So viel etwa wird Weihe bei Rentenbeginn mit 65 Jahren und vier Monaten brutto erhalten, sofern er bis dahin so gut verdient wie heute.

Außerdem kann der 57-Jährige einmal mit rund 280 Euro Betriebsrente rechnen. Diese Rente wird ihm der Pensionssicherungsverein stellvertretend für seine frühere, jetzt pleitegegangene Firma auszahlen.

Ursula Weihe arbeitet halbtags als Bürokauffrau. Sie verdient knapp 1 100 Euro brutto im Monat. Wegen ihrer zwei inzwischen erwachsenen Kinder war sie über viele Jahre hinweg nicht erwerbstätig. Erst vor zwölf Jahren kehrte Ursula Weihe in den Beruf zurück, zunächst mit einem Minijob. Vor acht Jahren fand sie bei einer Immobilienfirma die Halbtagstätigkeit.

Die 54-Jährige wird rund 400 Euro gesetzliche Rente brutto erhalten, wenn sie mit 65 Jahren und sieben Monaten in den Ruhestand geht. Anspruch auf eine Betriebsrente hat sie nicht.

Auf der hohen Kante hat das Ehepaar Weihe zurzeit 46 000 Euro – die Reserve für ein neues Auto, für eine Waschmaschine oder was sonst so anfällt. Und natürlich für Urlaub. Etwa 1 900 Euro an Zinsen bringt das Geld ihnen derzeit im Jahr.

Wie die Abzüge wirken

Erhält Peter Weihe im Jahr 2016 seine ­erste Rente, sind davon 72 Prozent steuerpflichtig, rund 1 300 Euro. Die restlichen 500 Euro bleiben steuerfrei. Die Steuern für seine Rente zahlt Weihe im Nachhinein, für das Jahr 2016 also erst im folgenden Jahr nach der Steuererklärung.

Wenn klar ist, dass auf seine gesetzliche Rente immer Steuern anfallen, könnte Weihe auch die Vorauszahlung beantragen. Dann entfällt das Nachzahlen, das manchen Rentnern unangenehm ist.

Der steuerpflichtige Anteil einer gesetzlichen Rente hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Er erhöht sich für jeden Rentenjahrgang um 2 Prozent, ab 2021 um 1 Prozent, bis er im Jahr 2040 bei 100 Prozent liegt. Auf die Rente zahlen gesetzlich Versicherte zudem etwas mehr als halbe Beiträge für die gesetzliche Krankenkasse und volle für die Pflegekasse.

Seine Betriebsrente muss Weihe über die Lohnsteuerkarte versteuern und auch volle gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge darauf zahlen.

Ursula Weihe wird wohl länger berufstätig sein als ihr Mann. Ist Peter Weihe schon Rentner, während seine Frau noch arbeitet, würde das Paar netto nach heutigen Werten über 2 743 Euro monatlich verfügen. Ab Rentenbeginn der Ehefrau im Jahr 2019 bleiben dem Paar mit Zinsen 2 438 Euro pro Monat. Dabei ist eingerechnet, dass die Rente von Ursula Weihe zu 78 Prozent steuerpflichtig sein wird.

Tod eines Partners

Einschneidend ist der Tod eines Partners. In der gesetzlichen Rentenversicherung hat sich die Hinterbliebenenversorgung 2002 verschlechtert. Das betrifft aber nur Ehepartner, die ab 2002 geheiratet haben und beide nach dem 1. Januar 1962 geboren wurden. Für die Weihes gilt altes Recht.

Es gibt die große und die kleine Witwenrente. Die große in Höhe von 60 Prozent vom Rentenanspruch des Verstorbenen (neues Recht: 55 Prozent) ist die Regel. Der Rentenversicherer zahlt sie zum Beispiel, sobald die Hinterbliebene mindestens 45 Jahre alt ist oder wenn sie minderjährige Kinder versorgt. Die Altersgrenze von jetzt 45 Jahren steigt ab 2012 schrittweise.

Sollte Peter Weihe im Jahr 2026 sterben, erhielte Ursula Weihe eine große Witwenrente. Steuerpflichtig wären wie bei der ­Altersrente ihres Mannes 72 Prozent. Zudem stünde ihr eine betriebliche Witwenrente zu. Beide Renten betrügen 60 Prozent der bisherigen Renten.

Hinzu kämen Zinseinkünfte und Ursula Weihes eigene Rente. Letztere liefe ungekürzt weiter, da sie unter dem Freibetrag ­läge. Der Freibetrag beläuft sich derzeit auf monatlich 689,83 Euro in den alten, 606,41 Euro in den neuen Ländern. Einkünfte darüber werden zu 40 Prozent von der gesetzlichen Hinterbliebenenrente abgezogen, Riester-Renten jedoch nicht.

Im Todesjahr ihres Mannes läge das Nettoeinkommen von Ursula Weihe bei 1 647 Euro im Monat. Erst ab dem zweiten Jahr nach dem Tod des Partners gilt für eine Witwe steuerlich wieder die Grundtabelle. Ursula Weihes Nettoeinkommen würde dadurch ab 2028 um knapp 100 Euro auf 1 551 Euro pro Monat sinken.

Bliebe Peter Weihe allein, hätte er nach dem Tod seiner Frau im Jahr 2026 netto 2 033 Euro. Ab 2028 müsste er durch die andere Besteuerung mit 175 Euro weniger auskommen. Eine Witwerrente bekäme er wegen hoher eigener Einkünfte nicht.

So lange die Weihes zusammen sind und die Gesundheit mitspielt, werden ihre Einnahmen im Alter wohl gut reichen. Für Ursula Weihe allein könnte es einmal knapp werden. Die Kosten für Miete, Krankenversicherung und Auto sollten nicht übermäßig steigen.

Lücken stopfen

Jüngere Partner schützen sich gewöhnlich gegenseitig mit einer Risikolebensversicherung. Dieser Schutz endet aber spätestens, wenn Versicherte 60 oder 65 Jahre alt werden. Länger laufende Verträge sind sehr teuer. Für die Absicherung im Alter sind echte Vermögenswerte und solche mit eingebautem Hinterbliebenenschutz nötig.

Reichen die Einkünfte nach dem Tod des einen Partners dem anderen voraussichtlich nicht für Miete oder die eigene Immobilie, Transport, Kleidung und Lebensmittel, sollten Paare Abhilfe schaffen.

Bei kleineren Lücken kann eine Riester-Rente helfen. Für größere kommen eine Rürup-Rente oder eine private Rentenversicherung ohne Förderung infrage. Beide bieten lebenslange Sicherheit.

Genügen die laufenden Einkünfte schon, bleibt Erspartes besser im Depot. Dort ist das Geld flexibler verfügbar.

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