Altersteilzeit Meldung

Seit Jahresbeginn fördert der Staat die Altersteilzeit nicht mehr so wie bisher. Doch für Millionen Arbeitnehmer bleibt sie weiterhin attraktiv. Finanztest beantwortet die wichtigsten Fragen zum gleitenden Übergang in die Rente.

Das „Ende der Altersteilzeit“ läuteten einige Medien im Jahr 2009 ein. Doch die Altersteilzeit ist Ende vergangenen Jahres keineswegs „ausgelaufen“. Nur ein Teil der staatlichen Förderung ist weggefallen. Arbeitnehmer können auch weiterhin vor der Rente weniger arbeiten. Sie sollten die Regeln dafür kennen.

Welche Möglichkeiten der Altersteilzeit gibt es noch?

Altersteilzeit gibt es weiterhin in den zwei erprobten Formen:

  • Arbeitnehmer können frühestens ab dem 55. Geburtstag – in vielen Branchen auch erst ab 57 Jahren oder später – ihre Arbeitszeit in den Jahren vor der Rente um die Hälfte reduzieren.
  • Sie können sich auch für das „Blockmodell“ entscheiden. Dann arbeiten sie in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie bisher Vollzeit. In der zweiten Hälfte, der Freistellungsphase, bleiben sie ganz zuhause.

Sie nutzen die Altersteilzeit also nicht für einen gleitenden Übergang, sondern für einen vorzeitigen Ruhestand. Für diese Variante haben sich bisher rund 90 Prozent aller Altersteilzeitler entschieden. In einigen Tarifverträgen, beispielsweise dem Vertrag für die Metall- und Elektroindustrie, ist das Blockmodell vorgeschrieben.

Wer kann in Altersteilzeit gehen?

Das können beispielsweise Mitarbeiter in der Versicherungsbranche, der Chemieindustrie, der Metall- und Elektroindustrie und im öffentlichen Dienst. Für sie ist die Altersteilzeit weiterhin tariflich geregelt. Eine Übersicht über alle Tarifverträge bietet die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes ( www.tarifarchiv.de).

Ist die Altersteilzeit nicht in einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung geregelt, haben Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch darauf. Sie können allerdings eine individuelle Vereinbarung mit ihrem Arbeitgeber treffen.

Laut Gesetz muss der Arbeitnehmer mindestens 55 Jahre alt sein und in den letzten fünf Jahren vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1 080 Kalendertage, also rund drei Jahre, sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.

Wie viel Geld verdient ein Arbeitnehmer in Altersteilzeit?

Er bekommt mindestens 70 Prozent seines ursprünglichen Gehalts, und die Beiträge zur Rentenversicherung sind so bemessen, als ob der Arbeitnehmer mindestens 80 Prozent seines vollen Gehalts bekäme. So schreibt es das Gesetz vor.

In vielen Branchen haben die Tarifpartner jedoch höhere Gehälter und Rentenbeiträge vereinbart. Die 2,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bekommen zum Beispiel vom Arbeitgeber je nach Tarifgruppe 85 bis 89 Prozent ihres ursprünglichen Nettoverdienstes. Dies ist sogar mehr, als in der früheren Tarifvereinbarung verankert war.

Was hat sich Anfang 2010 bei der Altersteilzeit geändert?

Der Arbeitgeber bekommt für Arbeitnehmer, die ab 1. Januar 2010 in Altersteilzeit gegangen sind, keine Förderung von der Bundesagentur für Arbeit mehr.

Hat die Altersteilzeit spätestens am 31. Dezember 2009 begonnen, gilt die Förderung noch: Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt maximal sechs Jahre lang die Kosten dafür, dass der Arbeitgeber das Gehalt des Altersteilzeitlers auf 70 Prozent des vorherigen Einkommens und die Rentenbeiträge auf 80 Prozent aufstockt. Die Förderung ist an eine Voraussetzung geknüpft: Der Arbeitgeber musste den freiwerdenden (Teilzeit-)Arbeitsplatz mit einem Arbeitslosen oder einem zuvor Ausgebildeten besetzen.

Gibt es nun gar keine staatliche Förderung der Altersteilzeit mehr?

Doch. Der Betrag, mit dem der Arbeitgeber das Teilzeitgehalt aufstockt, ist wie bisher auch künftig von Steuern und Sozialabgaben befreit.

Werden künftig weniger Menschen als bisher die Altersteilzeit nutzen können?

Es wird sich wohl vorerst nicht viel ändern. Auch in der Vergangenheit wurden die meisten Altersteilzeitarbeitsverhältnisse nicht von der Bundesagentur für Arbeit gefördert. Ende 2008 – neuere Zahlen gibt es noch nicht – waren gut 537 000 Arbeitnehmer in Altersteilzeit. Die Behörde übernahm im Jahr 2009 aber nur in rund 96 000 Fällen die Aufstockung des Gehalts. Die Förderung galt also nicht einmal für ein Fünftel der Arbeitnehmer in Altersteilzeit.

In vielen Branchen gibt es neue Tarifverträge, die eine Fortsetzung der Altersteilzeit auch über 2009 hinaus festschreiben. In anderen Branchen gelten die Tarifverträge zur Altersteilzeit ohnehin noch weiter.

Arbeitsmarktexperten rechnen damit, dass Altersteilzeit vorerst nicht weniger in Anspruch genommen wird. Betriebe in der Krise verringern auf diese Weise ihr Personal. „Die Altersteilzeit ist in vielen Fällen betriebswirtschaftlich günstiger als die Zahlung hoher Abfindungen“, sagt Susanne Wanger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg.

Lässt sich die Altersteilzeit mit einem vorzeitigen Beginn der Altersrente kombinieren?

Ja, allerdings nur für die, die vor 1952 geboren wurden. Wer 1952 oder später geboren wurde, kann nach der Altersteilzeit nur noch in Ausnahmefällen vorzeitig in Rente gehen. Diese Alterszeitler können – wie alle anderen Arbeitnehmer auch – nur noch früher in Rente gehen, wenn sie schwerbehindert sind oder mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen können . Die Jahrgänge 1949 bis 1951 können die Rente nach Altersteilzeit frühestens mit 63 Jahren beziehen und müssen einen Rentenabschlag von 7,2 Prozent in Kauf nehmen.

In den Tarifverträgen ist geregelt, dass sich unmittelbar nach der Altersteilzeit die Altersrente anschließt. Arbeitnehmer, die eine individuelle Vereinbarung mit dem Arbeitgeber abschließen, sollten ihre Altersteilzeit so planen, dass sie danach auch wirklich eine Rente beziehen können.

Können auch Teilzeitbeschäftigte in Altersteilzeit gehen?

Ja, allerdings muss die Teilzeitbeschäftigung versicherungspflichtig sein. Altersteilzeit ist dann jedoch häufig nicht mehr attraktiv, weil der ohnehin durch Teilzeitbeschäftigung reduzierte Lohn nochmals vermindert wird.

Maßgeblich für die Berechnung der Altersteilzeit ist die Arbeitszeit, die im Durchschnitt der letzten 24 Monate vor dem Übergang in die Altersteilzeit vereinbart war. Wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel in den letzten zwei Jahren vor Beginn der Altersteilzeit im Schnitt wöchentlich 30 Stunden gearbeitet hat, dürfen für die Berechnung des Altersteilzeitgehalts höchstens 15 Arbeitsstunden zugrunde gelegt werden.

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