Altersteilzeit Meldung

Tausende Gewerkschafter demonstrierten dieser Tage für das Weiterlaufen der Altersteilzeit­modelle. Die große Koalition in Berlin streitet sich um die Verlängerung der staatlichen Förderung für Altersteilzeit. test.de erklärt, wer derzeit zu welchen Bedingungen in Alterszeit gehen kann und ob dies auch künftig möglich sein wird.

Was bedeutet Altersteilzeit?

Das Altersteilzeitgesetz soll älteren Beschäftigten einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglichen – so das ursprüngliche Ziel des seit 1996 geltenden „Gesetzes zur Förderung eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand“. Doch mehr als 90 Prozent der Arbeitnehmer, die die Altersteilzeit nutzen, haben sich für das „Blockmodell“ entschieden. Sie haben also nicht ihre wöchentliche Arbeitszeit gleichmäßig reduziert. Vielmehr arbeiten sie in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie bisher Vollzeit. In der zweiten Hälfte, der „Freistellungsphase“, bleiben sie dann ganz zuhause. Sie nutzen die Altersteilzeit also nicht für einen gleitenden sondern für einen vorzeitigen Übergang in den Ruhestand.

Wer darf in Altersteilzeit gehen?

Arbeitnehmer, die mindestens 55 Jahre alt sind und innerhalb der letzten fünf Jahre vor Beginn der Altersteilzeit mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, können ihre Arbeitszeit um die Hälfte reduzieren – vorausgesetzt die Tarifparteien der entsprechenden Branche oder Betriebsleitung und Betriebsrat oder der einzelne Arbeitnehmer und der Chef haben eine entsprechende Vereinbarung getroffen.

Wie lange läuft die staatliche Förderung noch?

Ab Januar 2010 bekommt der Arbeitgeber von der Bundesagentur für Arbeit keinen Zuschuss mehr für das Gehalt des Arbeitnehmers in Altersteilzeit. Betroffen sind Arbeitnehmer ab dem Jahrgang 1955, da sie das 55. Lebensjahr nicht mehr vor dem 1. Januar 2010 erreichen werden. Die Beträge, mit denen der Arbeitgeber das Gehalt aufstockt sind jedoch weiterhin von Steuern und Sozialabgaben befreit.

Wann muss Altersteilzeit beginnen, damit sie wie bisher staatlich gefördert wird?

Entscheidend ist der 31. Dezember 2009. Bis dahin muss der Arbeitnehmer die Altersteilzeit spätestens beginnen. Es reicht nicht, wenn er sie bis dahin beantragt hat.

Ist Altersteilzeit auch nach 2009 noch möglich?

Möglich ja, doch wie bereits jetzt, gibt es keinen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit. Der Anspruch resultiert aus einem Tarifvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder sie muss individuell mit dem Chef vereinbart werden. Die Tarifverträge zur Altersteilzeit sind jedoch zum großen Teil bereits gekündigt. Gewerkschaften und Arbeitgeber verhandeln derzeit über eine neue Altersteilzeit-Vereinbarung. Vom Erfolg dieser Verhandlungen hängt es ab, ob Altersteilzeit auch künftig möglich ist.

Welche Varianten der Reduzierung gibt es?

Neben der gleichmäßigen Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und dem „Blockmodell“ sind auch andere Varianten möglich. Bedingung ist lediglich, dass die Arbeitszeit während der Gesamtdauer der Altersteilzeit im Durchschnitt halbiert wird. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Arbeitnehmer, der sechs Jahre Altersteilzeit vereinbart hat, im ersten Jahr voll arbeitet. Im zweiten Jahr reduziert er seine Arbeitszeit auf 70 Prozent, im dritten auf 50 Prozent im vierten und fünften jeweils auf 40 Prozent und im sechsten Jahr bleibt er ganz zuhause. Im Durchschnitt dieser sechs Jahre hat er seine Arbeitszeit auf 50 Prozent der ursprünglichen Regelarbeitszeit reduziert.

Wie lange darf die Altersteilzeit dauern?

Altersteilzeit lässt sich frühestens vom vollendeten 55. Lebensjahre vereinbaren und läuft dann bis zum Beginn der Regelaltersgrenze. Allerdings gelten folgende Einschränkungen: Altersteilzeit in Form einer gleichmäßigen Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit können Arbeitnehmer und Arbeitgeber individuell über die maximale Zeit vom 55. Lebensjahr bis zum Renteneintritt vereinbaren. Beispiel: Wer 1953 geboren wurde und in 2008 (mit 55 Jahren) in Altersteilzeit geht, kann mit 65 Jahren und 7 Monaten die Regelaltersrente beanspruchen. Er kann Altersteilzeit also für zehn Jahre und sieben Monate vereinbaren. Altersteilzeit in Form des Blockmodells kann individuell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nur für die Dauer von bis zu drei Jahren vereinbart werden. Soll die Altersteilzeit länger dauern, ist ein Tarifvertrag erforderlich.

Wie viel Geld gibt es in Altersteilzeit?

Der Arbeitnehmer in Altersteilzeit bekommt mehr als 50 Prozent seines Nettogehalts. Laut Gesetz sind es 70 Prozent. Und die Beiträge zur Rentenversicherung sind so bemessen, als ob der Arbeitnehmer 80 Prozent seines vollen Gehalts bekäme. In vielen Branchen haben die Tarifpartner für die Altersteilzeitbeschäftigten höhere Gehälter und höhere Rentenbeiträge vereinbart, als vom Gesetz vorgeschrieben. So bekommt ein Beschäftigter in der Metallindustrie 82 Prozent seines ursprünglichen Nettoverdienstes, in der Versicherungsbranche wird das Gehalt auf 75 Prozent aufgestockt.

Wie fördert der Staat die Altersteilzeit?

Der Staat fördert die Altersteilzeit in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist der Betrag, mit dem das Teilzeitgehalt aufgestockt wird, von Steuern und Sozialabgaben befreit. Zum anderen übernimmt die Bundesagentur für Arbeit den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanteil von 20 Prozent, mit dem der Arbeitgeber das Gehalt aufstockt, wenn der freiwerdende (Teilzeit-) Arbeitsplatz mit einem Arbeitslosen oder einem zuvor Ausgebildeten besetzt wird. Für 100 000 der rund 400 000 Arbeitnehmer in Altersteilzeit wird die Aufstockung des Gehalts von der Bundesagentur für Arbeit übernommen.

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